Umstrittener Ex-HSH-Chef Nonnenmacher gesteht kleine Fehler ein

Späte Erkenntnis des umstrittenen Ex-Chefs der HSH-Nordbank: Dirk Jens Nonnenmacher räumt in einem Interview ein, als Zahlenmensch politisch zu naiv gewesen zu sein. Die Verantwortung für verlustreiche Finanzgeschäfte will er aber nach wie vor nicht übernehmen.

Dirk Jens Nonnenmacher: "Ich war einfach zu naiv"
REUTERS

Dirk Jens Nonnenmacher: "Ich war einfach zu naiv"


Frankfurt am Main - Als Chef der umstrittenen HSH-Nordbank hatte Dirk Jens Nonnenmacher ständig für Schlagzeilen gesorgt - mal mit seinem Gehalt, mit der schlechten HSH-Bilanz oder der Spitzelaffäre. Sein Abgang als Manager Ende März dagegen verlief erstaunlich ruhig. Jetzt aber meldet sich Nonnenmacher in einem Interview wieder zurück - und räumte überraschend ein, als Bankchef Fehler gemacht zu haben. "Was politische Prozesse angeht, war ich einfach zu naiv", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Das Interview liest sich wie eine späte Erkenntnis des promovierten Mathematikers, der mit den Machtspielchen in der Politik überfordert war. Heute wisse er, wer zwischen die Mühlsteine der Politik gerate, habe kaum eine Chance, sich zu befreien, sagte er. "Ich hatte damals keine Erfahrung im Umgang mit Politikern und Medien. Ich dachte, dass man sich auch in dieser Welt auf Basis von Fakten unterhält", sagte Nonnenmacher.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Nonnenmacher wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs bei umstrittenen HSH-Finanzgeschäften hält der Ex-Manager jedoch für ungerechtfertigt: "Ich habe mir diesbezüglich nichts vorzuwerfen, und alle vorliegenden Gutachten namhafter Sozietäten bestätigen das auch", sagte er.

Auftrag bei der HSH erledigt

Nonnenmacher sieht seinen Auftrag bei der HSH als erledigt an. "Die HSH ist jetzt wieder ein normales Kreditinstitut." Die Bank schreibe wieder schwarze Zahlen. Schließlich seien die Zeiten, als er den Vorstand übernahm, sehr schwierig gewesen. "Als ich hier Ende 2008 das Ruder übernommen habe, stand die Bank auf der Klippe, wir blickten in den Abgrund", sagte der Ex-Vorstandschef. Dass er dabei nicht immer als Sympathieträger erschien und sich nicht nur Freunde gemacht habe, das erkläre sich von selbst.

Als letztendlich die Landesregierungen in Hamburg und Schleswig-Holstein einen Wechsel im Vorstand der HSH Nordbank verlangten, da seien sein Mentor Hilmar Kopper und er sich eigentlich schnell einig gewesen. "Wenn 85 Prozent der Aktionäre einen Wechsel an der Bankspitze wünschen, muss man die Zusammenarbeit zum Wohle des Instituts beenden", sagte Nonnenmacher. Dass die Trennung nicht still und leise vonstattenging, "das sollte politisch leider nicht so sein".

