"Greyballing" Uber will Behörden nicht mehr mit App-Attrappe täuschen

Um Kontrollen zu entgehen, führt der Fahrtenvermittler Uber Behörden mit einer Fake-App absichtlich in die Irre. Jetzt will das Start-up auf die umstrittene Praxis verzichten.

Uber-App
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Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat eingeräumt, dass Behörden-Mitarbeitern zum Teil eine falsche Version seiner App aufgetischt wurde - und will damit aufhören. Bei dem sogenannten "Greyballing" sieht die App für die betroffenen Nutzer echt aus, ist aber nicht funktionsfähig. Es werden etwa Autos eingeblendet, die gar nicht da sind, und kein Wagen kann bestellt werden.

Wie die "New York Times" am Wochenende berichtete, griff Uber zum sogenannten "Greyballing", um von Aufsehern nicht beim regelwidrigen Betrieb erwischt zu werden. Der Fahrdienst-Vermittler war bekannt dafür, mit seinem Service schnell zu expandieren, ohne auf lokale Vorschriften Rücksicht zu nehmen. Behörden-Mitarbeiter, die Uber mit einer Testfahrt überführen wollten, hätten aber oft die App-Attrape eingespielt bekommen, schrieb die Zeitung.

Uber hatte zunächst erklärt, "Greyballing" werde eingesetzt, um Verletzungen der Nutzungsbedingungen zu verhindern. Jetzt kündigte Sicherheitschef Joe Sullivan jedoch eine Kursänderung an: "Wir verbieten künftig ausdrücklich den Einsatz gegen das Vorgehen lokaler Regulierer." Aus technischen Gründen werde es aber einige Zeit dauern, bis das Verbot komplett umgesetzt werden könne.

hej/dpa



insgesamt 47 Beiträge
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curiosus_ 04.03.2017
1. Reicht das, um...
...Uber als kriminelle Vereinigung einzustufen?
observerlbg 04.03.2017
2. Für mich hat das Ganze eine ähnliche Brisanz..
..wie die spezielle Software eines (oder einiger) PKW-Hersteller zur Vernebelung tatsächlicher Schadstoffaustöße. Ermittlungsbehörden werden also absichtlich bei der Ausübung ihrer Tätigkeit behindert. Und mit welchen Konsequenzen muss Uber nun rechnen? Lasst mich raten: mit keinen.
boingdil 04.03.2017
3. und das soll legal sein?
Bereits das Ausschließen bestimmter Kundenkreise finde ich bedenklich (Diskriminierung etc.) wenn es dann aber das Ausschließen von Gesetzeshütern ist... Vor allem die Begründung ist ja nichts als ein verdecktes Schuldeingeständnis. Man sollte nicht nur Uber-Fahrer ohne Lizenz bestrafen, sondern auch deren Nutzer. Auto ohne Lizenzplakette genutzt --> fettes Ordnungsgeld. Und schon ist der kriminelle Sumpf ausgetrocknet.
cherrypicker 04.03.2017
4. Wer je gezweifelt hat ...
... dass es sich bei Uber und anderen "Diensten" um etwas anderes handelt als mafiöse Ausbeuterstrukturen, wird hier eines besseren belehrt. Die Lösung ist einfach: In Schweden werden beim Entdecken von Prostitution nicht die Anbieterinnen bestraft, wohl aber die Nutzer. Insofern sollte man Uber-Nutzer konsequenterweise wegen Verstoß gegen Arbeitsschutzgesetze verklagen und mit empfindlichen Geldstrafen belegen. Nur so lässt sich dieser neoliberale Sumpf austrocknen!
Strichnid 04.03.2017
5.
Ein Schlag ins Gesicht aller "ich hab doch nichts zu verbergen"-Argumentierer, wenn es um die Freigiebigkeit von Daten geht. Wer hätte gedacht, dass schon die Wahl einer bestimmten Bank einen von solch einem Dienst ausschließen kann, nur weil die Bank sich gern an Polizisten wendet? Zig andere Beispiele wären denkbar.
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