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29. Mai 2010, 13:16 Uhr

Überraschendes Angebot

Russen wollen Karstadt kaufen

Überraschung aus Russland: Nach SPIEGEL-Informationen will jetzt auch ein Konsortium aus St. Peterburg Karstadt übernehmen - und hat bereits fertige Pläne für die Internationalisierung der angeschlagenen Kaufhauskette. Am Freitag war die Bieterfrist für den Konzern abgelaufen.

Hamburg - Ein russisches Konsortium hat am Freitag beim Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg ein offizielles Angebot zum Kauf der Karstadt Warenhaus GmbH abgegeben. Für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag will die Gruppe unter Führung des St. Petersburger Unternehmers Artur Pachomow 100 Prozent der Geschäftsanteile erwerben.

In dem Angebotsschreiben heißt es, das Konsortium beabsichtige, "der Karstadt Warenhaus AG nach Übernahme der Geschäftsanteile liquide Mittel" für die Finanzierung des Weihnachtsgeschäfts 2010 zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus solle, "beginnend in 2011, durch Investitionen in einer jährlichen Größenordnung von 80 Millionen Euro die Karstadt Warenhaus AG langfristig gesichert werden".

Strategisches Ziel des Investments sei es, die wirtschaftliche Basis des Unternehmens "durch punktuelle Internationalisierung des Warenhaus-Geschäftes an attraktiven Standorten außerhalb Deutschlands zu verbreitern". In St. Petersburg stehe bereits eine geeignete Immobilie zur Verfügung. Zu den Beratern der Investoren gehören mehrere ehemalige Karstadt-Manager, darunter der Ex-Vorstandschef der Karstadt Warenhaus AG, Helmut Merkel.

Die Bieterfrist für die angeschlagene Kaufhauskette endete am Freitag. Bis dahin hatte auch das Immobilienkonsortium Highstreet, Vermieter eines großen Teils der Karstadt-Gebäude, Interesse bekundet, eine größere Anzahl von Karstadt-Häusern zu übernehmen. Weitere Interessenten für Karstadt sind der europäische Investor Triton und die Investmentgesellschaft Berggruen. Am Freitag hatten diese drei dem Gläubigerausschuss in Essen ihre Rettungskonzepte vorgestellt. Die Entscheidung über einen Zuschlag wurde anschließend auf den 7. Juni vertagt. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte, es seien drei "seriöse Angebote" vorgelegt worden.

Karstadt war 2009 zusammen mit dem Mutterkonzern Arcandor pleitegegangen. Der Insolvenzverwalter sucht seit Monaten nach einem Käufer; er will alle Filialen an einen Bieter verkaufen und so eine Zerschlagung des Unternehmens vermeiden. Derzeit betreibt Karstadt bundesweit noch 120 Filialen und beschäftigt rund 25.000 Mitarbeiter.

hpi/dpa

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