Unrentable Kraftwerke Umweltbundesamt warnt Stromriesen vor Panikmache

"Es besteht keine Gefahr, dass in Deutschland die Lichter ausgehen": Das Umweltbundesamt hat Warnungen der Strombetreiber zurückgewiesen. Diese hatten mit Abschaltungen konventioneller Kraftwerke gedroht. Auch die Rufe nach einer Reform der Öko-Umlage seien sinnlos.

Strommasten: Stromkonzerne klagen über Verluste mit Gas- und Kohlekraftwerken
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Strommasten: Stromkonzerne klagen über Verluste mit Gas- und Kohlekraftwerken


Osnabrück - Das Umweltbundesamt hat die Energieunternehmen vor Panikmache gewarnt. Hintergrund sind Klagen der Firmen über sinkende Einnahmen aus dem Stromgeschäft. In den vergangenen Tagen verschärften Vertreter der Branche ihre Drohungen, konventionelle Kraftwerke abzuschalten. "Es sind genügend Kraftwerkskapazitäten vorhanden, und wegen des europäischen Netzverbunds können auch andere einspringen, um die Lücke zu füllen", sagte der Abteilungsleiter Energie, Klaus Müschen, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Es besteht also keine Gefahr, dass in Deutschland die Lichter ausgehen."

Seit Monaten klagen Stromkonzerne über Verluste mit Gas- und Kohlekraftwerken und kündigen Schließungen an. Der RWE-Chef Peter Terium sagte, ersehe 30 bis 40 Prozent der RWE-Kraftwerke in den nächsten Jahren "im roten Bereich". "Wenn sich hier nichts ändert, wird es gefährlich", sagte er dem manager magazin. "Wir befinden uns in der größten Branchenkrise aller Zeiten."

Der Hintergrund: Die Börsenstrompreise sind durch den Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich gesunken. Durch die verstärkte Ökostromproduktion herrscht in den Stromleitungen oft ein Überangebot. Das drückt die Preise. Zusätzlich müssen die Energieversorger die Produktion ihrer Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke drosseln, da Ökostrom in den Netzen Vorfahrt hat. Unterm Strich heißt das: Die Konzerne verkaufen weniger Strom, und mit dem verkauften Strom nehmen sie weniger ein.

Die Drohungen der Energieriesen haben einen politischen Hintergrund. Die Versorger wollen für ihre immer unrentableren Kraftwerke staatliche Kompensationen herauspressen - und erhöhen nun kurz vor der Bundestagswahl den Druck. Die Botschaft lautet: Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, ist die Versorgungssicherheit gefährdet.

Das Umweltbundesamt empfiehlt den Betreibern dagegen, den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben. "Die Unternehmen sollten nicht tatenlos auf die Ergebnisse der Bundestagswahl warten. Die Förderung wird nach dem 22. September vermutlich modifiziert, grundsätzlich wird sie aber weiterlaufen", sagte Müschen.

