Tauziehen um Infrastruktur-Riesen Benetton und Blackstone bieten 12,7 Milliarden für Atlantia

Showdown um den italienischen Infrastruktur-Konzern Atlantia: Die Milliardärsfamilie Benetton und Finanzinvestor Blackstone legen ein milliardenschweres Übernahmeangebot vor.
Atlantia-Hauptsitz in Rom: Mehrere milliardenschwere Investoren versuchen den Infrastruktur-Riesen zu übernehmen

Atlantia-Hauptsitz in Rom: Mehrere milliardenschwere Investoren versuchen den Infrastruktur-Riesen zu übernehmen

Foto: Alessandro Bianchi / REUTERS

Die italienische Milliardärsfamilie Benetton geht beim Tauziehen um die italienische Infrastruktur-Holding Atlantia in die Offensive. Zusammen mit dem US-Finanzinvestor Blackstone legte der Eigentümer des Modeimperiums ein 12,7 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die restlichen Anteile an Atlantia vor. Die Benettons halten bereits 33,1 Prozent am italienischen Konzern. Atlantia betreibt unter anderem Mautstraßen und Flughäfen in Südeuropa und Lateinamerika.

Mit ihrem Angebot scheinen Benetton und Blackstone Fakten schaffen zu wollen. Denn sie kommen damit den Infrastruktur-Investoren Global Infrastructure Partners (GIP) und der kanadischen Brookfield zuvor, die ebenfalls ihre Fühler nach Atlantia ausgestreckt hatten: Die beiden Firmen waren auf die italienische Milliardärsfamilie zugegangen, um ihr Atlantia abzukaufen, waren dort aber abgeblitzt.

Bieterwettkampf lässt Atlantia-Aktie nach oben schießen

Die Benettons und Blackstone bieten nun 23 Euro je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 24,4 Prozent auf dem Schlusskurs vom 5. April bevor Übernahmegerüchte aufkamen. Insgesamt wird Atlantia damit an der Börse mit fast 19 Milliarden Euro bewertet, einschließlich Schulden ist das Unternehmen rund 58 Milliarden wert. Spekulationen um einen Bieterwettkampf hatten die Atlantia-Aktien in den vergangenen zehn Tagen bereits um 20 Prozent nach oben schießen lassen.

Die Konkurrenz von GIP und Brookfield hat sich mit dem spanischen Baulöwen Florentino Pérez zusammengetan. Pérez' Baukonzern ACS ist ebenso wie Atlantia an Deutschlands größtem Bauunternehmen Hochtief beteiligt. Nach einer Übernahme sollen die Autobahnmautkonzessionen von Atlantia – etwa in Frankreich, Spanien und Südamerika – an ACS übergehen. Pérez, der auch als Präsident und Mäzen des Fußballklubs Real Madrid bekannt ist, könnte damit sein Imperium neu ordnen.

Italiener an Hochtief beteiligt, wollen aber aussteigen

Den spanischen Autobahnbetreiber Abertis halten ACS (30 Prozent) und Atlantia (50 Prozent plus eine Aktie) seit 2017 gemeinsam, Hochtief ist mit 20 Prozent an ihm beteiligt. An Hochtief hält ACS mit 50,4 Prozent die Mehrheit, Atlantia ist an dem Essener Konzern mit 16 Prozent beteiligt. Die Italiener hatten bereits signalisiert, dort aussteigen zu wollen. Hochtief wiederum ist gerade dabei, die australische Tochter Cimic ganz zu schlucken und damit die Konzernstruktur zu vereinfachen.

Glückt den Benettons und Blackstone die Übernahme, soll die Familie 65 Prozent an Atlantia halten, der US-Investor 35 Prozent. Die italienische Bankenstiftung CRT hat bereits zugesagt, Benetton ihre 4,5 Prozent anzudienen. Beide Bieter unterstützten voll die langfristige Strategie von Atlantia und seien bereit, Möglichkeiten für weitere Zukäufe im Infrastruktur- und Mobilitätsumfeld zu finanzieren.

Dabei winkt Atlantia bald ein Geldsegen von acht Milliarden Euro vom Staat. Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua 2018 mit 43 Todesopfern hatte die Regierung in Rom Atlantia gedrängt, ihre Beteiligung am größten Mautstraßenbetreiber des Landes, Autostrade per l'Italia, an ein Konsortium um die Staatsbank CDP zu verkaufen. Mit dem Geld will sich Atlantia verstärkt auf Infrastruktur-Technologie ausrichten, etwa zur Mauterhebung und -abrechnung. Anfang dieses Jahres hatten die Italiener dazu die Straßenverkehrssparte Yunex Traffic von Siemens für 950 Millionen Euro gekauft.

ktz/Reuters
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