Umstrittenes Verhütungsmittel Klagewelle drückt Bayers Gewinn

Die Verhütungsmittel Yaz und Yasmin werden für Bayer zur Belastung. 2700 Menschen haben den Konzern auf Schadensersatz verklagt, weil die Mittel möglicherweise das Thrombose-Risiko erhöhen. Die Rechtsstreits sind ein Grund dafür, dass der Konzerngewinn im zweiten Quartal zurückgegangen ist.

Bayer-Zentrale: Ärger mit umstrittenen Verhütungsmitteln
DPA

Bayer-Zentrale: Ärger mit umstrittenen Verhütungsmitteln


Frankfurt am Main - Der juristische Ärger für Bayer verschärft sich: Der Konzern sieht sich in den USA mit einer Klagewelle im Zusammenhang mit seinen Verhütungsmitteln Yaz und Yasmin konfrontiert.

Die Zahl der Klagen liege inzwischen bei 2700, teilte der Pharma- und Chemiekonzern am Donnerstag in seinem Zwischenbericht zum zweiten Quartal mit. Im April waren es noch 1750 Klagen gewesen. In den USA ist seit einiger Zeit eine Diskussion über ein möglicherweise erhöhtes Thrombose-Risiko bei diesen Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon im Gange.

Die Klagewelle wird für den Konzern allmählich zur finanziellen Belastung. Sie ist ein Grund dafür, dass der Umsatz mit der Produktfamilie, zu der noch das Verhütungsmittel Yasminelle gehört, im zweiten Quartal um 11,1 Prozent auf 289 Millionen Euro zurückging. Mit dem Krebsmittel Nexavar erzielte Bayer dagegen einen Umsatzzuwachs von 26,5 Prozent auf 186 Millionen Euro im Quartal .

Dank eines Schubs im Kunststoffgeschäft legte Bayers Umsatz von April bis Juni um 14,6 Prozent auf 9,17 Milliarden Euro zu. Der Gewinn ging hingegen wegen schärferer Konkurrenz im Pharmageschäft, einem schwierigen Agrochemiegeschäft und 255 Millionen Euro Sonderlasten für Rechtsfälle und Abschreibungen um 1,3 Prozent auf 525 Millionen Euro zurück.

Trotz der überraschenden Gewinnrückgangs hat Bayer die Konzernprognosen für 2010 bekräftigt. Die deutliche Erholung im Kunststoffgeschäft kompensiere die unter den Erwartungen liegende Entwicklung in der Agrarchemie und im Gesundheitsgeschäft, teilte der Konzern am Donnerstag in Leverkusen mit. "Wir bleiben für das Jahr 2010 zuversichtlich", sagte Konzernchef Werner Wenning.

Für 2010 rechnet er im Konzern mit einem währungs- und portfoliobereinigten Umsatzplus von mehr als fünf Prozent. Auch die Umsatz- und Ergebnisprognosen bis 2012 bekräftigte der scheidende Konzernchef Wenning, der am 1. Oktober von mit Marijn Dekkers abgelöst wird.

ssu/dpa-AFX/Reuters



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