Übernahmekampf Hochtief startet Abwehrschlacht

Für Hochtief geht es um alles: Vorstandschef Lütkestratkötter wehrt sich mit allen Mitteln gegen das Übernahmeangebot des spanischen Baukonzerns ACS. Doch die Gegenseite hält die besseren Trümpfe in der Hand.
Hochtief-Kran: Anteilseigner, die nicht verkaufen wollen, sind die beste Versicherung

Hochtief-Kran: Anteilseigner, die nicht verkaufen wollen, sind die beste Versicherung

Foto: dapd

Berlin - Ein Hubschiff für den Bau von Windkraftanlagen auf dem Meer, Aufträge aus Australien und Hongkong im Wert von 427 Millionen Euro, neue Projekte in den USA, Deutschland und Polen für 366 Millionen Euro - es vergeht kaum ein Tag, an dem Hochtief nicht von sich reden macht. Die Offenheit ist ungewohnt, schließlich pflegte der Essener Bauriese mit Akquisitionen in der Vergangenheit nicht nach Art eines Unternehmens der New Economy öffentlich hausieren zu gehen.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Denn Hochtief ist auf öffentliches Interesse angewiesen, wie selten zuvor in seiner Unternehmensgeschichte. Dabei gilt es ganz besonders, Aktionäre und Investoren aufmerksam zu machen, um den Börsenkurs zu steigern und das Interesse an einem langfristigen Engagement zu wecken. Denn Anteilseigner, die nicht verkaufen wollen, sind und bleiben die beste Versicherung gegen eine feindliche Übernahme.

Der Lackmustest für die Treue dürfte bald ins Haus stehen: Denn spätestens am Donnerstag will der spanische Konkurrent ACS sein Übernahmeangebot bei der deutschen Wertpapieraufsicht BaFin einreichen. Die Behörde hat dann drei Wochen Zeit, die Kaufofferte zu prüfen.

Knickriges Angebot

Dabei fällt das Angebot der Spanier provozierend knickrig aus. Für fünf Hochtief-Aktien bieten sie tauschwilligen Aktionären acht ACS-Papiere. Das entspricht einem Preis von rund 55 Euro je Hochtief-Papier - der aktuelle Kurs liegt bei rund 64 Euro. Die gesetzliche Auflage, wonach bei 30 Prozent ein Pflichtangebot abgegeben werden muss, wäre jedoch erfüllt. Rund 14.000 Aktien fehlen ACS noch, um diese Marke zu erreichen. Danach könnte das Unternehmen von Real-Madrid-Präsident Florentino Perez in aller Ruhe an der Börse auf Einkaufstour gehen und seinen Anteil auf mehr als 50 Prozent aufstocken.

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Hochtief: Botschaften im Übernahmekampf

Foto: ? Sergio Perez / Reuters/ REUTERS

An die Prüfung der BaFin knüpft Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter zumindest eine kleine Hoffnung. Denn die Spanier müssen glaubhaft machen, dass sie im Ernstfall alle Aktien der anderen Anteilseignern bezahlen könnten - denn zumindest theoretisch könnte ja jeder Aktionär das Angebot annehmen.

Zwar versichern die Manager von ACS, dass sie die notwendige Anzahl von Aktien zum Tausch vorhalten können. Zum einen sollen dafür eigene Anteilscheine genutzt werden - derzeit hält der Baukonzern rund sechs Prozent seines Grundkapitals selbst. Zum anderen haben die drei Großaktionäre Corporacion Financiera Alba, Inversiones Vesan und Iberostar Hoteles y Apartamentos dem Unternehmen zugesichert, ihm für das Geschäft Wertpapiere in Höhe von rund 19 Prozent des Grundkapitals zu leihen. Damit stehen insgesamt 25 Prozent der ACS-Aktien für das geplante Tauschgeschäft von bis zu 70 Prozent der Hochtief-Anteile bereit. Dieses Aktienpaket soll Bankenkreisen zufolge ausreichen, um die Übernahme zu finanzieren, da die Marktkapitalisierung von ACS momentan dreimal so hoch ist wie die von Hochtief.

