Wirtschaftskrise in der Ukraine "Schwierigstes Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg"

Knapp ein Jahr nach Beginn der Ukraine-Krise zeichnet die Notenbank des Landes ein dramatisches Bild der wirtschaftlichen Lage. Die Anleger ziehen ihr Geld von den Banken ab, die Inflationsrate liegt bei 21 Prozent.
Demonstration in Kiew: Ukrainer protestieren gegen die Geldpolitik der Notenbank

Demonstration in Kiew: Ukrainer protestieren gegen die Geldpolitik der Notenbank

Foto: Roman Pilipey/ dpa

Kiew - Die ukrainischen Banken zählen zu den großen Verlierern des politisch-militärischen Konflikts um das Land. Sie leiden unter einer massiven Kapitalflucht. Im zu Ende gehenden Jahr hätten die Institute 29 Prozent ihrer Einlagen eingebüßt, sagte die Notenbankchefin Valeria Gontarewa am Dienstag. Ihrer Einschätzung nach ist das Bankensystem der Ukraine derzeit nicht mehr funktionsfähig.

Im ablaufenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung um 7,5 Prozent eingebrochen sein, sagte die Notenbankchefin weiter und bestätigte damit vorangegangene Aussagen. Die Inflationsrate lag Ende November bei 21 Prozent. "So ein schwieriges Jahr hat unser Land mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt", sagte Gontarewa.

Die ukrainische Wirtschaft leidet enorm unter dem Konflikt im Osten des Landes, wo sich seit dem Frühjahr Regierungstruppen und prorussische Rebellen heftige Gefechte liefern. Die Devisenreserven des Landes sind um mehr als die Hälfte zusammengeschmolzen und betragen erstmals seit fünf Jahren weniger als zehn Milliarden Dollar (8,2 Milliarden Euro). Hintergrund ist der Versuch, die ukrainische Währung zu stützen. Die Hrywnja hat seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren. Am Dienstagmorgen mussten für einen Dollar 15,82 Hrywnja bezahlt werden - zu Jahresbeginn waren es nur 8,24 Hrywnja.

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Um den Staatshaushalt zu stabilisieren, verabschiedete das Parlament in Kiew am Montag ein Sparpaket, das unter anderem höhere Importzölle, Kürzungen der Sozialausgaben und eine Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung vorsieht. Die Ausgaben für die Armee sollen allerdings deutlich steigen. Ziel des Sparhaushaltes ist es auch, die Auszahlung weiterer Kredittranchen durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu ermöglichen. Experten des IWF werden am 8. Januar in Kiew erwartet.

Für das kommende Jahr rechnet Notenbankchefin Gontarewa allenfalls mit einer leichten Entspannung. "Ich denke, dass nie wieder passieren wird, was wir dieses Jahr erlebt haben", sagte sie. "Ohne Frage blicken wir optimistisch auf 2015." Demnach dürfte sich die Inflation etwas abschwächen, wobei Gontarewa von einer Teuerung zwischen 17 Prozent und 18 Prozent ausgeht. Bereits im November hatte die Notenbankchefin gesagt, dass sie im kommenden Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,3 Prozent rechnet.

stk/dpa/AFP
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