Truppenaufmarsch an Ukrainegrenze Siemens-Energy-Chef plädiert für Gespräche mit Russland

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch will den direkten Draht zu Russlands Präsident Putin aufrechterhalten, und er warnt: Wirtschaftliche Folgen eines Krieges beträfen nicht nur Nord Stream 2.
Siemens-Energy-Chef Christian Bruch: Große Sorge

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch: Große Sorge

Foto: SVEN SIMON / IMAGO

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch plädiert dafür, zum jetzigen Zeitpunkt den Gesprächskanal zu Russlands Präsident Wladimir Putin offenzuhalten. Eine militärische Eskalation werde wirtschaftliche Folgen haben, sagte Bruch bei der Vorlage der Quartalszahlen des Unternehmens. Im Vordergrund müsse die Lösung des politischen Konflikts stehen. Er sehe die Entwicklung mit großer Sorge.

Bruch sitzt auch im Vorstand des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft. Selbstverständlich werde Siemens immer im Rahmen der von der Politik gesetzten Rahmenbedingungen handeln, sagte der Chef des Energietechnikkonzerns mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Für Anfang März sei ein Gespräch deutscher Wirtschaftsvertreter mit Putin geplant. Daran werde er nach jetzigem Stand teilnehmen. Er habe diese Gespräche stets als verblüffend offenes Format erlebt, sagt Bruch. Die deutsche Politik sei in diesen Dialog stets eingebunden.

Es sei falsch, sich in der Diskussion über wirtschaftliche Folgen allein auf die Gaspipeline Nord Stream 2 zu fokussieren, kritisierte Bruch. Das sei zu eindimensional. Es gebe eine starke gegenseitige Abhängigkeit zwischen Deutschland und Russland im Energiebereich, die weit über die neue Pipeline hinausgehe.

Siemens Energy mache Geschäfte sowohl in Russland als auch der Ukraine, mögliche wirtschaftliche Folgen des Konflikts seien für die Firma aber beherrschbar. Siemens Energy erzielt in Russland einen dreistelligen Millionen-Euro-Umsatz. Bereits in den vergangenen zwei bis drei Jahren habe sich gezeigt, dass russische Kunden stärker auf lokale Lieferanten setzen, sagte Bruch.

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Siemens Energy macht im ersten Quartal Verlust

Im ersten Quartal seines Geschäftsjahres ist der Energietechnikkonzern in die roten Zahlen gerutscht. Von Oktober bis Ende Dezember habe Siemens Energy einen Nettoverlust von 240 Millionen Euro eingefahren, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahreszeitraum sei noch ein Gewinn von 99 Millionen Euro erzielt worden. Grund für den Verlust sind Einbußen der spanischen Windenergietochter Siemens Gamesa.

Während das Geschäft mit Gas- und Dampfkraftwerken im ersten Quartal deutlich zulegen konnte, fuhr die Windkrafttochter Gamesa hohe Verluste ein. Grund sind Lieferengpässe, steigende Rohstoffkosten und Projektverzögerungen. Bruch kündigte an, Gamesa bei der Sanierung des seit Jahren schwächelnden Geschäfts mit Windturbinen an Land (Onshore) weiter zu unterstützen. Gamesa-Konzernchef Andreas Nauen musste gehen, Jochen Eickholt, Vorstandsmitglied von Siemens Energy, übernimmt ab März die Führung der Windkrafttochter. Er wird im Vorstand künftig durch Karim Amin ersetzt.

Die Zuwächse von Gas und Power zeigten, dass die Sparte auf dem richtigen Weg sei, sagte Bruch. Der hohe Gaspreis habe die Nachfrage nach Gaskraftwerken und -turbinen bislang nicht beeinträchtigt. Die Lieferkettenproblematik sei aber nicht nur für Gamesa ein Risikofaktor. Der Konzern gehe von anhaltenden Beeinträchtigungen der globalen Lieferketten aus, hieß es. Auch die Coronapandemie sei weiter ein Unsicherheitsfaktor. »Deshalb können Engpässe bei Materialien und Komponenten und/oder fehlende Frachtkapazitäten weiterhin unsere Geschäftsaktivitäten belasten.«

mhs/mmq/Reuters