Übernahmeangebot Investor Borletti blitzt bei Karstadt ab

Karstadt-Interessent Maurizio Borletti kommt mit seinem Übernahmeangebot für die insolvente Warenhauskette doch nicht zum Zug. Der Gläubigerausschuss legt seine Hoffnungen jetzt wieder voll auf Investor Berggruen - die zähen Verhandlungen gehen also weiter.

Karstadt-Warenhaus in Kaiserslautern: Berggruen und Highstreet verhandeln weiter
ddp

Karstadt-Warenhaus in Kaiserslautern: Berggruen und Highstreet verhandeln weiter


Essen - Der Poker um die endgültige Übernahme der Karstadt-Warenhäuser durch Investor Berggruen steht vor einer erneuten Verlängerung. Wie ein Sprecher des Karstadt-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg am Donnerstag sagte, hat sich der kürzlich auf den Plan getretene italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti mit seinem Kaufangebot eine Abfuhr geholt. Nun sollen die Verkaufsverhandlungen exklusiv mit dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen fortgeführt werden. Dies habe der Gläubigerausschuss entschieden.

Borletti hatte am Freitag sein 100 Millionen Euro schweres Angebot vorgelegt, das auch Sonderkonditionen beinhaltet. So kündigte er unter anderem an, auf weitere Kündigungen und Gehaltskürzungen ebenso verzichten zu wollen wie die Ausschüttung einer Dividende in den ersten fünf Jahren. In einem Entwurf des Kaufvertrages, den er dem Ausschuss zusandte, soll er jedoch Zugeständnisse gefordert haben, die zu Nachverhandlungen geführt hätten. Bis auf den Vermieter Highstreet sollen sämtliche Gläubigervertreter deshalb weitere Gespräche mit Borletti abgelehnt haben.

Die 25.000 Beschäftigten in 120 Karstadt-Warenhäusern müssen nun also weiter um den Erhalt bangen, da Highstreet und Kaufinteressent Berggruen für ihre komplizierte Einigung voraussichtlich mehr Zeit benötigen. Highstreet kaufte die Immobilien und vermietete sie an die Warenhauskette zurück, jetzt streitet sich das Konsortium bereits seit Juni mit Berggruen über die Höhe der Mieten. Erst nach einer Einigung über die neuen Konditionen wird der Kaufvertrag wirksam.

Entsprechend kann Berggruen beim Notar den Kaufvertrag als nicht vollzogen angeben, sollte er bis Sonntag 24 Uhr vom Highstreet-Konsortium keine unterschriebenen Verträge mit verbesserten Konditionen bekommen. Falls er aber dabei noch gute Chancen auf Erfüllung der Bedingungen sieht, könnte der Insolvenzverwalter eine Fristverlängerung erwirken. Dann hätte Highstreet mehr Zeit, in dem verzweigten Kreis eigener Gläubigern alle notwendigen Unterschriften zusammenzubekommen.

Karstadt-Interessent Maurizio Borletti bekräftigte unterdessen auch nach der offiziellen Absage sein Angebot. Er will zum Zug kommen, falls der Berggruen-Vertrag letztlich doch platzt.

can/dpa/ddp/apn



insgesamt 162 Beiträge
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hypnos 08.06.2010
1. Reibach für Banken
Zitat von sysopMit Investor Nicolas Berggruen scheint ein finanzstarker Retter für die marode Karstadt-Gruppe gefunden. Kann der Deutsch-Amerikaner das Traditionsunternehmen aus der Krise führen? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Und wieder die Banken! Sie pokern bei den Mieten. Quelle hat man schon systemrelevant kaputtgehen lassen.
chris7516, 08.06.2010
2. Banken
Zitat von hypnosUnd wieder die Banken! Sie pokern bei den Mieten. Quelle hat man schon systemrelevant kaputtgehen lassen.
(1) Erstmal hat Highstreet 2006 Karstadt gerettet, in dem sie die Immobilien für ein paar Milliarden gekauft haben. Ohne die "Banken" (Highstreet) wäre Karstadt damals schon Pleite gewesen. (2) Warum sollen die Banken schuld daran gewesen sein, dass Quelle Pleite gegangen ist? Quelle hat es eben versäumt, sich den neuen Herausforderungen (internet) zu stellen.
Ernst Robert, 08.06.2010
3. Berggruen hat Recht, muss aber aufpassen
Zitat von sysopMit Investor Nicolas Berggruen scheint ein finanzstarker Retter für die marode Karstadt-Gruppe gefunden. Kann der Deutsch-Amerikaner das Traditionsunternehmen aus der Krise führen? Diskutieren Sie mit anderen SPIEGEL-ONLINE-Lesern.
Die Kunst wird sein, die überhöhten Mieten möglichst geräuschlos, aber maßvoll zu senken. Denn nur so kann man die auch in Deutschland (in den meisten Standorten) überbewerteten Immobilien vor einem Crash wie in Japan oder den USA retten. Je mehr Lärm jetzt darum gemacht wird, umso schädlicher. Berggruen hat den Finger in die Wund gelegt, aber er hat Recht. Fairerweise müsste man zugeben, dass auch auf Seiten der Beschäftigten gewisse Zugeständnisse nötig sind, um die Kaufhauskette zu retten.
hypnos 08.06.2010
4.
Zitat von chris7516(1) Erstmal hat Highstreet 2006 Karstadt gerettet, in dem sie die Immobilien für ein paar Milliarden gekauft haben. Ohne die "Banken" (Highstreet) wäre Karstadt damals schon Pleite gewesen. (2) Warum sollen die Banken schuld daran gewesen sein, dass Quelle Pleite gegangen ist? Quelle hat es eben versäumt, sich den neuen Herausforderungen (internet) zu stellen.
Karstadt: "Rettung" durch überhöhte Mieten? Quelle: Die Konditionen für die Ratenkäufe wurden verschlechtert (Zinserhöhung).
altruist 08.06.2010
5. steilvorlage
wenn die vermieter karstadt drohen,was besseres kann dem investor doch garnicht passieren.dann schliesst er die filiale und zeigt auf den bösen vermieter.so einfach ist die welt.
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