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27. Januar 2011, 13:07 Uhr

Umstrittene Benotung

Rating-Riese will Bonität auch ohne Auftrag prüfen

Der öffentliche Druck auf die Rating-Agenturen zeigt Wirkung: Der Branchenriese Standard & Poor's will Bonitätsnoten künftig auch ohne Aufforderung vergeben - und damit die Rosinenpickerei der Auftraggeber beenden.

Frankfurt am Main - Seit langem stehen Rating-Agenturen unter scharfer Beobachtung der Aufsichtsbehörden - vor allem wegen bezahlter Auftragsratings. Nun zieht der Branchenriese Standard & Poor's die Konsequenz: Er will in Zukunft auch Unternehmen ohne Auftrag auf deren Bonität prüfen. "Wir betrachten das Thema unbeauftragte Ratings anders als in der Vergangenheit", sagte S&P-Deutschland-Chef Torsten Hinrichs dem "Handelsblatt". Das liege auch an dem Druck der Aufsichtsbehörden, räumte er ein.

Rating-Agenturen befinden sich in dem Dilemma, dass manche Unternehmen und Banken nur die Bonitätsprüfer beauftragen, die ihnen gute Noten geben. Dieses sogenannte Rating-Shopping wolle man begrenzen, sagte Hinrichs. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Kommission wollen etwas dagegen tun. "Meinungsvielfalt und Pluralität sind für die Aufsichtsbehörden und die Finanzmärkte wichtigere Güter als früher", sagte Hinrichs.

Japans Kreditwürdigkeit um eine Note gesenkt

Mitte Januar hatte S&P erstmals die Landesbanken WestLB und NordLB bewertet, obwohl diese die offiziellen Verträge mit der Rating-Agentur gekündigt hatten. Andere Unternehmen hatten in der Vergangenheit ebenfalls auf die Bewertung durch die umstrittenen Bonitätsfirmen verzichtet.

Die großen internationalen Rating-Agenturen S&P, Moody's und Fitch Ratings haben vor allem in der Finanzkrise an Ansehen verloren. Ihnen wird vorgeworfen, die Krise durch schlechte Bewertungen selbst ganzer Staaten verschärft zu haben - darunter Griechenland, Spanien und Portugal.

Am Donnerstag stufte S&P Japans Kreditwürdigkeit um eine Note herab - von AA auf AA- (siehe Erklärung in der Spalte links). Die Rating-Agentur erwartet in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg der japanischen Staatsverschuldung.

Keine flächendeckende Einführung

Flächendeckend wolle S&P die unbezahlten Ratings jedoch nicht einführen, betonte Hinrichs. "Wir können uns diese Art von Ratings natürlich auch nur in begrenztem Umfang leisten."

Ob S&P ein Unternehmen unbezahlt bewerte, könne unterschiedliche Gründe haben. Das könne zum einen mit dem Marktinteresse an dem Unternehmen zusammenhängen, oder aber auch damit, "dass wir eine deutlich abweichende analytische Meinung über das Unternehmen haben als unsere Mitbewerber", sagte Hinrichs.

yes/dpa-AFX

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