Profiteure des Krieges Aktien von Rüstungskonzernen an den Börsen gefragt

Die Aktienmärkte haben sich nach dem Einbruch aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine etwas erholt – selbst in Moskau. Wegen der Aussicht auf höhere Militärausgaben legten vor allem Rüstungswerte deutlich zu.
Lynx-Schützenpanzer von Rheinmetall im Herbst auf einer Messe in Tschechien

Lynx-Schützenpanzer von Rheinmetall im Herbst auf einer Messe in Tschechien

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Vaclav Salek / CTK Photo / IMAGO

Der russische Einmarsch in die Ukraine ließ am Donnerstag die Börsenkurse weltweit einbrechen. Einen Tag später haben sich die Märkte wieder etwas gefangen: Der deutsche Leitindex Dax und der europäische EuroStoxx stiegen um jeweils etwa ein Prozent auf 14.183 beziehungsweise 3871 Punkte. Sie waren wegen des Kriegsbeginns am Vortag um jeweils etwa vier Prozent abgerutscht.

Der Moskauer Leitindex RTS verbuchte sogar einen Rekord-Kursanstieg von zeitweise 30 Prozent und machte damit seine jüngsten Verluste größtenteils wieder wett, nachdem die Börsenkurse in der russischen Hauptstadt am Donnerstag zwischenzeitlich fast um die Hälfte eingebrochen waren.

Unter Investoren an den Börsen besonders gefragt waren am Freitag die Aktien von Rüstungskonzernen. Die Aussicht auf höhere Verteidigungsausgaben ließ die Papiere von Rheinmetall, Thales und BAE Systems deutlich steigen – sie notierten um bis zu 5,6 Prozent besser und erreichten jeweils ein Zwei-Jahres-Hoch.

Die Rüstungssparte des deutschen Rheinmetall-Konzerns baut etwa Panzer und Flugabwehrsysteme, der britische Rüstungskonzern BAE Systems U-Boote und Flugzeuge, die französische Thales-Gruppe ist ebenfalls breit aufgestellt – von Militärtechnik bis Raumfahrt.

Habeck will Einsatzfähigkeit der Bundeswehr steigern

Aktien des deutschen Rüstungskonzerns Hensoldt wiederum legten nach fast zehn Prozent Kursgewinn am Vortag im vorbörslichen Tradegate-Handel am Freitag um weitere sechseinhalb Prozent zu.

Es sei eine Neubetrachtung der Branche denkbar, sagte Analyst David Perry von JPMorgan Cazenove. Zuletzt war der Sektor aus ethischen Gründen jahrelang in Verruf geraten. Wegen der Eskalation der Gewalt in Osteuropa werden nun aber politisch wieder höhere Verteidigungsbudgets diskutiert.

Aus Sicht von Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck muss als Konsequenz aus dem Angriff Russlands auf die Ukraine mehr in die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr investiert werden.

Deutschland sei jetzt quasi Nachbar eines aggressiv Krieg führenden Landes, sagte der Grünenpolitiker am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung »Markus Lanz«. Das werde sicherlich zur Konsequenz haben, dass die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr noch einmal überprüft »und – ich glaube, da verrate ich kein Geheimnis – gesteigert werden muss«.

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Die Erholung an den Börsen ist nach Ansicht von Analysten auch der Tatsache geschuldet, dass die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland bislang nicht so stark ausgefallen sind, wie sie könnten. »Der Verzicht auf Sanktionen gegen russische Öl- und Gaslieferungen und den Ausschluss des Landes aus dem Zahlungsnetzwerk Swift hat die Märkte aufatmen lassen«, sagte Neil Wilson, Chefanalyst des Onlinebrokers Markets.com. Investoren rechneten mit vergleichsweise geringen Auswirkungen der beschlossenen Sanktionen auf die Weltwirtschaft.

Zugleich blieben auch Rohstoffe und Metalle wie das als Krisenwährung bekannte Gold gefragt. Es verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1910 Dollar je Feinunze. Die Rohölsorte Brent aus der Nordsee wiederum pendelte um die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter), die sie am Donnerstag erstmals seit siebeneinhalb Jahren übersprungen hatte.

apr/AFX/Reuters