Überfüllter Zug Bahn zahlt Fahrgästen 25 Euro fürs Aussteigen

Bares gegen Bahnsteig: Weil ein Intercity völlig überfüllt war, hat die Bahn Reisende mit einem 25-Euro-Gutschein in Münster zum Ausstieg bewogen. Der Konzern widersprach aber der Darstellung, er habe den Fahrgästen mit einem Polizeieinsatz gedroht.

Intercity: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo
DPA

Intercity: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo


Münster - Bahnchef Rüdiger Grube hat es wahrlich nicht leicht. Er will den Staatskonzern zu einem der kundenfreundlichsten und sympathischsten Unternehmen der Republik machen. Doch immer wieder kommt dieser schönen Zukunftstheorie die triste Realität in die Quere.

Am Karfreitag hat die Bahn mit Gutscheinen über 25 Euro viele Fahrgäste aus einem überfüllten IC-Zug in Münster gelockt. Auch die Bundespolizei stand bereit, um bei der teilweisen Evakuierung des Zuges von Frankfurt am Main nach Westerland auf Sylt zu helfen. Der IC 2310 sei "hoffnungslos überfüllt" gewesen und habe aus Sicherheitsgründen in Münster stoppen müssen, sagte ein Sprecher der Bahn.

Er widersprach jedoch einem Bericht der "Rheinischen Post", wonach die Passagiere erst ausstiegen, nachdem die Bahn mit einem Polizeieinsatz gedroht habe. "Es handelte sich nicht um eine Drohung. Wir drohen unseren Fahrgästen nicht." Die Darstellung der Zeitung sei "überzeichnet", sagte er. "Unser Servicepersonal hätte die Bundespolizei um Unterstützung gebeten, wenn es erforderlich gewesen wäre, aber das war nicht nötig."

"Es wurden alle Reisenden ohne Platzreservierung gebeten, den Zug zu verlassen. Letzten Endes haben die Reisenden Verständnis gezeigt", sagte der Bahnsprecher. Wie viele den Zug verließen, sei unklar. "Aber es waren genug, um die Fahrt fortzusetzen." Jeder habe Anspruch auf einen 25-Euro-Gutschein. Der Zug sei in Münster mit 20 bis 30 Minuten Verspätung weitergefahren.

Behinderungen auch auf Autobahnen

Der Zug musste nach Angaben des Bahnsprechers teilweise geräumt werden, weil Fahrgäste beim starken Bremsen sonst möglicherweise über Mitreisende oder Gepäckstücke gestolpert wären. "Das war auch nur ein Einzelfall. Trotz des hohen Reiseaufkommens an Karfreitag ist es sonst nicht zu einer vergleichbaren Situation gekommen". Alle ausgestiegenen Reisenden konnten laut Bahn in einen der nachfolgenden Züge nach Westerland wechseln.

Auch viele andere Reisende sind mitten im Osterverkehr auf eine harte Geduldsprobe gestellt worden. Die vielbefahrenen Strecken Hannover-Berlin und Nürnberg-Bamberg waren nach Bahnangaben am Donnerstag teilweise stundenlang gesperrt. Erst am Abend wurden die Abschnitte wieder freigegeben.

In der Nacht war ein Kran bei Gleisbauarbeiten zwischen dem niedersächsischen Vorsfelde bei Wolfsburg und dem sachsen-anhaltischen Oebisfelde auf die Schienen gestürzt. Wegen eines Oberleitungsschadens zwischen Forchheim und Hirschaid gab es im Süden Deutschlands mehrere Stunden lang Behinderungen im Zugverkehr. Fernzüge wurden umgeleitet. Es gab Verspätungen von bis zu einer Stunde.

Mittlerweile fahren die Züge wieder planmäßig, wie ein Bahnsprecher am Karfreitag sagte. Nach der Freigabe der Strecke hatte es zunächst noch Verspätungen gegeben. Betroffen waren laut Bahn Verbindungen in Richtung Düsseldorf, Frankfurt, München und Basel.

