Schärfere US-Sanktionen Russische Börse rutscht ins Minus

Die verschärften US-Sanktionen gegen Russland sorgen für Unruhe an den Aktienmärkten. Der russische Leitindex schlittert ins Minus. Politiker und Wirtschaftsführer beklagen sich über die Strafaktion der Amerikaner.
Russlands Präsident Putin: "In eine Sackgasse"

Russlands Präsident Putin: "In eine Sackgasse"

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Moskau - Neue Strafmaßnahmen der USA und der EU in der Ukraine-Krise haben den russischen Aktienmarkt unter Druck gesetzt. Der Leitindex RTS, der die Aktien in Dollar abbildet, fiel zwischenzeitlich um 4,8 Prozent und notierte auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Mai. Der Rubel verlor gegenüber dem Euro und dem Dollar deutlich an Wert. Auch russische Staatsanleihen gerieten unter Druck. Deutlich teurer wurden Kreditausfallversicherungen (CDS) für Russland.

Der deutsche Aktienindex Dax   notierte ebenfalls niedriger als am Vortag, gegen Mittag lag er um rund ein Prozent im Minus. Auch Papiere von Firmen mit großen Russland-Aktivitäten gehörten zu den großen Verlierern, wie etwa die österreichische Raiffeisen Bank International   oder der deutsche Handelskonzern Metro  . Investoren trennten sich auch von Aktien europäischer Energieunternehmen.

Die US-Regierung verhängte am Mittwoch ihre bislang schärfsten Sanktionen gegen eine Reihe russischer Unternehmen. Betroffen ist unter anderem der Energiekonzern Rosneft  . Dessen Aktien sackten um knapp fünf Prozent ab und zählten damit zu den größten Verlierern. Auch der Gasproduzent Novatek steht auf der Sanktionsliste der USA. Dessen Aktien fielen um mehr als viereinhalb Prozent zurück.

Die Gazprombank und die Vnesheconombank (VEB), über die der Staat Zahlungen abwickelt, sind ebenfalls von den Strafmaßnahmen betroffen. Guthaben dieser vier Firmen werden allerdings nicht eingefroren, und US-Unternehmen können weiter mit ihnen Geschäfte machen. Allerdings ist der Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt beschränkt. Von Strafmaßnahmen sind auch Rüstungsunternehmen wie der Hersteller von Kalaschnikow-Maschinengewehren betroffen. (Hier finden Sie die Sanktionsliste der USA .)

"Das ist ein heftiger Schlag für Russland und die russischen Märkte", sagt Tim Ash, Analyst bei der Standard Bank. Auch auf dem EU-Gipfel wurden erstmals Sanktionen gegen russische Unternehmen beschlossen, wenn diese zur Destabilisierung der Ukraine beitragen. Die Union werde auch prüfen, ob milliardenschwere Oligarchen oder Konzerne, die die Annexion der Krim unterstützen, auf die schwarze Liste kommen, hieß es in einer Gipfelerklärung.

Russische Politiker und Wirtschaftsvertreter reagierten auffallend einmütig mit scharfer Kritik und Drohungen. Sie hatten dabei besonders die US-Strafmaßnahmen im Visier. "Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt und führen die amerikanisch-russischen Beziehungen zweifellos in eine Sackgasse", sagte Präsident Wladimir Putin. Die USA schadeten damit amerikanischen Energiekonzernen, die in Russland tätig seien, etwa ExxonMobil.

Medwedew droht mit höheren Militärausgaben

Auch das russische Außenministerium äußerte sich und sprach von einem "primitiven Racheversuch", weil sich die Ereignisse in der Ukraine nicht nach den Vorstellungen der US-Regierung entwickelten. "Diejenigen, die sich auf die eigene Außergewöhnlichkeit berufen und sich das Recht herausnehmen, der übrigen Welt ihren Willen zu diktieren, werden zwangsläufig bitter enttäuscht", hieß es. "Erpressung werden wir nicht dulden und behalten uns das Recht auf Gegenmaßnahmen vor."

Premierminister Dmitrij Medwedew erklärte vor Journalisten, "jegliche Art von Sanktionen sind schlecht". Im Gegenzug brachte er eine Erhöhung der russischen Verteidigungsausgaben ins Spiel. Sanktionen hätten noch nie ein Land in die Knie gezwungen, sagte Medwedew. In Anspielung auf die Zeit des Kalten Krieges sagte er, die Sanktionen könnten die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen auf den Stand der Achtzigerjahre zurückwerfen.

Der Chef des Staatskonzerns Rosneft, Igor Setschin, bezeichnete die Sanktionen als unrechtmäßig und unlogisch. Schließlich habe sein Unternehmen in der Ukraine-Krise keine Rolle gespielt. Mit den Strafmaßnahmen handele die US-Regierung gegen die Interessen amerikanischer Unternehmen, die mit Rosneft Geschäfte machen wollten. Der Chef der zweitgrößten russischen Bank VTB, Andrej Kostin, sagte, es könne verheerende Auswirkungen auf das globale Finanzsystem geben.

Gazprom nicht von Sanktionen betroffen

Die Strafmaßnahmen treffen die von Rezession und Kapitalabfluss geplagte russische Wirtschaft hart. Unternehmen in Russland beklagen, dass Investitionen ausblieben und neue Projekte in einem Klima wirtschaftlicher Unsicherheit nicht angeschoben würden.

US-Präsident Barack Obama verteidigte die Sanktionen. Sie seien wichtig und schlagkräftig, aber so gewählt worden, dass sie vor allem die russische Wirtschaft träfen und dabei möglichst geringe Auswirkungen auf amerikanische und europäische Unternehmen hätten. So wurde der Staatskonzern Gazprom   von den Sanktionen ausgenommen. Mit ihm deckt Europa einen großen Teil seines Gasbedarfs.

mmq/Reuters/dpa-AFX
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.