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Umweltschäden durch Shell, ENI und Co. Nigerianische Kommission fordert zwölf Milliarden Dollar von internationaler Gemeinschaft

Der nigerianische Bundesstaat Bayelsa leidet unter den Folgen der Ölförderung und macht westlichen Konzernen schwere Vorwürfe. Für den Kampf dagegen verlangt er viel Geld.
Ölverschmutzter Bach in Nigeria: »Konzertierte Aktion« gefordert

Ölverschmutzter Bach in Nigeria: »Konzertierte Aktion« gefordert

Foto: Marten Van Dijl / ANP / EPA / dpa

Die westlichen Ölmultis profitierten jahrzehntelang von der Ölförderung in Nigeria, immer wieder gerieten sie wegen verheerender Umweltverschmutzungen in die Kritik. Nun fordert die Umweltkommission des nigerianischen Bundesstaats Bayelsa mindestens zwölf Milliarden Dollar, umgerechnet elf Milliarden Euro, um die jahrzehntelange Verschmutzung der Region durch die Ölförderung zu beheben.

Laut einem Bericht der Kommission vom Dienstag  seien allein die beiden Großkonzerne Shell und Eni für drei Viertel der Verschmutzung verantwortlich. Insgesamt seien 47 Ölfirmen in Bayelsa tätig, heißt es. Der Bundesstaat an der Atlantikküste im Süden Nigerias ist wie das gesamte Nigerdelta ein Zentrum für die Ölproduktion des Landes.

Das in Bayelsa geförderte Öl bringt der nigerianischen Regierung laut dem Bericht jährlich umgerechnet mehr als neun Milliarden Euro ein. Für die Beseitigung der Umwelt- und Gesundheitsschäden appelliert die Kommission an die internationale Gemeinschaft. Diese solle in einer »konzertierten Aktion« das benötigte Geld über die kommenden zwölf Jahre sammeln. Die Untersuchungen für den Bericht der Kommission dauerten insgesamt vier Jahre.

Lebenserwartung in Bayelsa im Schnitt bei lediglich rund 50 Jahren

Die bisherigen Schadensersatzzahlungen bewegten sich deutlich unter der nun aufgerufenen Forderung. So hatte sich Shell 2015 bereit erklärt, rund 70 Millionen Euro an 15.600 Fischer und Bauern aus dem Niger-Delta zu zahlen, deren Existenzgrundlage bei zwei Ölkatastrophen im Jahr 2008 vernichtet wurde. Im Jahr 2021 sagte der Konzern für zwei Öllecks in den Siebzigerjahren 95 Millionen Euro zu.

Der nun vorgelegte Bericht skizziert weitere schwerwiegende Folgen – sowohl für die Anwohner als auch für das Ökosystem der Region. So seien Hunderttausende Menschen in Bayelsa gezwungen, auf verseuchtem Boden zu leben. An einigen Orten seien Schadstoffe aus der Ölproduktion wie Chrom im Grundwasser nachgewiesen worden, die die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um mehr als das Tausendfache überträfen. Die Konzentrationen anderer Verbindungen, etwa der in Rohöl enthaltenen Kohlenwasserstoffe, übersteige stellenweise die sicheren Werte sogar um das Millionenfache.

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Die Kommission spricht in ihrem Bericht von einer »stillen Gesundheitskrise«, die bisher kaum Beachtung finde. Allein 2012 seien rund 16.000 Säuglinge kurz nach ihrer Geburt an den Folgen der Ölverschmutzung gestorben. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Bayelsa liege bei lediglich rund 50 Jahren.

apr/dpa

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