Uhren-Legende Swatch-Erfinder Nicolas Hayek gestorben

Retter der eidgenössischen Uhrenindustrie, Initiator des Smart, Unternehmer, Visionär: Der legendäre Chef der Schweizer Swatch Group, Nicolas Hayek, ist tot. Der 82-Jährige starb an Herzversagen - an seinem Lieblingsort.

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Biel - Die Ikone der Schweizer Uhrenindustrie ist tot: Nicolas Hayek, der Gründer der Swatch Group, ist am Montag "völlig unerwartet während der Arbeit" gestorben, teilte das Unternehmen in Biel mit. Er wurde 82 Jahre alt.

Der ungewöhnliche Unternehmer, der mit Zigarre, mehreren Uhren an den Armen und offenem Hemdkragen auftrat, entsprach so gar nicht dem Typ des biederen Schweizer Geschäftsmannes. Doch Hayek hatte immer Visionen und war als "Patron" bei seinen Mitarbeitern äußerst beliebt. Seine Pläne für ein umweltfreundliches Auto für jedermann führten zum Smart von Mercedes.

Geboren wurde Hayek 1928 im libanesischen Beirut. 1940 emigrierte er nach Frankreich, neun Jahre später in die Schweiz. Danach leitete er verschiedene Firmen, darunter das Unternehmen seines kranken Schwiegervaters, das Bremsklötze für Eisenbahnen herstellte.

Weltberühmt wurde die von Hayek initiierte knallbunte Swatch

In den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts war es Hayek, der der darniederliegenden Schweizer Uhrenindustrie zu einer Renaissance verhalf. 1985 hatte er die Mehrheit der Schweizerischen Gesellschaft für Mikroelektronik und Uhrenindustrie (SMH), die Vorgängergesellschaft der Swatch Group, übernommen. Sie war 1983 unter Mitwirkung Hayeks aus der Fusion der fast bankrotten Uhrenriesen SSIH und Asuag entstanden. 1986 wurde Hayek dort Verwaltungsratspräsident und 1991 dank seiner Aktienmehrheit der eigentliche Chef des Konzerns.

Unter der Führung Hayeks wuchs die Gruppe kontinuierlich zum weltgrößten Uhrenkonzern heran: Neben der preisgünstigen Swatch gehören auch Luxusmarken wie Breguet und Blancpain, aber auch die deutsche Glashütte Original dazu. Der Gewinn lag 2009 bei 763 Millionen Schweizer Franken (damals 520 Millionen Euro). Der Umsatz betrug 5,4 Milliarden Franken.

Seine einmalige Idee war die Swatch, die 2008 ein Vierteljahrhundert alt wurde. Die knallig-bunten Plastikuhren verhalfen dem Unternehmen zu einem Schub. Als die Swatch am 1. März 1983 in Zürich vorgestellt wurde, galt sie noch als "unmögliche Uhr". Zwölf Modelle waren es, die ab Herbst 1983 einheitlich 50 Franken kosteten. Inzwischen gibt es rund 5000 Modelle, und insgesamt wurden bisher etwa 370 Millionen Stück produziert.

Die Swatch-Philosophie Hayeks sah vor, dass die Uhr nicht ein Leben lang Einzelstück bleibt, sondern je nach Gemütszustand, Jahreszeit, Stimmung, Umgebung oder Klima austauschbar sein kann. Die Swatch traf damals genau den Zeitgeist: Heute ist sie begehrtes Kult- und Sammlerobjekt.

Mit Zigarre und Uhren an beiden Handgelenken posierte er gerne mit Stars

Der Milliardär Hayek galt als ein Meister des Uhrenmarketings. Zugleich appellierte er immer wieder an die soziale Verantwortung des Unternehmers. Kaufleute dürften vorhandene, lebensfähige Firmen und damit Arbeitsplätze nicht zerstören, hatte er immer wieder betont.

2003 gab Hayek die operative Führung der Swatch Group an seinen Sohn Nick weiter. Der gerne als "Mr. Swatch" bezeichnete Nicolas Hayek blieb aber Präsident des Verwaltungsrates. Inzwischen ist mit Enkel Marc Alexander Hayek bereits die dritte Generation der Familie in der Konzernleitung vertreten.

yes/dpa/AFP



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