Gutachten stärkt Altaktionäre UniCredit droht Millionenforderung

Italiens Großbank UniCredit drohen womöglich fast eine halbe Milliarde Euro Nachzahlungen. Ein Gutachten mit belastendem Material befeuert den Rechtsstreit mit Altaktionären von HVB und Bank Austria.
UniCredit-Zentrale in Mailand

UniCredit-Zentrale in Mailand

Foto: © Stefano Rellandini / Reuters/ Reuters

In diesen Wochen hat die größte Bank Italiens schon eine Menge Scherereien. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) drängt darauf, dass UniCredit ihre faulen Kredite abbaut. Zugleich fressen Nullzinsen und Italiens wirtschaftliche Malaise an den Gewinnen. Gerade hat UniCredit die Aktionäre auch noch für eine rekordverdächtige Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro zur Kasse gebeten.

Was eine Bank in so einer Lage nicht braucht, sind neue Lasten in Millionenhöhe. Genau das aber könnte UniCredit bald drohen. Seit fast zehn Jahren schlägt sich die größte Bank Italiens mit Altaktionären ihrer Töchter Bank Austria (BA) und HypoVereinsbank (HVB) herum. Sie werfen UniCredit vor, die Minderheitsaktionäre im Zuge der Übernahme der beiden Institute um Hunderte Millionen Euro geprellt zu haben. In einer wahren Klage- und Gutachterschlacht konnte der Streit bisher nicht beigelegt werden.

Jetzt könnte es eng werden für die Italiener: Ein Gutachter der Staatsanwaltschaft Wien, die einige Jahre in der Sache gegen UniCredit ermittelte, hat festgestellt, dass der Konzern und seine Berater bei der Berechnung der Abfindung offenbar tatsächlich einen Posten von 3,6 Milliarden Euro unter den Tisch fallen ließen.

Das betrifft zunächst ehemalige Aktionäre der Bank Austria, aber auch der Münchner HVB, zu der die Bank Austria einst mehrheitlich gehörte. In dem maßgeblichen, von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte für UniCredit erstellten Bewertungsgutachten - so der Experte der Staatsanwaltschaft - hätten die milliardenhohen Einnahmen nicht ausfindig gemacht werden können, die der Bank Austria aus dem Verkauf ihrer polnischen Tochterbank BPH zugeflossen sind.

Zwar deutet der Gutachter der Staatsanwaltschaft an, es könne gute Gründe für diese Art der Berechnung geben. UniCredit weist denn auch die Darstellung der Altaktionäre zurück, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage.

Wendepunkt im Rechtsstreit

Doch Vertreter der Minderheitsaktionäre sehen aufgrund der Analyse einen Wendepunkt in dem langen Rechtsstreit. "Die Einschätzung der Staatsanwaltschaft ist unmissverständlich", sagt der Berliner Anwalt Martin Weimann, der ehemalige Aktionäre von HVB und Bank Austria mit etwa 440.000 Aktien vertritt. Weimann hat beantragt, dass die Analyse der Staatsanwaltschaft in jene Gerichtsverfahren in München und Wien einbezogen werden, in denen noch immer um die Höhe der Abfindungen gestritten wird.

Käme er mit seinen Forderungen durch, würde es für UniCredit teuer. Rechnet man den von der Staatsanwaltschaft ermittelten Mehrwert von 3,6 Milliarden Euro auf die Minderheitsaktionäre der BA und der HVB herunter, könnten auf UniCredit fast eine halbe Milliarde Euro Mehrkosten zukommen, kalkuliert Weimann. Er und andere Aktionärsvertreter machen darüber hinaus weitere Bewertungsaufschläge geltend.

Vorwürfe auch gegen Freshfields-Staranwalt Horvath

Auch Anwälten der Kanzlei Freshfields, die UniCredit in dem Streit vertreten, steht nun womöglich Ärger ins Haus. Sie hatten stets erklärt, das Gutachten von Deloitte habe die 3,6 Milliarden Euro aus dem Verkauf der BPH korrekt berücksichtigt. Aktionärsanwalt Weimann hat deshalb Anzeige wegen des Verdachts des schweren Prozessbetrugs erstattet. Er wirft unter anderem dem Freshfields-Anwalt Günther Horvath vor, er habe lange gewusst, dass das Gutachten von Deloitte den BPH-Verkaufserlös nicht berücksichtige.

Freshfields bekräftigte, dass die Milliarden korrekt berücksichtigt worden seien und erklärte, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Es treffe auch nicht zu, dass "der Sachverständige der Staatsanwaltschaft die Behauptung der Nichtberücksichtigung bestätigt". Vielmehr sei im staatlichen Preisüberprüfungsverfahren von den Sachverständigen des BDO Wien das Gegenteil festgestellt worden.

Allerdings kritisiert der Gutachter der Staatsanwaltschaft, auch bei dem BDO-Gutachten fehlten Hinweise auf die konkrete Berücksichtigung der 3,6 Milliarden Euro.

Der Wiener Horvath ist in der Anwaltsszene ein Star und seit vielen Jahren enger Berater der Porsche-Familie. Ob Ermittlungen gegen ihn aufgenommen werden, liegt nun ebenfalls in den Händen der Staatsanwaltschaft Wien.

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