Hoffen auf die australische Börsenaufsicht

Trotzdem liefert das Finanzierungskonzept nach Einschätzung von Experten zumindest Anlass für Zweifel. Denn ein Teil des von ACS gehaltenen Anteils soll verpfändet sein und könnte so auf Umwegen auch in den Angebotspool fließen. Auf dem Prüfstand steht auch die Vermögens- und Ertragslage von ACS nach der Offerte. Außerdem muss das spanische Unternehmen Auskunft über seine Pläne mit der Hochtief AG und deren Arbeitnehmern geben.

2009 setzte der deutsche Baukonzern 18 Milliarden Euro um, ACS nur 15,6 Milliarden. Während Hochtief abzüglich seiner Barreserven auf 1,2 Milliarden Euro Schulden sitzt, steht ACS netto mit 14 Milliarden in der Kreide. "Die Prüfung wird nicht so einfach", heißt es dazu bei der BaFin.

Doch allein auf ein Votum der BaFin in seinem Sinne will Lütkestratkötter sich ohnehin nicht verlassen. Längst hat er Abwehrmaßnahmen eingeleitet, um dem Angreifer die Übernahme möglichst zu vergällen. Dazu gehört auch der Antrag bei der australischen Börsenaufsicht, dass ACS auch den Aktionären des Bau- und Bergwerksunternehmens Leighton ein Übernahmeangebot machen muss, an dem Hochtief knapp 55 Prozent hält. Das würde noch einmal mehrere Milliarden Euro kosten und damit den Raubzug für ACS unfinanzierbar machen, hofft man in Essen. Leighton kommt auf einen Börsenwert von 7,4 Milliarden Euro und ist damit deutlich mehr wert als das Mutterhaus.

Klauseln in den Kreditverträgen

Eine abschreckende Wirkung erhofft sich Lütkestratkötter auch von wichtigen Klauseln in Kredit- und Bauverträgen. Immerhin könnten die Banken, wie es aus informierten Kreisen heißt, bei einem Eigentümerwechsel Kreditverträge mit einem Volumen von vier Milliarden Euro kündigen. ACS müsste die Konditionen anschließend neu aushandeln. Da die Spanier aber über ein deutlich schlechteres Rating verfügen als Hochtief, dürften sich die Kredite entsprechend verteuern.

Auch ein "weißer Ritter" könnte Hochtief noch Rettung bringen - ein interessierter Aktionär, der den Kampf gegen ACS aufnimmt und zumindest eine Sperrminorität von 25,1 Prozent erwirbt. Das könnte etwa ein Staatsfonds sein. Noch hat jedoch kein potenter Geldgeber Interesse signalisiert.

Ohnehin zeigt sich ACS bislang vom Abschreckungspotenzial dieser "Giftpillen" wenig beeindruckt. Im Umfeld des Unternehmens heißt es, selbstverständlich habe ACS die Klauseln der verschiedenen Verträge vorher gelesen und in die eigenen Planungen einbezogen. Beim Thema Leighton verweisen die Spanier auf eine Ausnahmeregelung im australischen Recht, die ihnen nach ihrer Rechtsauffassung ein Angebot ersparen dürfte.

Auf der anderen Seite hat ACS-Chef Perez noch den womöglich entscheidenden Trumpf im Ärmel, den er ausspielen könnte, sobald ihm die BaFin grünes Licht für sein Angebot gegeben hat. Mit seinem Stimmanteil von knapp 30 Prozent kann er entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungen der Hauptversammlung nehmen. Schon auf der nächsten Aktionärsversammlung könnt er große Teile des Aufsichtsrats nach seinen Vorstellungen neu besetzen. Dann wäre der Widerstand von Hochtief wohl endgültig gebrochen.

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