SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

01. Oktober 2009, 18:36 Uhr

Übernahme

Radeberger kauft Bionade-Mehrheit

Von Andreas Nölting

Der Verkauf war geplant, der Käufer überrascht: Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe übernimmt mehr als 51 Prozent des Biobrauseherstellers Bionade. Eingefädelt hat den Deal Konzernchef August Oetker selbst.

Hamburg - Eigentlich wollten sie es erst am Freitag offiziell verkünden, doch die Nachricht sickerte vorab durch: Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe kauft nach Informationen von manager-magazin.de 51 Prozent der Anteile an Bionade. Das Paket wurde seit 2002 von der Egon Schindel Holding GmbH (ESH) gehalten. Auch die beiden anderen Bionade-Gesellschafter, die Brüder Peter und Stephan Kowalsky, geben Anteile an Radeberger ab. Sie bleiben aber in der Geschäftsführung. Der Preis für die Schindel-Anteile dürfte nach Informationen von manager-magazin.de bei gut 20 Millionen Euro liegen.

Die Schindel Holding, der unter anderen die Mineralbrunnen Rhönsprudel, Bad Liebenwerda und Spreequell gehören, war 2002 bei Bionade eingestiegen. Zwischen dem neuen Eigner und den Gebrüdern Kowalsky kam es allerdings zu Differenzen über die Geschäftspolitik.

Wie es heißt, hat Konzernchef August Oetker im Hintergrund das Geschäft eingefädelt und bei den Gebrüdern Kowalsky sowie der Schindel-Holding die Verkaufsbereitschaft erkundet. Die weiteren Verhandlungen habe dann Albert Christmann, Sprecher der Geschäftsführung der Radeberger-Gruppe, übernommen. Altmeister Oetker soll in der Lebensmittelzeitung gelesen haben, dass Bionade-Anteile auf dem Markt waren. Er rief daraufhin den ESH-Geschäftsführer Manfred Ziegler und den Bionade-Gesellschafter Peter Kowalsky an. Beide waren gesprächsbereit.

Überraschende Einigung

Die nordhessische Familienholding ESH sah sich aber trotz der Sanierungserfolge als regional tätiges Unternehmen überfordert, das Potential der Kultmarke nachhaltig auszuschöpfen. ESH hatte deshalb schon vor einiger Zeit die Privatbank Sal. Oppenheim mit der Suche nach einem Käufer beauftragt. Jetzt soll Radeberger Bionade zu einer nationalen und internationalen Marke entwickeln.

Die Einigung kommt überraschend, denn bislang galt die Bitburger Brauerei als favorisierter Käufer. Nachdem die Kowalskys in Bitburg zwei Tage mit Mitgliedern des Clans und der Brauerei-Geschäftsführung in großer Harmonie verbracht hatten, schien der Deal perfekt zu sein. Bitburger-Geschäftsführer Jan Niewodniczanski gab den Kowalskys den Zuschlag und bezeichnete die noch ausstehende Zustimmung des Bitburger-Beirates als unbedeutende Formalie. Doch in dieser Sitzung brachen wieder Streitigkeiten zwischen den Familienstämmen aus, das Geschäft wurde gekippt.

Von Bionade selbst war auf Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten. Für Freitag ist allerdings eine Pressekonferenz in Hamburg anberaumt. Dort wolle man mitteilen, heißt es in der Einladung, wie Bionade die Weichen für die Zukunft gestellt habe.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung