Umschuldung Deutscher Versicherer streikt bei Griechen-Rettung

Private Gläubiger sollen sich an der Umschuldung Griechenlands beteiligen, doch nicht alle Finanzkonzerne wollen mitmachen. In Deutschland sperrt sich die Versicherungsgruppe Talanx. "Warum soll ich freiwillig auf etwas verzichten?", fragt der Vorstandschef.

Talanx-Chef Haas: "Warum sollte ich freiwillig auf etwas verzichten?"
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Talanx-Chef Haas: "Warum sollte ich freiwillig auf etwas verzichten?"


Hamburg/Berlin - Der Fall Griechenland darf sich nicht wiederholen - auf diese Formel haben sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone beim EU-Gipfel in Brüssel geeinigt. Gemeint ist damit der Beschluss vom Sommer dieses Jahres, private Gläubiger an einer Umschuldung des Landes zu beteiligen. Doch bisher ist nicht mal sicher, ob es diesen Fall Griechenland überhaupt gibt. Denn nicht alle privaten Investoren wollen sich an die Vereinbarung halten.

So sieht sich zum Beispiel der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx bei der Umschuldung außen vor. "An der jetzt geplanten Gläubiger-Beteiligung werden wir uns nicht beteiligen", sagte Vorstandschef Herbert Haas der Zeitung "Die Welt". "Warum sollte ich freiwillig auf etwas verzichten?"

Wie das Blatt berichtet, stellt sich damit erstmals ein großer institutioneller Investor aus Deutschland ausdrücklich gegen den Kompromiss, den die EU-Staaten mit dem internationalen Bankenverband IIF ausgehandelt haben. Dabei war vereinbart worden, dass private Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten.

Haas sagte nun, ein solcher Verzicht könnte Folgen für die Talanx-Aktionäre und für die Versicherten haben. Ein Ausfall der Forderungen bedeute weniger Zinsen für die Policen. "Ich würde also auf Geld verzichten, das anderen gehört.". Es wundere ihn, "wie bereitwillig" sich manche Konkurrenten aus der Branche am Schuldenschnitt beteiligen wollten. Talanx ist in Deutschland unter anderem mit den Marken HDI und HDI-Gerling vertreten.

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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung
Der IIF verhandelt derzeit über die Details des geplanten Schuldenschnitts für Griechenland. Nach früheren Angaben sollen sich mehr als 90 Prozent der privaten Gläubiger beteiligen. Die konkrete Umsetzung soll dann Anfang 2012 erfolgen. Wenn einzelne Unternehmen nicht mitmachen, können sie hoffen, dass Griechenland am Ende doch seine Anleihen voll zurückzahlt. Dann hätten sie als Trittbrettfahrer vom Opfer der anderen Gläubiger profitiert.

Auf dem jüngsten Gipfel in Brüssel hatte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy die von Deutschland vehement durchgesetzte Beteiligung von Banken und Versicherungen an der versuchten Rettung Griechenlands als Fehler bezeichnet. Dieses Verfahren solle nicht mehr für andere Länder angewendet werden. Es habe die Märkte nur noch weiter verunsichert und die Lage damit verschärft.

stk/dpa



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
by_the_way 09.12.2011
1.
Zitat von sysopPrivate Gläubiger sollen sich an der Umschuldung Griechenlands beteiligen, doch nicht alle Finanzkonzerne wollen mitmachen.*In Deutschland sperrt sich die Versicherungsgruppe Talanx. "Warum soll ich freiwillig auf etwas verzichten?", fragt der Vorstandschef. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802845,00.html
Warum soll er wohl freiwillig auf etwas verzichten? Vielleicht weil nix mehr da ist? Und wieso eigentlich "er"? Spricht er nicht für die Talanx-Gruppe und vor allem für seine Aktionäre? Wäre dann nicht ein "wir" symphatischer?
kuddel37 09.12.2011
2. .
Zitat von sysopPrivate Gläubiger sollen sich an der Umschuldung Griechenlands beteiligen, doch nicht alle Finanzkonzerne wollen mitmachen.*In Deutschland sperrt sich die Versicherungsgruppe Talanx. "Warum soll ich freiwillig auf etwas verzichten?", fragt der Vorstandschef. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802845,00.html
Verzicht wäre Untreue gegenüber den Aktionären. war zu erwarten das da keiner einfach so mitmachen wird.Solche Untreue können sich bisher nur die Politiker leisten, indem sie einfach Steuergelder für fremde Länder verschwenden. Aber dafür werden diese hoffentlich auch noch mal belangt.
herr_kowalski 09.12.2011
3. Miserable REnditen
Zitat von by_the_wayWarum soll er wohl freiwillig auf etwas verzichten? Vielleicht weil nix mehr da ist? Und wieso eigentlich "er"? Spricht er nicht für die Talanx-Gruppe und vor allem für seine Aktionäre? Wäre dann nicht ein "wir" symphatischer?
erwirtschaften die Talanx-Töchter HDI und Gerling schon länger. ER würde sich schadensersatzpflichitg gegenüber seinen Aktionären und Kunden machen. Das gibt das deutsche Aktienrecht genauso vor.
larry_lustig 09.12.2011
4.
Zitat von kuddel37Verzicht wäre Untreue gegenüber den Aktionären. war zu erwarten das da keiner einfach so mitmachen wird.Solche Untreue können sich bisher nur die Politiker leisten, indem sie einfach Steuergelder für fremde Länder verschwenden. Aber dafür werden diese hoffentlich auch noch mal belangt.
Alleiniger Eigentümer der Talanx AG ist der HDI-Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Somit die Versicherungsnehmer... Was wäre denn wenn der Talanx-Konzern dem Schuldenschnitt zustimmern würde, die Renten- und Lebensversicherungen würden an Rendite verlieren und somit wären wieder die Privatleute Leid tragendende. Wenn unsere Poltiker schon unser Geld zum Fenster rausschmeißen, muss ich sagen, dass ich es vernünftig finde, dass mal einer dagegen arbeitet. (Auch wenn ich Versicherer per se unsympatisch finde)
kein Ideologe 09.12.2011
5.
Zitat von by_the_wayWarum soll er wohl freiwillig auf etwas verzichten? Vielleicht weil nix mehr da ist? Und wieso eigentlich "er"? Spricht er nicht für die Talanx-Gruppe und vor allem für seine Aktionäre? Wäre dann nicht ein "wir" symphatischer?
es geht um Forderungsverzicht, und die Forderungen sind noch da. Wir wäre wirklich besser, aber andererseits ist so eine "politische" Entscheidung fällt letztlich der Vorstandschef. Der steht auch dafür gerade, er vergrätzt damit alle anderen privaten Gläubiger und die Politik. Schlimmstenfalls scheitert der Forderungsverzicht an ihm. Dann ist er "schuld" an allem was noch kommt, die Position ist nicht ungefährlich. Der Satz mit dem Geld anderer Leute hingegen ist feige. Ich weiß nicht recht, wie das zu bewerten ist. Oder will er nur seine 15 Minuten Ruhm?
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