Automanager Akerson Das schwierige Erbe des GM-Retters

Zum Abschied trumpft GM-Boss Dan Akerson noch einmal auf. Seine Botschaft: Alles ist vorbereitet für Nachfolgerin Mary Barra, die am Montag Opel besucht. Ihr soll das Comeback des gestrauchelten Auto-Giganten gelingen. Ist der Optimismus berechtigt?

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Berlin - Mit eisernem Willen hat er General Motors Chart zeigen aus der Krise geführt. Doch jetzt, so scheint es, lässt er leichten Herzens von der Macht. Nach drei Jahren und drei Monaten unternimmt Dan Akerson seine Abschiedstour durch das Riesenunternehmen, spricht mit Mitarbeitern und zieht im Gespräch mit Journalisten Bilanz.

Selten hat sich ein Spitzenmanager so entspannt von der Macht verabschiedet und sie sichtlich stolz an seine Nachfolgerin übergeben. "Sie ist überragend", lobte Akerson Mary Barra im "Handelsblatt". "Sie ist ein bescheidener Mensch, der von vielen gemocht wird und gut ankommt. Aber sie kann schwierige Entscheidungen treffen und den Druck aushalten." Natürlich vergisst er auch nicht, seine eigene Leistung zu loben. GM, lautet zusammengefasst sein Fazit, hat den Turnaround geschafft. Die besten Voraussetzungen also, um dem Erzkonkurrenten Toyota wieder die Spitzenposition zu entreißen.

Ob gewollt oder ungewollt - Akerson legt damit die Latte für Barra ziemlich hoch. Denn die 53-Jährige wird sich auch an den Versprechen ihres Vorgängers messen lassen müssen. Akerson hat zwar schon einige Grundlagen geschaffen, aber der Weg für General Motors zurück an die Spitze der Autobranche ist noch weit.

Prall gefüllte Kasse

Aufbauen kann Barra auf einem inzwischen wieder soliden finanziellen Fundament. Seit fast vier Jahren macht GM nun Quartal für Quartal Gewinn, mehr als 32 Milliarden Dollar liegen an Barmitteln bereit. Die Analysten empfehlen die Aktie, und sogar eine Dividende ist drin. Auch die Verwaltung hat ihr Vorgänger auf Vordermann gebracht, starre Strukturen aufgebrochen und all das abgeschafft, was den Konzern schwerfällig machte. Kaum zu glauben, dass GM erst 2009 eine Blitzinsolvenz nach Chapter 11 durchlaufen hat. Die US-Regierung musste dem strauchelnden Autoriesen damals mit einem Milliardenbetrag zur Seite springen.

Analysten, die Akerson anfangs skeptisch gegenüber gestanden hatten, sind inzwischen voll des Lobes. Zu seinen Meisterstücken zählen sie die Reform der Finanzbuchhaltung, die inzwischen den Maßstäben einer modernen Konzernführung genügt. Akerson selbst ist stolz darauf, endlich nicht nur die Gewinne auf den einzelnen Märkten im Ausland, sondern auch jeder einzelnen Modellreihe ermitteln zu können.

Mit harter Hand setzte Akerson auch die Schließung von unrentablen Fabriken durch - darunter auch die Opel-Werke in Bochum und Ellesmere -, warf Plattformen und Motoren aus dem Programm und trieb die Entwicklungsabteilungen zur Eile. Mit Erfolg: In der jüngst veröffentlichten Rangliste der innovativsten Konzerne der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group rangiert GM 2013 auf Platz 13, noch vor Volkswagen Chart zeigen (14), Audi (19) und Daimler Chart zeigen (20).

Komplexe Produktion senkt die Marge

Mehr noch: Der GM-Sanierer segnete auch einige Modelle ab, die tatsächlich wieder den Geschmack der Käufer trafen. Den Chevrolet Pick-up Silverado zum Beispiel oder die Neuauflage der legendären Corvette. Cadillac reüssierte mit dem ATS, der gegen BMW Chart zeigen und Co. antritt. Und in Europa Opel traf der Kompakt-SUV Mokka ins Schwarze. Die anziehende Konjunktur auf dem US-Markt und die große Nachfrage in China taten ein Übriges, um den Absatz wieder anzukurbeln. Auch Opels Kurve zeigt wieder nach oben. Weltweit verkaufte GM 2013 gut 9,7 Millionen Autos und bleibt damit - gleichauf mit Volkswagen - Toyota dicht auf den Fersen.

