Ukrainekrieg US-Energieministerin ruft Ölkonzerne zu höherer Förderung auf

Die happigen Spritpreise belasten die USA. Ob Unterstützung aus dem Ausland kommt, ist ungewiss, darum appelliert die zuständige Ministerin jetzt an die heimischen Konzerne.
Ölförderanlage texanischen Odessa: »Ein Ernstfall«

Ölförderanlage texanischen Odessa: »Ein Ernstfall«

Foto: Eli Hartman / AP

Angesichts der hohen Rohöl- und Benzinpreise hat die US-Energieministerin Jennifer Granholm die Ölkonzerne ihres Landes zur Steigerung der Förderung aufgerufen. »In diesem Moment der Krise brauchen wir eine größere Bevorratung«, sagte Granholm am Mittwoch (Ortstzeit) in einer Rede auf der Energiekonferenz Cera Week in Houston im Bundesstaat Texas.

Wegen des Angriffs auf die Ukraine und der deshalb gegen Russland verhängten Sanktionen herrsche »ein Ernstfall«, in dem »wir verantwortlich die kurzfristige Versorgung erhöhen müssen«, sagte die Energieministerin. Auf diese Weise könnten der Markt stabilisiert und die Folgen für US-Verbraucher verringert werden. »Das heißt für Sie, heute mehr zu produzieren, wenn Sie es können«, appellierte sie an die Konzernchefs.

Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hatte US-Präsident Joe Biden einen Einfuhrstopp für Öl und Gas aus Russland verhängt. Deutschland dagegen scheut diesen Schritt aus ökonomischen Gründen bislang noch. Auch im Zuge der wirtschaftlichen Erholung von den Folgen der Coronapandemie zogen die Ölpreise massiv an und führten zu einem starken Anstieg der Verbraucherpreise in den USA.

Trotz des massiven Preisanstiegs haben sich die Ölkonzerne bislang jedoch geweigert, die Produktion deutlich anzukurbeln – aus Furcht vor einer Trendwende am Markt bei einem zu großen Angebot. Nach dem russischen Angriff stellten die Industrieländer vergangene Woche einen Teil ihrer Notreserven zur Verfügung, um den Ölmarkt zu stützen.

Wird bald mehr gefördert?

Granholm sagte, der kurzfristige Bedarf einer Versorgung mit fossilen Energien ändere nichts am Kurs der US-Regierung hin zu erneuerbaren Energien. »Wir meinen es ernst, was die Dekarbonisierung betrifft«, sagte sie mit Blick auf die US-Wirtschaft. »Wir können beides gleichzeitig machen. Heute brauchen wir eine höhere Gas- und Ölproduktion, um die Nachfrage zu befriedigen.«

US-Energieministerin Granholm: Förderung ausweiten – und das Land dekarbonisieren

US-Energieministerin Granholm: Förderung ausweiten – und das Land dekarbonisieren

Foto: KEVIN LAMARQUE / REUTERS

Die Ölpreise sind unterdessen am Donnerstag wieder gestiegen. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 113,29 US-Dollar. Das waren 2,15 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 1,20 Dollar auf 109,90 Dollar.

Am Mittwoch hatten Spekulationen auf eine Ausweitung der Ölförderung der Vereinigten Arabischen Emirate Hoffnungen kurzfristig für eine Entspannung gesorgt. Die Preise für Brent und WTI rutschten jeweils um gut 17 Prozent ab. Zu Wochenbeginn waren die Preise auf ihre höchsten Stände seit Juli 2008 gesprungen.

Ein Insider aus den Emiraten berichtete laut Nachrichtenagentur Reuters nun, das Land werde nicht auf eigene Faust handeln, um die Fördermenge zu erhöhen. Der Staat bleibe der OPEC-plus-Allianz verpflichtet und nur sein Energieministerium sei für die Ölpolitik zuständig.

Der erweiterte Verbund, zu dem auch Russland gehört, hat vergangene Woche jedoch an seinem zögerlichen Kurs festgehalten – und nur eine geringe Ausweitung bestätigt.

Der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington, Yousuf Al Otaiba, hatte zuvor mitgeteilt, dass Abu Dhabi eine Erhöhung der Ölmenge befürworte und dafür werben wolle, eine höhere Produktion in Betracht zu ziehen.

apr/AFP/Reuters
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