yes/dapd



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Seite 1
frubi 19.04.2011
1. .
Zitat von sysopSpäte*Erkenntnis*des umstrittenen Ex-Chefs der HSH-Nordbank: Dirk Jens Nonnenmacher räumt in einem Interview ein, als Zahlenmensch politisch zu naiv gewesen zu sein.*Die*Verantwortung für verlustreiche Finanzgeschäfte*will er*aber*nach wie vor nicht übernehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757939,00.html
Keine Fehler gemacht - aber diese Tatsache nicht richtig verkaufen können. Aha. So ist das also. Er war zu dämlich um richtig zu lügen? Das Argument, dass man diese Heinis gut bezahlen muss da sie ansonsten ins Ausland gehen, ist mitlerweile haltlos. Wer will solche Eliten noch im Land haben?
n.holgerson 19.04.2011
2. Ist ja lachhaft
Zitat von frubiKeine Fehler gemacht - aber diese Tatsache nicht richtig verkaufen können. Aha. So ist das also. Er war zu dämlich um richtig zu lügen? Das Argument, dass man diese Heinis gut bezahlen muss da sie ansonsten ins Ausland gehen, ist mitlerweile haltlos. Wer will solche Eliten noch im Land haben?
Ich finde es immer lustig, wenn sich Leute aufspielen und Leistungen beurteilen wollen, von denen sie absolut keine Ahnung haben.... Es ist doch immer die gleiche Verschwörungstheorie: Läuft der Laden schlecht, waren die an der Spitze schuld. Wenn es aber gut läuft, dann war es das Fußvolk... Und ist doch klar, jetzt nach bzw. noch in der Finanzkrise, kann der "Stammtisch" mal wieder richtig schön über jemanden herziehen.... Weil jetzt hat auch das einfachste Gemüt verstanden, dass mal was falsch gelaufen ist und damit hat man ein tolles "Totschlagargument" gegen alle Führungskräfte.... Ich rate Leuten wie ihnen, ein wenig mehr Urlaub zu machen. Gehen sie mal ein wenig ins Ausland und schauen sich da um. Sie werden staunen, wie gut Deutschland im Vergleich mit den meisten Ländern dasteht. Und unterhalten sie sich mal mit Arbeitern im Ausland und sie werden staunen, welche Erkenntnisse sie daraus ziehen werden... Insbesondere finde ich es besonders lustig (mal "Staatsbetrieben" ausgenommen), mit welcher Selbstverständlichkeit sich immer die Unbeteiligten aufspielen. Unternehmen gehören Eigentümer. Und diese bestimmen (zumindest indirekt), wen sie für welches Geld anstellen. Also, entweder ist man Eigentümer und hat das Recht mitzubestimmen oder man ist kein Eigentümer und sollte den Mund halten - weil es einem nichts angeht....
Gebetsmühle 19.04.2011
3. kleine fehler, kleine strafe
Zitat von sysopSpäte*Erkenntnis*des umstrittenen Ex-Chefs der HSH-Nordbank: Dirk Jens Nonnenmacher räumt in einem Interview ein, als Zahlenmensch politisch zu naiv gewesen zu sein.*Die*Verantwortung für verlustreiche Finanzgeschäfte*will er*aber*nach wie vor nicht übernehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757939,00.html
kleine fehler, die den steuerzahler milliarden gekostet haben. ich schlage eine angemessen kleine bestrafung vor: haftung mit vollem privatvermögen und 80 jahre haft ohne freigang.
stauner 19.04.2011
4. Stimmt
Zitat: "Und unterhalten sie sich mal mit Arbeitern im Ausland und sie werden staunen, welche Erkenntnisse sie daraus ziehen werden..." Stimmt genau. Ich habe die Erkenntniss gewonnen, dass mein Kollege aus Norwegen in den letzen 10 Jahren eine Lohnsteigerung von ca 20 Prozent hatte und ich unter dem Strich eine Minderung von 10 Prozent - während das Gehalt der Nonnenmachers und Co. um 150 bis 200 Prozent stieg. Das hat mich aber nicht wirklich erfreut, muss ich zugeben.
frubi 19.04.2011
5. .
Zitat von n.holgersonIch finde es immer lustig, wenn sich Leute aufspielen und Leistungen beurteilen wollen, von denen sie absolut keine Ahnung haben.... Es ist doch immer die gleiche Verschwörungstheorie: Läuft der Laden schlecht, waren die an der Spitze schuld. Wenn es aber gut läuft, dann war es das Fußvolk... Und ist doch klar, jetzt nach bzw. noch in der Finanzkrise, kann der "Stammtisch" mal wieder richtig schön über jemanden herziehen.... Weil jetzt hat auch das einfachste Gemüt verstanden, dass mal was falsch gelaufen ist und damit hat man ein tolles "Totschlagargument" gegen alle Führungskräfte.... Ich rate Leuten wie ihnen, ein wenig mehr Urlaub zu machen. Gehen sie mal ein wenig ins Ausland und schauen sich da um. Sie werden staunen, wie gut Deutschland im Vergleich mit den meisten Ländern dasteht. Und unterhalten sie sich mal mit Arbeitern im Ausland und sie werden staunen, welche Erkenntnisse sie daraus ziehen werden... Insbesondere finde ich es besonders lustig (mal "Staatsbetrieben" ausgenommen), mit welcher Selbstverständlichkeit sich immer die Unbeteiligten aufspielen. Unternehmen gehören Eigentümer. Und diese bestimmen (zumindest indirekt), wen sie für welches Geld anstellen. Also, entweder ist man Eigentümer und hat das Recht mitzubestimmen oder man ist kein Eigentümer und sollte den Mund halten - weil es einem nichts angeht....
Sie wollen mir den Mund verbieten? Ich verstehe schon. Leute mit ihren Ansichten wollten schon immer das Meinungsmonopol für sich. Mein Vater ist seit nunmehr 30 Jahren Unternehmer und hat mich früh in seine Arbeitsweise eingeweiht. Von der Wirtschaft und wirtschaftlichen Regeln verstehe ich schon etwas. Zugegeben, von der Finanzwirtschaft verstehe ich nicht viel aber eines weis ich mit Sicherheit: das so viele Menschen eine Krise nicht kommen sahen und so viele Amtsträger auf einen Schlag die selben Fehler gemacht haben, kann kein Zufall sein. Ach ja. Habe ich fast vergessen. Wollen Sie etwa jemanden wie Herrn Nonnenmacher verteidigen, der anderen Menschen üble Gerüchte anhängt? Für mich gibt es keinen Grund wieso man diesen Herrn verteidigen sollte. Ihre Geisteshaltung haben Sie dadurch eindeutig kenntlich gemacht. Danke dafür.
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