Ifo-Index Stimmung in deutscher Wirtschaft stürzt ab

Die Manager in deutschen Unternehmen sehen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine extrem pessimistisch in die Zukunft. Das Ifo-Institut erwartet eine deutlich höhere Inflation.
Montage beim Maschinenbauer Liebherr in Biberach an der Riß

Montage beim Maschinenbauer Liebherr in Biberach an der Riß

Foto: Stefan Puchner / dpa

Der russische Einmarsch in die Ukraine wird nach Einschätzung der Unternehmen massive Auswirkungen auf die Wirtschaft in Deutschland haben. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel im März von 98,5 auf 90,8 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Zuvor war der wichtigste Frühindikator für die Konjunktur in Deutschland zwei Monate in Folge gestiegen.

»Die Unternehmen in Deutschland rechnen mit harten Zeiten«, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage und vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter als zuletzt.

Dennoch geht das Institut vorerst nicht von einer Rezession aus. Für das erste Quartal sehe er das in Deutschland nicht, sagte Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe. Die Geschäftslage von Handel und Dienstleistern sei im März stabil geblieben, auch die Industrie habe sich ganz gut gehalten. »Die Corona-Öffnungen stützen hier die Konjunktur«, sagte Wohlrabe.

Die Aussichten für die kommenden sechs Monate haben sich dagegen stark eingetrübt. »Die deutsche Wirtschaft steht vor unruhigen und unsicheren Zeiten«, so Wohlrabe. So hätten sich die Lieferkettenprobleme in der Industrie verschärft. Zudem haben die Preiserwartungen angezogen, was auf eine steigende Inflation hindeutet. »Zwei Drittel der Industriebetriebe wollen ihre Preise anheben, so viele wie noch nie«, so der Ifo-Ökonom. In der Folge wollen auch die Einzelhändler nachziehen: »Das ist ein Dominoeffekt.«

Besonders düster werden die Aussichten derzeit von der Logistikbranche bewertet. »Sie leidet gleich unter drei großen Problemen«, sagte Wohlrabe. »Ihr machen fehlende Fahrer, hohe Dieselpreise und die Lieferkettenprobleme in der Industrie zu schaffen.«

Die Ifo-Forscher hatten erst kürzlich ihr Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gesenkt. Sie erwarten nur noch ein Wachstum zwischen 2,2 und 3,1 Prozent, nachdem sie zuvor noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,7 Prozent gerechnet hatten, wie sie jüngst mitteilten.

»Die russische Attacke dämpft die Konjunktur über deutlich gestiegene Rohstoffpreise, die Sanktionen, zunehmende Lieferengpässe bei Rohmaterialien und Vorprodukten sowie erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit«, hieß es zur Begründung. Die Inflation dürfte schneller steigen als gedacht. Das Institut rechnet mit 5,1 bis 6,1 Prozent für 2022 statt der im Dezember erwarteten 3,3 Prozent.

fdi/Reuters