Geringere Nachfrage nach Dialyseprodukten Dax-Konzern FMC streicht 5000 Jobs, weil Patienten an Covid-19 sterben

Wegen der ansteckenden Delta-Variante sterben mehr Blutwäschepatienten an Corona. Der Chef der Dialysefirma Fresenius Medical Care spricht von einer »nie dagewesenen Situation« – und kündigt drastische Sparmaßnahmen an.
Krankenhaus in der Lombardei (Archivbild)

Krankenhaus in der Lombardei (Archivbild)

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Claudio Furlan/ dpa

Die Coronakrise hat für den Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC) massive Folgen: Wegen der Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante sterben wieder mehr Dialysepatienten von FMC an Covid-19. »Daraus resultierte ein deutlich stärkerer Covid-19-Effekt auf unser Geschäft, als wir Anfang des Jahres prognostiziert hatten«, sagte FMC-Chef Rice Powell bei der Vorlage der Quartalsbilanz.

Powell sprach von einer nie dagewesenen Situation, die weiter täglich viele Menschenleben koste. Die Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius soll nun mit einem einfacheren Betriebsmodell wetterfest gemacht werden, wodurch die Kosten deutlich sinken sollen. Rund 5000 der über 125.000 Arbeitsplätze fallen weltweit weg.

Wo die Stellen gestrichen werden sollen und wie viele davon womöglich auf Deutschland entfallen, steht noch nicht fest, erklärte Powell gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. »Daran arbeiten wir.« Künftig will FMC sein Betriebsmodell auf nur noch zwei weltweite Segmente ausrichten. In einem wird das bisher dezentralisierte Geschäft mit Produkten für Dialysezentren, die Heimdialyse und Intensivmedizin gebündelt. Das andere Segment umfasst das Geschäft mit Gesundheitsdienstleistungen, das rund 80 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht.

Der Konzern bekommt die Folgen der Coronapandemie seit Längerem zu spüren. Sie beeinträchtigt die Geschäfte, denn gerade Dialysepatienten sind anfälliger für Covid-19. Allerdings hatten sich die Übersterblichkeitsraten bei diesen Patienten dank der fortschreitenden Impfkampagnen im zweiten Quartal noch deutlich verringert. Das hat sich im dritten Quartal durch Delta aber wieder geändert. Betroffen seien mehrheitlich ungeimpfte Dialysepatienten, sagte Powell.

Allein im dritten Quartal starben laut Unternehmenszahlen 2700 Patienten mehr als statistisch erwartet . Seit Ausbruch der Pandemie beträgt die Übersterblichkeit damit etwa 18.200 Patientinnen und Patienten. Man beobachte eine »deutlich gestiegene Patienten-Übersterblichkeit durch globale Ausbreitung der Delta-Variante«.

Eigentlich hatte FMC mit einer Normalisierung in der zweiten Jahreshälfte gerechnet und geht nun davon aus, dass die Übersterblichkeit im vierten Quartal zurückgehen wird. Hoffnungen setzt Powell dabei auf einen weiteren Anstieg der Impfraten, auf Auffrischimpfungen vor dem Winter und die erwarteten Impfungen von Kindern. Die Auswirkungen der Übersterblichkeit bei den Dialysepatienten sollte FMC aber noch bis zum dritten Quartal nächsten Jahres zu spüren bekommen.

Der Konzern will seine jährlichen Kosten bis 2025 um eine halbe Milliarde Euro senken. Allerdings werden dafür auch Einmalinvestitionen von rund 450 bis 500 Millionen fällig. Nettoeinsparungen werden erstmals für das Jahr 2023 erwartet. Fresenius hatte bereits angekündigt, das Betriebsmodell von FMC einer umfassenden Überprüfung zu unterziehen und Details dazu im Herbst zu veröffentlichen.

An der Börse kamen die Pläne gut an, die Aktien von FMC und Fresenius, die beide im Dax notiert sind, zählten dort zu den größten Gewinnern.

mic/Reuters
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