cte/dpa-AFX



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burghard42 19.07.2013
1. Warum
Zitat von sysopDPA"Es besteht keine Gefahr, dass in Deutschland die Lichter ausgehen": Das Umweltbundesamt hat Warnungen der Strombetreiber zurückgewiesen. Diese hatten mit Abschaltungen konventioneller Kraftwerke gedroht. Auch die Rufe nach einer Reform der Öko-Umlage seien sinnlos. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/umweltbundesamt-warnt-stromriesen-vor-panikmache-a-911971.html
sollten in Deutschland die Lichter ausgehen ? Es reichen doch örtliche Stromausfälle um den Computer,den Kühlschrank,die Einkaufspassage usw. zeitlich still zu legen. In einem anderen Bundesland passiert das eben nicht zu gleicher Zeit, aber auszuschließen wäre dies nicht. Ernsthaft: natürlich wird es weiterhin örtlich Stromausfälle geben,warum auch immer. Nur wird halt das Betreiben und Steuern des Stromnetzes immer komplizierter wegen der schwankenden Einspeisung der EE ,insbesondere der WKA
TrustBra 19.07.2013
2. Wie inkompetent ist denn das UBA ?
" Es sind genügend Kraftwerkskapazitäten vorhanden, und wegen des europäischen Netzverbunds können auch andere einspringen, um die Lücke zu füllen", sagte der Abteilungsleiter Energie, Klaus Müschen" des UBA. Vielleicht sollte er sich mal von der BnetzA die derzeitige Kapzitätsplanungen erkläeren lass und die Medien von heute lesen, in denen gefeiert wird, dass ein Teil der sogenannten Thüringer Strombrücke weitergebaut werden darf damit 2015 nicht das Netz in Bayern zusammenbricht. Was er offenbar nicht weiss, dagegen die BNetzA schon, ist dass mit Abschalten des KKW Grafenrheinfeld in Bayern ca 1.3 GW Grundlastkapazität fehlen wofür es auch keine ausreichenden Ersatzkraftwerke weder in Bayern noch im benachbarten Ausland gibt. Ohne die Thüringer Brücke die sicher nicht bis 2015 fertig wird, gibt es nach dem letzten Monitoring der bayerischen Stromversorgung durch die schweizer Prognos drei Alternativen für 2015: a) Stromsperren für die Industrie b) Stromsperren für Privathaushalte c ) 5 Worte im Atomgesetz ämdern, das die Abschaltung jedes einzelnen KKW regelt. Für den Noramlverbraucher in Bayern, der sich von solchen grünen UBA-Funktionären für dumm verkauft fühlt, gibt es dafür zwei Handlungsempfehlungen: 1) Notstromaggregat im Baumarkt kaufen 2) Bei der Wahl eine Partei mit einer Alternative für Deutschland wählen.
u.loose 19.07.2013
3. Umweltbundesamt?
Also die greenpeace Außenstelle warnt? Lächerlicher geht es kaum noch... Aber was will man von Philosophen und Kinderbuchautoren auch anderes erwarten? Wirtschaftlichen Sachverstand sicher nicht...
Memorabilis! 19.07.2013
4. Es werden Lösungen gesucht und nicht Schuldzuweisungen.
Hört auf mit Unterstellungen! Schaut die Fakten und die Folgen, dann sind die Maßnahmen klar. 1. Konventionelle Kraftwerke können im aktuellen Marktmodell des "energy only" nicht wirtschaftlich betrieben werden. Daher wollen die Konzerne und auch kommunale Kraftwerksbetreiber ihre unrentablen Kraftwerke stilllegen. 2. Solche Kraftwerke braucht man jedoch auch weiterhin. Wind und Sonne liefern nicht immer Strom. 3. Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass die benötigten Kraftwerke vom Markt bezahlt werden. Eine Reform des Marktmodells ist nötig. 4. Der Ausbau der Erneuerbaren löst dieses Problem nicht; er verschärft es nur noch. Entweder wurde im Artikel das Umweltbundesamt versehentlich falsch zitiert oder es fehlt der Sachverstand. Das Wirtschaftsministerium sieht dies übrigens genauso.
tempus fugit 19.07.2013
5. Der grossflächige Stromausfall....
Zitat von burghard42sollten in Deutschland die Lichter ausgehen ? Es reichen doch örtliche Stromausfälle um den Computer,den Kühlschrank,die Einkaufspassage usw. zeitlich still zu legen. In einem anderen Bundesland passiert das eben nicht zu gleicher Zeit, aber auszuschließen wäre dies nicht. Ernsthaft: natürlich wird es weiterhin örtlich Stromausfälle geben,warum auch immer. Nur wird halt das Betreiben und Steuern des Stromnetzes immer komplizierter wegen der schwankenden Einspeisung der EE ,insbesondere der WKA
...in München vor paar Monaten, war der auch der 'schwankenden Einspeisung der EE, insbesondere der WKA' zu verdanken? Auch hier versuchten die EVU-ler anfänglich, sowas zu konstruieren. Ging mal - wieder ... - in die Hose. Genauso wie der europaweite Stromausfall 2006 - bis Marokko - auch da hat unsere Hl. Petra richtiggehend die Windmühle gedreht, um wenigstens teilweise die schlimmen WKA ins Spiel zu bringen. Schlussendlich waren's dann halt doch nur Techniker im Leitstand, die gepennt hatten...
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