Umfrage Nur sieben Prozent der Firmen spüren den Aufschwung

Das Gerede vom Aufschwung ist bislang vor allem Theorie: In einer Umfrage des "Handelsblatts" gaben nur sieben Prozent der Unternehmen an, die Konjunkturerholung zu bemerken. Weil zwei Drittel der Firmen erst 2011 mit einem Ende der Krise rechnen, wollen viele nun ihre Kosten stark senken.

Hamburger Hafen: Aufschwung bislang nicht in Sicht
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Hamburger Hafen: Aufschwung bislang nicht in Sicht


Düsseldorf - Das Gros der Politiker und Wirtschaftsforscher sieht das Schlimmste der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten überstanden. Deshalb dominiert inzwischen sogar schon wieder das Wort "Aufschwung" die Konjunkturdebatten.

Doch die deutsche Industrie ist da weit weniger optimistisch. Zwei Drittel der deutschen Unternehmen rechnen nach einem Bericht des "Handelsblatts" frühestens für 2011 mit einem Ende der Wirtschaftskrise. Schlimmer noch: Nur sieben Prozent der Firmen spüren bereits den Aufschwung. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter Führungskräften in 131 deutschen Unternehmen. Kurzfristig rechne "so gut wie niemand" mit höheren Umsätzen, hieß es weiter. Allerdings sähen immerhin 65 Prozent der Unternehmen "Licht am Ende des Tunnels".

In ihren veröffentlichten Ausblicken bestätigten die Unternehmen die Skepsis. Fast alle sähen zwar die Talsohle erreicht, doch einen nachhaltigen Aufschwung wage niemand zu prognostizieren. Viele Konzerne, darunter der Autohersteller Daimler Chart zeigen, kündigten dem Blatt zufolge angesichts der Flaute sogar an, 2010 ihre Kosten noch drastischer zu senken.

Ungeachtet der Finanzkrise und strengerer Eigenkapitalrichtlinien der Banken spreche aber nur jede zehnte Firma von erheblichen Refinanzierungsproblemen. Mehr als die Hälfte sehe gar keine Probleme, wenn es um Kredite gehe. Gegenüber der Befragung im Frühjahr habe sich der Anteil derjenigen, die eine Kreditklemme befürchten, sogar verringert. "Kaum jemand investiert. Deshalb brauchen wir auch kein Geld von den Banken", sagte der Finanzchef eines großen Industrieunternehmens.