Doch die Verkaufszahlen spiegeln das Verhältnis zu den Rivalen nur unvollkommen wider. So wirft jedes Auto, das aus den GM-Fabriken kommt, nach wie vor deutlich weniger Gewinn ab als ein Volkswagen. Die operative Marge der Wolfsburger liegt bei zehn Prozent, GM erreicht allenfalls sechs. Anders gerechnet: Jedes Auto von Volkswagen bringt im Durchschnitt 113 Euro mehr ein als ein Auto von General Motors.

Grund ist die Vielzahl der Konstruktionen, die im GM-Konzern zum Einsatz kommen. So bauen die GM-Fahrzeuge auf 36 verschiedenen Plattformen auf, die von Volkswagen auf lediglich 28. Nach Einschätzung von Henner Lehner von IHS Automotive werden die Wolfsburger diesen Vorsprung auch in den kommenden Jahren halten können. Selbst Akerson glaubt nicht an ein schnelles Rennen. GM werde fünf bis sechs Jahre benötigen, um mit seiner Produktstrategie in Schlagdistanz zu Volkswagen zu kommen.

Einen Vorteil hat Barra, die am Montag Opel in Rüsselsheim einen Antrittsbesuch abstattet, dabei auf ihrer Seite. Ihr macht keiner der Bedenkenträger im Konzern auf diesem Feld so schnell etwas vor. Sie war schließlich selbst Jahre lang verantwortlich für Forschung und Entwicklung.

insgesamt 4 Beiträge
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women_1900 27.01.2014
1.
naja, die Bezahlung wird ja wohl üppig genug ausfallen.
thomasconrad 27.01.2014
2. Niemals
Mittlerweile könnte ich mir die meisten Wagen von GM leisten, als gebürtiger Bochumer werde ich mir nie einen kaufen. Sollen sie feiern, ich mach nicht mit.
binu 27.01.2014
3. unrentabel!?
Opel in Bochum hat bis zuletzt - im Gegensatz zu den anderen deutschen Opel Standorten Eisenach und Rüsselsheim - im Drei-Schicht-Betrieb produziert einschließlich Samstags und verkürzten Werksferien. Den Standort als unrentabel zu bezeichnen ist daher schlicht falsch. Die Entscheidung Bochum plattzumachen und den dort produzierten (gut verkaufbaren) Zafira woanders zu bauen ist politisch/strategisch motiviert. Wobei man auch den Begriff strategisch hinterfragen sollte, denn zuerst sollte die Marge nach Rüsselsheim gehen und deren Astra nach Gliwice (Polen), davon ist man inzwischen abgerückt und will den Zafira nun in Frankreich bei PSA (Peugot) bauen um die Kooperation Opel/PSA zu rechtfertigen, die ursprünglich für Kleinwagen/Motoren gedacht war sich aber konzeptionell ebenfalls als Quatsch herausgestellt hat. Das Kostenargument ist daher nur vorgeschoben, wird von Ihnen aber völlig unkritisch übernommen - schade. Die gesammelten Management-Fehlentscheidungen dürften mehr kosten als Opel-Bochum noch einige Jahre weiterzubetreiben. Man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen und Industrieproduktion durch gewerkschaftlich organisierte Facharbeiter zu deutschen Löhnen im Vergleich zu bspw. Weissrussland (neues GM-Komponentenwerk) als unrentabel ansehen aber dann können wir uns demnächst alle gegenseitig die Tüten im Supermarkt packen, denn dann ist industrielle Produktion in Deutschland insgesamt unrentabel. Sehen Sie das so?
gfh9889d3de 27.01.2014
4.
Zitat von sysopAFPZum Abschied trumpft GM-Boss Dan Akerson noch einmal auf. Seine Botschaft: Alles ist vorbereitet für Nachfolgerin Mary Barra, die am Montag Opel besucht. Ihr soll das Comeback des gestrauchelten Auto-Giganten gelingen. Ist der Optimismus berechtigt? http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/uebergabe-an-mary-barra-gm-boss-akerson-feiert-seine-sanierung-a-945230.html
Könnte der Autor vielleicht etwas Klarheit in die BCG-Aussage bringen, daß GM innovativer als VW/Audi ist? Die Website von BCG gibt nämlich nur her, daß das aus einer Befragung (wahrscheinlich US-amerikanischer) Execs stammt.... Und die Einführung einer halbwegs zeitgemäßen Buchhaltung ist jetzt auch nicht sooooo innovativ.
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