Umsatzminus durch Schnee und Eis Deutsche Firmen fürchten die Kälte-Kosten

Baufirmen werden nicht rechtzeitig fertig, Spediteure kämpfen gegen massive Verspätungen: Der Eiskalt-Dezember trifft nicht nur Reisende hart, er wirbelt auch die Planungen von Firmen durcheinander, beschert ihnen Extra-Ausgaben in Millionenhöhe. Ein Überblick über die Kosten der Kälte.
Räumfahrzeuge bei Emmelshausen: Hohe Ausgaben auch für die Kommunen

Räumfahrzeuge bei Emmelshausen: Hohe Ausgaben auch für die Kommunen

Foto: dapd

Hamburg - Zehntausende Passagiere sind gestrandet, Hunderte Flüge wurden gestrichen, die Bahn riet am Sonntag gar von Zugreisen ab: Der Winter legt Deutschland lahm - und könnte den betroffenen Unternehmen hohe Verluste bescheren.

Mit Prognosen halten sich die Betroffenen zwar noch zurück. Doch schon jetzt ist klar: Der frühe Wintereinbruch hat Folgen für die Wirtschaft in Deutschland. Im Baugewerbe können Aufträge nicht rechtzeitig fertiggestellt werden; die Spediteure kämpfen mit Schnee und Eis und kilometerlangen Staus auf den Autobahnen; die Versorgung von Tankstellen mit Benzin und Diesel wird in einigen Regionen schwierig. "Die Schneefälle der vergangenen Tage haben dazu geführt, dass eine reguläre Belieferung einzelner Tankstellen nicht möglich war", sagt Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes.

Nicht alle kommen so gut davon wie etwa die Schifffahrt: Zwar gebe es erste eisbedingte Sperrungen und Einschränkungen, sagt Jörg Rusche vom Bundesverband der Binnenschifffahrt. "Aber das sind für die Jahreszeit keine ungewöhnlichen Probleme."

SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick, wie andere Branchen mit dem frühen Wintereinbruch zu kämpfen haben:

Baugewerbe - Umsatzminus von 50 Prozent

Das Baugewerbe leidet besonders unter dem frühen Wintereinbruch: In einem normalen Dezember rechnet der Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB) mit sieben bis acht Milliarden Euro Umsatz. "In diesem Jahr dürften es drei bis vier Milliarden weniger werden", sagt ZDB-Sprecherin Ilona Klein.

Wegen des kalten Wetters kann draußen kaum gearbeitet werden. Die Aufträge seien zwar nicht verloren, sondern nur aufgeschoben, sagt Klein. Für die betroffenen Unternehmen sei es dennoch eine schwere Situation. Schon von Januar bis März habe es aufgrund des harten Winters weniger Arbeit gegeben. "In vier von zwölf Monaten geht nichts - so heftig war es in früheren Jahren nicht."

Bahn - höhere Kosten, mehr Fahrgäste

Die Lufthansa empfiehlt, auf die Bahn umzusteigen, doch die Bahn rät wegen des großen Andrangs ab: Die vergangene Woche hat gezeigt, welche dramatischen Folgen der kalte Dezember für Reisende in Deutschland hat. Am Donnerstag steckten 400 Passagiere in einem ausgefallenen Regionalzug zwischen Hamburg und Lübeck fest. Der Image-Schaden für die Bahn ist gewaltig. Doch muss der Konzern auch finanzielle Einbußen befürchten? "Das lässt sich noch überhaupt nicht abschätzen", sagt ein Sprecher.

Tatsächlich muss die Bahn mehr Aufwand betreiben, um die Züge winterfest zu machen. So investierte der Konzern unter anderem in zusätzliche Enteisungsanlagen. Auf der anderen Seite dürften aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse und der ausgefallenen Flüge mehr Fahrgäste die Bahn nutzen.

Luftfahrt - "nicht erfreulich"

Hunderte Flüge wurden am Montag allein in Frankfurt gestrichen, doch die Höhe der möglichen Verluste will derzeit noch niemand abschätzen. "Wir können es bisher schlecht beziffern", sagt Carola Scheffler vom Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften. "Sowohl für die Airports als auch für die Fluggesellschaften ist es nicht erfreulich."

Auch die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens wollte zu den finanziellen Folgen des Wintereinbruchs keine Angaben machen: "Das wäre unseriös", hieß es bei Fraport auf Anfrage. Durch die ausgefallenen Flüge entgehen den Airportbetreibern unter anderem Einnahmen durch die Start- und Landegebühren, die von den Fluglinien bezahlt werden.

Versicherungen - zusätzliche Kosten wegen Autounfällen

Mehr Schnee, mehr Eis, mehr Unfälle - so einfach ist die Rechnung. Der vergangene Winter mit Schneesturm "Daisy" kostete die deutschen Autoversicherer rund 230 Millionen Euro zusätzlich - das schätzte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). 500 Millionen Euro betrug demnach der zusätzliche Aufwand für Sachversicherungen.

Auch in diesem Jahr könnten erhebliche Mehrkosten auf die Unternehmen zukommen. Für genaue Zahlen sei es zwar noch zu früh, sagt GDV-Sprecherin Katrin Rüter. Doch wenn der Winter sich wieder so lang hinziehe wie im vergangenen Jahr, dürften die zusätzlichen Kosten eine ähnliche Höhe erreichen.

Kommunen - "das kann noch schlimmer werden"

Nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebunds haben die Kommunen in der vergangenen Winterperiode 3,5 Milliarden Euro zusätzlich für den Räumdienst und die Beseitigung von Schäden zahlen müssen. "Wenn der Winter wieder so lang und hart wird - und danach sieht es zu Beginn aus - kann das locker noch schlimmer werden", sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

Am teuersten seien dabei nicht die Streudienste, sondern vor allem die Reparaturen von Schlaglöchern. "Die Schäden vom letzten Winter sind ja noch nicht einmal alle repariert", sagt Landsberg. Die Kommunen seien für insgesamt 450.000 Kilometer Straßennetz verantwortlich - das erkläre die hohen Kosten. Halten sich Schnee und Eis weiter so hartnäckig, werden sich Autofahrer nicht mehr auf geräumte Straßen verlassen können. "Wir versuchen alles zu tun, aber wenn man kein Geld hat, wird man teilweise den Winterdienst einschränken", so Landsberg.

Einzelhandel - es gibt auch gute Nachrichten

Das Weihnachtsgeschäft leidet nicht unter dem frühen Wintereinbruch - ganz im Gegenteil. "Winter- und Wintersportkleidung wird den Händlern geradezu aus den Händen gerissen", sagt Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland.

Es habe zwar Regionen gegeben, in denen Menschen die Läden nicht mehr so gut erreichen konnten, so Falk. "Aber insgesamt war das vierte Adventswochenende wieder sehr gut." Der Handelsverband erwartet für das Weihnachtsgeschäft ein Umsatzwachstum von 2,5 Prozent - das höchste seit fünf Jahren.

Trotz des Wintereinbruchs habe es bisher keine nennenswerten Beeinträchtigungen bei der Belieferung der Märkte gegeben, heißt es in einer Mitteilung. Zwar würden die Läden teilweise verspätet beliefert. Echte Lieferengpässe seien allerdings nicht zu befürchten.