Über 1,38 Euro ist so stark wie lange nicht mehr

Die Schuldenkrise ist noch nicht ausgestanden, doch der Euro erholt sich kräftig. Erstmals seit November hat die Gemeinschaftswährung die Marke von 1,38 Dollar durchbrochen. Devisenhändler spekulieren offenbar auf eine Zinserhöhung.


Frankfurt am Main - Schon oft wurde der Euro als Weichwährung verspottet, doch selbst in seiner ärgsten Krise hat er einen hohen Außenwert. Im frühen Mittwochshandel kostete die Gemeinschaftswährung 1,3840 Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend.

Es ist das erste Mal seit November, dass der Euro über der Marke von 1,38 Dollar liegt. Allein seit vergangenem Freitag hat der Euro zum Dollar rund drei Cent zugelegt.

Ausschlaggebend sind offenbar Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung. Hintergrund ist die Inflation im Euroraum, die auf über zwei Prozent gestiegen ist. Viele Marktteilnehmer erwarten nun, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch im laufenden Jahr die Zinsen anhebt. Höhere Zinsen lassen eine Währung für Anleger attraktiver erscheinen.

"Deutschland muss Zugeständnisse machen"

Thema ist der Euro auch beim EU-Gipfel am Freitag. An diesem Mittwoch berät sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laut einem Zeitungsbericht mit der engsten Regierungsspitze über die deutsche Position. Nach der Kabinettssitzung komme Merkel mit Finanzminister Wolfgang Schäuble und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (beide CDU) sowie Vizekanzler Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (beide FDP) zusammen, berichtet die "Rheinischen Post".

Die Runde solle entscheiden, welche Neuregelungen für den Euro-Rettungsfonds EFSF Berlin akzeptieren werde. Viele EU-Regierungen drängen darauf, das effektive Kreditvolumen des Fonds von 250 auf 440 Milliarden Euro auszuweiten. Zudem solle der EFSF Anleihen notleidender Staaten direkt aufkaufen dürfen. Bisher sperrt sich die Bundesregierung gegen eine solche Regelung. Die anderen europäischen Staaten hoffen hingegen, dass ein starker Rettungsfonds den Euro dauerhaft stabilisieren könnte.

Für Streit sorgt auch die Frage, ob Europa eine einheitliche Wirtschaftsregierung braucht - und wie eine solche aussehen sollte. Spaniens Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero forderte in diesem Punkt mehr Kompromissbereitschaft von Merkel. "Deutschland muss Zugeständnisse bei der wirtschaftlichen Integration machen, bei der Harmonisierung der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik, des Rentenalters", sagte Zapatero in einem Interview mit mehreren deutschen Tageszeitungen, darunter dem "Handelsblatt".

Spanien fordert Pakt für Wettbewerbsfähigkeit

Zapatero bekannte sich zu einem "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit", für den die deutsche Regierung bereits Vorschläge erarbeitet hat. Ein solcher Wettbewerbspakt sei wichtiger als die Debatte über eine Aufstockung des Euro-Rettungsfonds. "Bevor wir uns um den Fonds kümmern, müssen wir die Basis für den Wettbewerbspakt legen", sagte er.

Der spanische Regierungschef, der am Donnerstag mit Kanzlerin Merkel zusammentrifft, warnte die Euro-Länder davor, in der Schuldenkrise gegenseitig Leistungen und Vorteile aufzurechnen. "Wenn wir einzeln anfangen, aufzurechnen, dann nehmen wir dem europäischen Projekt die Seele." Die Wirtschaftsintegration Europas könne man nicht erhalten, wenn man nur schaue, wer gewinnt und wer verliert. Der gemeinsame Markt nutze allen.

Auch der stellvertretende Unionsfraktionvorsitzende Michael Fuchs plädierte im Deutschlandfunk für mehr wirtschaftpolitische Abstimmung der Euro-Staaten. Zugleich pochte er auf einen harten Sanktionsmechanismus beim geplanten Wettbewerbspakt im Falle von Verstößen. Fuchs warnte vor Verwerfungen in der Euro-Zone, sollten sich die Staats- und Regierungschefs nicht bald auf klare Regeln für eine engere Abstimmung ihrer Renten- und Steuerpolitik einigen.

wal/dpa/Reuters



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
Alf.Edel 02.02.2011
1. Danke Spanien!
Zitat: "Spaniens Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero forderte in diesem Punkt mehr Kompromissbereitschaft von Merkel. "Deutschland muss Zugeständnisse bei der wirtschaftlichen Integration machen, bei der Harmonisierung der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik, des Rentenalters" Heißt das jetzt, dass das Rentenalter in Deutschland wieder herabgesetzt wird auf das Niveau der anderen europäischen Staaten? Danke Spanien! ;)
Crom 02.02.2011
2. ...
Zitat von Alf.EdelZitat: "Spaniens Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero forderte in diesem Punkt mehr Kompromissbereitschaft von Merkel. "Deutschland muss Zugeständnisse bei der wirtschaftlichen Integration machen, bei der Harmonisierung der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik, des Rentenalters" Heißt das jetzt, dass das Rentenalter in Deutschland wieder herabgesetzt wird auf das Niveau der anderen europäischen Staaten? Danke Spanien! ;)
Man wird sich darauf einigen, dass dann aber auch die Rentenhöhe entsprechend angepasst wird.
avollmer 02.02.2011
3. Spiel mit den naiven Anlegerschlichten
Erst wird der Euro als gefährdet dargestellt, jetzt die Inflation hochgeredet. Und wem nützt es? Denen, die sich schon vorher entsprechend eingedeckt haben und mit den Gerüchten ihre verfügbaren Titel gewinnbringend loswerden können. Die aktuelle Sau, die durchs Anlegerdorf getrieben wird, deutet darauf hin, dass hier Immobilientitel gehalten werden. Die gebunkerten Euros wird man ja gerade gewinnbringend los, die hat man im Herbst fürs Gold gekriegt, das man vor einem Jahr kaufte. Der Sau immer eine Runde voraus. Das sind keine Insider-Geschäfte, das ist Hütchenspielerei.
Alf.Edel 02.02.2011
4. Rentenerhöhung?
Zitat von CromMan wird sich darauf einigen, dass dann aber auch die Rentenhöhe entsprechend angepasst wird.
Heißt das jetzt, dass die Rente wieder auf ein würdiges Niveau(z.B. griechisches) erhöht wird? Nochmals: Danke Spanien! ;)
kneppers 02.02.2011
5. gähn
Interesant wäre wie stark die DM wäre und nicht diese Windelweichwährung im Vergleich zur Kanonenwährung Dollar.
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