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Umfrage Mehrheit der Deutschen steht trotz Krise hinter dem Euro

Zwar ist der Fortbestand des Euro gefährdet - die Deutschen würden sich aber nur ungern von ihm verabschieden. Laut einer Umfrage finden es nahezu zwei Drittel der Bundesbürger gut, dass es die gemeinsame europäische Währung gibt.
Portemonnaie mit Euro-Scheinen: Die Deutschen unterstützen ihre Währung

Portemonnaie mit Euro-Scheinen: Die Deutschen unterstützen ihre Währung

Foto: Sean Gallup/ Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Deutschen stehen zu ihrer Währung - auch die Finanzkrise ändert nichts an ihrer deutlichen Unterstützung des Euro. Zwar ging die Zustimmung zu der europäischen Gemeinschaftswährung seit 2008 leicht zurück, doch noch immer sprechen sich fast zwei Drittel der Deutschen für den Euro aus. Das geht aus einer Studie des Brüsseler Zentrums für Europäische Politikstudien (CEPS) hervor, die von der Stiftung Mercator gefördert wurde und sich auf Umfragedaten der europäischen Statistikbehörde Eurostat stützt.

Laut der Studie spricht sich bereits seit 1998 die Mehrheit der deutschen Bevölkerung für den Euro aus. Besonders deutlich unterstützen die Deutschen die Währung seit dem Jahr 2002, als der Euro als Bargeld eingeführt wurde: Durchgehend 60 bis 75 Prozent der Bürger befürworteten die europäische Währung.

Im Vergleich dazu ist das Vertrauen der Bundesbürger in die Europäische Union und deren Institutionen wie Parlament oder Kommission deutlich geringer. Auch unter der Finanzkrise hat das Vertrauen in die europäischen Institutionen erheblich stärker gelitten als die Zustimmung zur gemeinsamen Währung.

Scheinbarer Widerspruch zu Allensbach-Umfragen

Damit steht die CEPS-Studie scheinbar in krassem Widerspruch zu Ergebnissen von Umfragen des Allensbacher Instituts für Demoskopie. Das Meinungsforschungsinstitut hatte in diesem Jahr mehrmals ein großes Misstrauen in den Euro ermittelt - und wurde nun vom Autor der CEPS-Studie, Felix Roth, kritisiert: Die Befragten konnten zwischen den Antworten "großes", "weniger" oder "kaum, kein Vertrauen" wählen.

Nach Ansicht von Roth hätte das Institut die Werte für "weniger Vertrauen" nicht zu denen für "kaum, kein Vertrauen" addieren dürfen. "Das ist dann plötzlich Misstrauen", sagte Roth. Hätte man anders gerechnet, wären die Ergebnisse deutlich positiver ausgefallen. Zudem sei es falsch gewesen, nach dem Vertrauen und nicht nach der Unterstützung für den Euro zu fragen. Entscheidend für die politischen Entscheidungen sei jedenfalls, ob die Bürger eine europäische Währung wollten.

Das Allensbacher Institut wies die Vorwürfe zurück. "Ich halte das für kleinlich", sagte Thomas Petersen. Er bestätigte, dass sich die Antwortmöglichkeiten geändert hätten - allerdings nur, "weil das sowieso niemand gewählt hat". An den Ergebnissen habe die Umstellung nichts geändert. Man könne aber darüber streiten, ob die Frage nach dem Vertrauen "die optimale Formulierung" sei.

Am Morgen hatte das Statistische Bundesamt ein gutes Argument für die Unterstützung des Euro geliefert: Die Teuerung in Deutschland ist seit dessen Einführung im Schnitt deutlich niedriger gewesen als zu Zeiten der D-Mark.

fdi/dapd