Unterdrückte Uiguren US-Lehrerfonds verdienen an chinesischen Internierungslagern

Eine Million muslimische Uiguren werden in Internierungslagern in China festgehalten. Dort werden sie mit Kameras der chinesischen Firma Hikvision überwacht - davon profitieren offenbar US-Pensionsfonds.

Uigur in Xinjiang (Archivbild)
Diego Azubel / DPA

Uigur in Xinjiang (Archivbild)


Mehrere US-Pensionsfonds sollen Anteile an der chinesischen Firma für Videoüberwachung Hikvision halten. Der kalifornische Lehrer-Pensionsfonds Calstrs sowie der New Yorker Lehrer-Pensionsfonds Nystrs würden an den Beteilungen festhalten, berichtet die "Financial Times". Hikvision steht in der Kritik, weil das Unternehmen Überwachungssysteme für chinesische Internierungslager bereitstellt, in denen Angehörige der muslimischen Uiguren festgehalten werden.

In China leben mehr als 20 Millionen Muslime. Die beiden größten Gruppen sind die Uiguren und die Hui mit jeweils rund zehn Millionen Angehörigen. Die Uiguren leben zum größten Teil in der westlichen Provinz Xinjiang. Beobachtern zufolge werden sie in der Volksrepublik immer stärker in ihrer Freiheit eingeschränkt und verfolgt.

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Uiguren in China: Angst vor dem Lager

China hatte die Festsetzung der Uiguren in den Lagern im vergangenen Oktober legalisiert - und die Lager als "freie Weiterbildung" mit integriertem Sprachtraining bezeichnet. Das Ziel der Maßnahmen in den Lagern sei es, den "Nährboden für Terrorismus und religiösen Extremismus zu eliminieren", bevor es zu Anschlägen komme, sagte der Gouverneur von Xinjiang, Shohrat Zakir. Der Uno zufolge werden mehr als eine Million Menschen in den Lagern festgehalten.

Sieben Fonds haben Anteile an Hikvision offenbar wieder abgestoßen

Calstrs habe den Aktienbesitz bestätigt, so die Zeitung, aber es seien "keine Bedenken an [den Fonds] herangetragen worden". Man würde die Beteiligungen jedoch prüfen. Nystrs wolle die "individuellen Beteiligungen" nicht kommentieren, auch Hikvision sei nicht zu einer Stellungnahme bereit gewesen.

Marco Rubio, ein republikanischer Abgeordneter im Senat, sagte der "Financial Times": "Die US-Regierung sollte von chinesischen Unternehmen am amerikanischen Kapitalmarkt fordern, ihre Beziehungen zum chinesischen Sicherheitsapparat und zu Menschenrechtsverletzungen offenzulegen." Er wolle andere Kongressabgeordnete dazu bewegen, einen Brief zu unterzeichnen, der Bedenken gegenüber "problematischen" chinesischen Unternehmen ausdrückt, die mit den Lagern in Xinjiang in Verbindung stehen.

Sieben andere Fonds, darunter einer von Goldman Sachs, hätten ihre Beteiligungen an Hikvision inzwischen wieder abgestoßen, zitiert die "Financial Times" das Beratungsunternehmen Copley Fund Research. Die Fonds hätten sich jedoch nicht zu den Vorgängen äußern wollen.

kko



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