Übernahmekampf Aktionärsschützer alarmieren EU in Streit um Hochtief

Der Kampf um Hochtief beschäftigt nun auch die EU: Aktionärsschützer fordern von der Kommission eine Überprüfung der ACS-Übernahmeofferte - und raten Kleinanlegern dringend davon ab, auf das Angebot einzugehen.

Protestierende Hochtief-Mitarbeiter: ACS-Angebot nur eine "simulierte Übernahmeofferte"?
REUTERS

Protestierende Hochtief-Mitarbeiter: ACS-Angebot nur eine "simulierte Übernahmeofferte"?


Madrid - Auch die Vertreter der Kleinanleger haben im Streit über eine mögliche Hochtief-Übernahme durch ACS Stellung bezogen - und suchen Beistand in Brüssel: Deutsche und spanische Aktionärsschützer haben die EU-Kommission eingeschaltet. Sie soll prüfen, ob die angekündigte Übernahmeofferte des spanischen Baukonzerns ACS für dessen deutschen Konkurrenten mit den Binnenmarktregelungen der Europäischen Union vereinbar ist.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und ihre spanische Schwesterorganisation AEMEC sagten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Madrid, das Angebot sei nur ein Tarnmanöver, mit dem ACS die Kontrolle über Hochtief übernehmen wolle, ohne den vorgeschriebenen Bonus zu zahlen. Das von ACS angekündigte Angebot sei nur eine "simulierte Übernahmeofferte". In Wirklichkeit habe der spanische Konzern gar nicht die Absicht, 100 Prozent der Kapitalanteile von Hochtief zu erwerben.

Die Aktionärsschützer in Deutschland und Spanien hatten Privatanlegern zuvor dringend davon abgeraten, die ACS-Offerte anzunehmen. Der vom Real-Madrid-Präsidenten Florentino Pérez geführte ACS-Konzern hatte im September überraschend angekündigt, seinen Hochtief-Anteil mit einem Übernahmeangebot an die Aktionäre auf über 30 Prozent zu erhöhen. Anschließend soll dann mit Zukäufen an der Börse die Beteiligung auf über 50 Prozent aufgestockt werden.

Hochtief arbeitet seit Tagen an einer Reaktion auf die ACS-Offerte und wird dabei von Goldman Sachs, der Credit Suisse und der Deutschen Bank beraten. Das Team werte alle verfügbaren Informationen aus und prüfe "alle Optionen", hatte ein Hochtief-Sprecher gesagt. Der Konzern hatte auch die Politik um Unterstützung im Kampf gegen ACS gebeten. Die Bundesregierung hat bereits angedeutet, dass sie dazu nicht bereit ist. Die nordrhein-westfälische Landesregierung will Hochtief dagegen unterstützen.

fdi/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.