Umfrage Hoteliers behalten Steuernachlass für sich

Die Regierung spendiert dem Gastgewerbe eine satte Steuerermäßigung, doch viele Hoteliers geben den Rabatt nicht an die Gäste weiter. Im Gegenteil: Laut einer Umfrage haben einige Betriebe die Preise sogar noch erhöht.
Mövenpick-Hotel in Berlin: FDP wehrt sich gegen Vorwürfe der Käuflichkeit

Mövenpick-Hotel in Berlin: FDP wehrt sich gegen Vorwürfe der Käuflichkeit

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Berlin - Trotz der Steuerermäßigung zum 1. Januar sind Hotelübernachtungen teurer geworden. Einer Umfrage zufolge sind die Kosten für Gäste von Mitte Dezember bis Mitte Januar um durchschnittlich 1,9 Prozent gestiegen, teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) am Mittwoch in Berlin mit.

Nur bei 7,4 Prozent der Angebote sei der Preis gefallen. Dagegen hätten die Hotels in knapp 14 Prozent der Fälle die Preise sogar angehoben - und in 78,7 Prozent der untersuchten Offerten seien die Preise konstant geblieben, der Steuernachlass wurde also nicht weitergegeben.

Die Preiserhöhungen fallen dabei den Angaben zufolge kräftiger aus als die Senkungen. Bei den 81 Angeboten, die sich gegenüber Dezember 2009 verteuerten, wurden durchschnittlich 13,03 Euro mehr verlangt, wie die Verbraucherschützer berichteten. Dagegen fielen die Preisreduzierungen bei den 43 Angeboten, die billiger als vor einem Monat waren, mit 5,62 Euro bescheiden aus.

Rüge vom Verbraucherschützer

Die Verbraucherschützer wiesen allerdings auch darauf hin, dass die Erhebung keinen repräsentativen Charakter habe. Die vzbv hatten mit der Untersuchung das Institut für angewandte Verbraucherforschung beauftragt. Die Wissenschaftler überprüfte knapp 600 Übernachtungsangebote von 300 Betrieben in Städten und Ferienregionen.

Gerd Billen, Chef der vzbv, kritisierte die Hotelbranche für ihre Preispolitik. "Das Hauptargument für die Einführung einer reduzierten Mehrwertsteuer waren preisbedingte Wettbewerbsnachteile im internationalen Wettbewerb", erklärte er. "Dann müssten als logische Konsequenz jetzt auch die Preise sinken."

Hotelspenden auch für die CDU

Der um zwölf Punkte verminderte Mehrwertsteuersatz für das Hotelgewerbe ist Teil des umstrittenen Wachstumsbeschleunigungsgesetzes der schwarz-gelben Bundesregierung. Das Programm sieht Entlastungen in Höhe von 8,4 Milliarden Euro für Familien und Unternehmen vor. Vor allem die CSU-geführte bayerische Landesregierung und die FDP hatten auf den Steuerrabatt für die Hotelbranche gedrängt.

Die Parteien waren zuletzt allerdings in die Kritik geraten, da sie hohe Spenden aus der Hotelbranche erhalten hatten. Neben FDP und CSU hat aber auch die CDU vor der Bundestagswahl eine größere Spende aus der Hotelbranche erhalten. Ein Sprecher der CDU bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des "Stern". Demnach überwies die in Limassol auf Zypern residierende Firma Schoeller Holdings Ltd. am 17. Dezember 2008 die Summe von 100.000 Euro an die CDU. Teil der Schoeller Holdings ist dem Bericht zufolge die Hotelkette Columbia, die vier Hotels in Deutschland betreibt.

Ein CDU-Sprecher versicherte, dass die Spende nichts mit der Entscheidung zu tun gehabt habe, die Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen zu senken. "Die CDU trifft ihre politischen Entscheidungen völlig unabhängig von Spenden", sagte er.

fro/AFP/apn
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