Auch auf den Straßen kam es zu Behinderungen. Bundesweit meldeten die Lagedienste Staus und stockenden Verkehr auf vielen Fernstraßen. Insgesamt summierte sich die Länge auf den Autobahnen am Karfreitagmittag auf mehr als 320 Kilometer. Allein auf den Strecken von Köln nach Münster und von Gera nach Dresden kamen die Fahrzeuge auf jeweils 20 Kilometern nur im Schritttempo voran.

böl/dpa-AFX/dapd



insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
dimetrodon109 22.04.2011
1.
Zitat von sysopBares gegen Bahnsteig: Weil ein Intercity völlig überfüllt war, hat die Bahn Reisende mit einem 25-Euro-Gutschein in Münster zum Ausstieg bewogen. Der Konzern widersprach aber der Darstellung, er habe den Fahrgästen mit einem Polizeieinsatz gedroht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758722,00.html
Was heißt für die Bahn eigentlich "überfüllt"? Wer schon mal Freitags bahngefahren ist, den würde diese Deffinition doch mal echt interessieren.
Wooster 22.04.2011
2. .... kann ich auch ! ...
Zitat von sysopBares gegen Bahnsteig: Weil ein Intercity völlig überfüllt war, hat die Bahn Reisende mit einem 25-Euro-Gutschein in Münster zum Ausstieg bewogen. Der Konzern widersprach aber der Darstellung, er habe den Fahrgästen mit einem Polizeieinsatz gedroht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,758722,00.html
Man hätte aber auch den Bahnmanagern mitteilen sollen, dass Karfreitag ist und in zwei Tagen sogar Ostern! . Hatten die Bahn-Leute denn diese "Gutscheine" parat? ...hat man also mit dem Chaos gerechnet? und keine löngeren (oder mehr) Züge eingesetzt? . Wieviel verdienen eigentlich die zig Manager, die für "sowas" zuständig sind? Ich mach's zehn Prozent günstiger und verspreche: es klappt!
WebFritzi 22.04.2011
3. Alle Jahre wieder...
...sind die Züge überfüllt. Und zwar zuverlässig an Feiertagen. Bis irgendwann ein Mensch deswegen stirbt. Ich bin Bahnfahrer und weiß, dass die Züge auch sehr oft an Nicht-Feiertagen überfüllt sind. Nach meiner Definition von "überfüllt". Letztes Weihnachten bin ich gefahren. Es war kaum zum Aushalten. Es ist kaum zu glauben - wir zahlen Steuern für diesen Drecksverein DB, zahlen zusätzlich noch überhöhte Preise für Fahrkarten, und dann sind auch noch die Züge überfüllt. Ich finde es einfach schlimm, wie die Bahn mit ihren Kunden umgeht. Profit, Profit, Profit...
mynona3 22.04.2011
4. Statistikarbeit
Zitat von dimetrodon109Was heißt für die Bahn eigentlich "überfüllt"? Wer schon mal Freitags bahngefahren ist, den würde diese Deffinition doch mal echt interessieren.
Da muss man wohl noch ein wenig an der Statistik feilen. Wenn man nachts zwischen 1:00 Uhr und 5:00 Uhr noch ein paar leere Züge durch die Republik schicken würde, könnte man bestimmt eine Statistik veröffentlichen, laut der die Auslastungsquote der Züge so gering wäre, dass man eigentlich über Streckenstilllegungen nachdenken müsste. Und wenn diese Geisterzüge dann nur auf dem Papier (oder im EDV-System) fahren würden, könnte man auch noch ganz schöne Energieeinsparungen vorweisen.
Hercules Rockefeller, 22.04.2011
5. Komisch
Wieso hat man nicht einfach Lüftung und Klimaanlage abgestellt, wie es sonst gemacht wird-dann wären die Gäste sicherlich auch umsonst gegangen.
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