Italienische Großbank Unicredit streicht 8000 Stellen

Aktionäre sind wohl wichtiger als Mitarbeiter: Die italienische Großbank Unicredit hat angekündigt, jede zehnte Stelle zu streichen. Im Gegenzug sollen die Ausschüttungen an Aktionäre steigen.

Das Hochhaus "Torre Unicredit" ist der Hauptsitz der italienischen Großbank Unicredit in Mailand
Daniel Kalker/ picture alliance

Das Hochhaus "Torre Unicredit" ist der Hauptsitz der italienischen Großbank Unicredit in Mailand


Die italienische Großbank Unicredit muss erheblich sparen - und wird deshalb die Belegschaft erheblich verkleinern. Bis zum Jahr 2023 will der Konzern 8000 Stellen abbauen und so die Kosten um eine Milliarde Euro senken. Das kündigte Vorstandschef Jean Pierre Mustier an. Wie viele Jobs bei der deutschen Tochtergesellschaft HypoVereinsbank (HVB) wegfallen, steht noch nicht fest.

Die Anleger sollen von dem Sparkurs profitieren: Unicredit stellte eine höhere Dividende und einen zwei Milliarden Euro schweren Aktienrückkauf in Aussicht. An der Börse kam das gut an: Unicredit-Aktien legten im frühen Handel gut ein Prozent zu. Auch bei Branchenexperten stößt das Vorhaben auf Zustimmung. Die geplanten Einsparungen seien höher als erwartet, schrieb Analyst Benjie Creelan-Sandford von der Bank Jefferies.

Strukturwandel in der Bankenbranche

In Westeuropa will Unicredit 500 Geschäftsstellen schließen, wie der seit Mitte 2016 amtierende Vorstandschef ankündigte. Unklar blieb zunächst, wie viele der 8000 Arbeitsplätze in den einzelnen Regionen wegfallen. In Deutschland sollen die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern bald beginnen, wie ein Sprecher sagte. Auf die HVB entfielen zum Halbjahr rund 12.000 der konzernweit gut 80.000 Stellen.

Der Gewinn soll in den nächsten vier Jahren laut dem neuen Strategieplan mit dem Namen "Team 23" auf fünf Milliarden Euro steigen. Für dieses Jahr wird bereits ein Überschuss von 4,7 Milliarden Euro erwartet. Wachsen will Unicredit vor allem aus eigener Kraft. "Es wird keine großen Fusionen und Übernahmen geben, das steht fest", sagte Mustier in einer Telefonkonferenz. Lediglich kleinere, ergänzende Zukäufe in Zentral- und Osteuropa seien möglich. Unicredit wurde in der Vergangenheit Interesse unter anderem an der Commerzbank nachgesagt.


Anmerkung: In einer früheren Version des Texts hieß es, der Vorstandschef von Unicredit habe weitere kleine Verkäufe angekündigt. Diese Aussage ist laut Unicredit nicht gefallen. Wir haben den Satz deshalb aus dem Text entfernt.

beb/dpa/Reuters

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
malu501 03.12.2019
1. Ein Unternehmen,
welches aktuell 4 Mrd. Gewinn macht, muss 1 Mrd. sparen und daher 8000 Menschen entlassen? Wenn es eines Beweises für den unglaublichen Zynismus und die Gier in dieser Branche bedurfte, hier ist er!
capote 03.12.2019
2.
Zitat von malu501welches aktuell 4 Mrd. Gewinn macht, muss 1 Mrd. sparen und daher 8000 Menschen entlassen? Wenn es eines Beweises für den unglaublichen Zynismus und die Gier in dieser Branche bedurfte, hier ist er!
Das ist weder Gier noch Zynismus, alles, was die 8000 machen, kostet nur Geld, erwirtschaften tun die gar nichts. Die UNICREDIT ist doch kein Sozialamt. Mit der Nullzinspolitik ist das Retailgeschäft defizitär geworden und wird dementsprechend zusammengestrichen, das ist nicht gut, aber richtig so. Wenn etwas nicht mehr rentiert, muss man damit aufhören.
haitabu 03.12.2019
3.
Als Kunde der HypoVereinsbank macht man sich langsam aber sicher Gedanken ob man bei dieser Unternehmen weiterhin sein Konto unterhalten möchte. Die Filialdichte wird immer weiter ausgedünnt, die Kassenstunden bzw. die Erreichbarkeit von Memschen in diesen Filialen immer weiter eingeschränkt. Service geht anders. Ein weiterer Personalabbau sowie die Schließung weiterer Filialen mag wohl kurzfristig der Erhöhung des Unternehmensgewinns zur Folge haben, aber letztlich stellt sich der Kunde die Frage ob man mit einem Unternehmen, das in dieser Art und Weise mit seinen Mitarbeitern umgeht, noch Geschäfte machen möchte. Was hier vorgeführt wird, zeugt von Gier und Verachtung.
capote 03.12.2019
4.
Zitat von haitabuAls Kunde der HypoVereinsbank macht man sich langsam aber sicher Gedanken ob man bei dieser Unternehmen weiterhin sein Konto unterhalten möchte. Die Filialdichte wird immer weiter ausgedünnt, die Kassenstunden bzw. die Erreichbarkeit von Memschen in diesen Filialen immer weiter eingeschränkt. Service geht anders. Ein weiterer Personalabbau sowie die Schließung weiterer Filialen mag wohl kurzfristig der Erhöhung des Unternehmensgewinns zur Folge haben, aber letztlich stellt sich der Kunde die Frage ob man mit einem Unternehmen, das in dieser Art und Weise mit seinen Mitarbeitern umgeht, noch Geschäfte machen möchte. Was hier vorgeführt wird, zeugt von Gier und Verachtung.
Was bringen Ihre Besuche in einer Filiale der Bank? NICHTs ! Also dichtmachen! Ich habe anlässlich meiner Verrentung das erste Mal nach 25 Jahren 1/2 Stunde ein Gespräch mit einem Kundenbetreuer gehabt, weil es Diverses zu regeln gab, es ging um einen Betrag von knapp einer halben Million und nicht um ein Schwätzchen über das Wetter. Wenn Sie einem Arzt die Zeit stehlen mit Geschwätz, kann der das wenigstens bei der Krankenkasse abrechnen. Die Tante-Emma-Läden sind ja auch verschwunden, weil sich das nicht mehr rechnet und die Bankfilialen verschwinden eben jetzt. Wenn Sie für jede Minute, die Sie mit einem Bankmitarbeiter reden, 1,- € bezahlen müssten, brauchten Sie die Filialen ganz plötzlich auch nicht mehr.
kael 03.12.2019
5. Steuerzahler als Sozialamt der Banken
Zitat von capoteDas ist weder Gier noch Zynismus, alles, was die 8000 machen, kostet nur Geld, erwirtschaften tun die gar nichts. Die UNICREDIT ist doch kein Sozialamt. Mit der Nullzinspolitik ist das Retailgeschäft defizitär geworden und wird dementsprechend zusammengestrichen, das ist nicht gut, aber richtig so. Wenn etwas nicht mehr rentiert, muss man damit aufhören.
Das ist wohl richtig. Keine Bank versteht sich als Sozialamt. Aber umgekehrt wird ein Schuh draus. Denn die Banken scheuen sich ihrerseits nicht, Gier und Missmanagement am Ende vom "Sozialamt Steuerzahler" bezahlen zu lassen.
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