böl/ddp/Dow Jones



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quengelbengel 20.10.2009
1. was ist daran überraschend?
...es ist doch wohl jedem klar, dass die großen kriege nicht auf dem atomaren spielfeld, sondern auf den geldmärkten ausgetragen werden, oder glaubt noch jemand an zufälle? wenn die US-Regierung alle schulden durch die option auf weiteres geld-drucken absichert (sprich durch inflation), dann ist klar wohin das führt. kurzsichtig finde ich den ansatz, wir wären so sehr von der us-wirtschaft abhängig. man sollte das nicht überschätzen: € als leitwährung (auch an den ölmärkten) würde den amerikanern sicher nicht schmecken, aber wenn alle mitzögen? it's paytime - nachdem wir so viel schlechtes aus der ausgehöhlten amerikanischen un-kultur nach europa übernommen haben vielleicht mal eine chance uns zu emanzipieren und auf eigenen beinen zu stehen? also so lange es geht, so viel öl für billige dollar kaufen, wie möglich, und dann abwarten bis die fußfaulen amis kein benzin mehr im tank haben! danach technologien für regenerative energien an sie verkaufen (für noch mehr dollars) um schließlich den chinesen und russen die rohstoffe abzukaufen, die wir brauchen, um hier überhaupt über die runden zu kommen...
LiLiLi 20.10.2009
2. Einseitig
Die Ansicht der EZB ist mal wieder sehr einseitig. Man kann nicht am Leistungsbilanzdefizit der USA (u.a) die Krise festmachen und dan weiter darauf bauen, dass die USA den Dollar hoch hält, um Importe aus Europa zu begünstigen. Natürlich ist es im Interesse der USA Exporte zu fördern. Dies ist eigentlich im Interesse der Globalwirtschaft. Europa sollte sich darauf konzentrieren die Binnenkonjunktur zu födern, um vom Export unabhängig zu werden. Das geht natürlich nicht, wenn man das Vermögen weiter von unten nach oben und die Subventionen der Kleinen aber nicht der Großen kürzen will. Den Milchbauen 270 Mio Euro gibt und auf der anderen Seite 3% des BIP für Entwicklungshilfe ausgeben will. Neoliberale angebotsorientierte Wirtschaftspolitik im Lissabonner Vertrag, aber keine Sozialpolitik auf EU Ebene festhält. Die EZB ist eben auch nur die lange Hand der Exportwirtschaft.
Hartmut Dresia, 20.10.2009
3.
Zitat von sysopWeil der Dollar gegenüber dem Euro stetig an Wert verliert, bangen die Europäer um ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem US-Markt. Die langsam anziehende Konjunktur könnte so wieder ausgebremst werden - wie stabil ist Europas Konjunktur derzeit?
Gegenüber Juli 2009 stieg die Produktion von Gebrauchsgütern im August 2009 in der Eurozone um 5,3%. Erholung? Ja, etwas, doch entscheidend ist: In Deutschland stieg die Industrieproduktion im Monatsvergleich um 1,5 Prozent, aber im Jahresvergleich sank sie um 18,0 Prozent. (Produktion um 1,5% gestiegen und um 18,0% gesunken (http://www.plantor.de/2009/industrieproduktion-gestiegen-und-gesunken/)) Die Schwäche nun auf die USA zu schieben, das wäre zu billig. Denn nach wie vor ist der Binnenmarkt nicht in Ordnung, es wird kaum erneut gelingen, dass Deutschland sich auf Kosten anderer "gesundexportiert".
mr_smith 20.10.2009
4.
Zitat von sysopWeil der Dollar gegenüber dem Euro stetig an Wert verliert, bangen die Europäer um ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem US-Markt. Die langsam anziehende Konjunktur könnte so wieder ausgebremst werden - wie stabil ist Europas Konjunktur derzeit?
Welche langsam anziehende Konjunktur? Den US-Markt würde ich als Unternehmer erstmal abschreiben. Das tun ja bereits langsam die Chinesen, Russen, und Japaner und einige Arabische Länder. Sogar die Amis und die nicht MainStreamMedien wissen Bescheid: "Die »New York Post« titelte am Donnerstag, den 15. Oktober, dass der Dollar seinen Reservestatus an Yen und Euro verliere. Eine trockene, zutreffende Feststellung, die noch vor zwei Jahren für hysterisches Gelächter gesorgt hätte. Ein kleiner Artikel im »Independent«, so gut wie unbemerkt in der deutschen Presse geblieben, führte diese Entwicklung im Zeitraffertempo herbei: »The demise of the Dollar« (»Der Hingang des Dollar«). Seitdem spielt nicht nur der Goldpreis verrückt." http://info.kopp-verlag.de/news/blattschuss-auf-den-dollar.html Es deutet alles daraufhin, dass in den nächsten Jahren der Dollar verschwinden wird.
hansi99 20.10.2009
5. das trifft nicht zu, denn
Zitat von mr_smithWelche langsam anziehende Konjunktur? Den US-Markt würde ich als Unternehmer erstmal abschreiben. Das tun ja bereits langsam die Chinesen, Russen, und Japaner und einige Arabische Länder. Sogar die Amis und die nicht MainStreamMedien wissen Bescheid: "Die »New York Post« titelte am Donnerstag, den 15. Oktober, dass der Dollar seinen Reservestatus an Yen und Euro verliere. Eine trockene, zutreffende Feststellung, die noch vor zwei Jahren für hysterisches Gelächter gesorgt hätte. Ein kleiner Artikel im »Independent«, so gut wie unbemerkt in der deutschen Presse geblieben, führte diese Entwicklung im Zeitraffertempo herbei: »The demise of the Dollar« (»Der Hingang des Dollar«). Seitdem spielt nicht nur der Goldpreis verrückt." http://info.kopp-verlag.de/news/blattschuss-auf-den-dollar.html Es deutet alles daraufhin, dass in den nächsten Jahren der Dollar verschwinden wird.
die meisten Länder, China, Russland, die Ölförderer haben Unsummen im Dollar liegen. China 2.300.000.000.000US-$. Dazu werden heute noch weitere US-Staatsanleihen gekauft. Aus dem Dollarraum gesehen, steigt der Kurs des EUR und verteuert die Importe für Mercedes, BMW u.a. und das ist vielleicht das Ziel. Förderung der US-Wirtschaft.
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