Strategieschwenk für Energiekonzern Betriebsrat von Uniper stellt sich hinter Teilrückzug aus Russland

Die Kehrtwende des Energiekonzerns Uniper findet Rückhalt auf Arbeitnehmerseite. Künftig solle der Fokus auf flüssiges Erdgas gelegt werden, notfalls kurzfristig auch auf eine längere Kohleversorgung.
Länger am Netz? Unipers Kohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen

Länger am Netz? Unipers Kohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen

Foto: Thilo Schmuelgen/ REUTERS

Die Arbeitnehmervertreter des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper stellen sich hinter den Teilrückzug des Konzerns aus Russland. »Das sind klare Aussagen zum Russlandgeschäft. Wir müssen unser Geschäft auf neue Beine stellen«, sagte Konzernbetriebsratschef Harald Seegatz. Versorgungssicherheit müsse an oberster Stelle stehen.

Uniper hatte am späten Montagabend die Invasion Russlands in die Ukraine verurteilt und angekündigt, in Russland keine Neuinvestitionen mehr zu tätigen und auch keine langfristigen Gas-Lieferverträge mehr abzuschließen. Der Verkaufsprozess für die russische Kraftwerkstochter Unipro werde vorerst gestoppt, solle aber möglichst schnell wieder aufgenommen werden.

Das Unternehmen ist ein Kunde des russischen Gaskonzerns Gazprom und darüber hinaus Finanzpartner der als gescheitert anzusehenden Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2. Das Darlehen muss Uniper abschreiben.

Seegatz sprach sich dafür aus, das Geschäft mit verflüssigtem Erdgas (LNG) voranzutreiben, um von russischen Erdgaslieferungen unabhängiger zu werden. »Wir brauchen Gas zur Wintersaison. Wir hoffen, dass ein Terminal vielleicht schon zum Winter 2023/24 zur Verfügung steht.« Dafür brauche der Konzern schnelle Genehmigungsprozesse und die Unterstützung der Bundesregierung.

Uniper prüft den Bau eines Terminals in Wilhelmshaven. Andere Unternehmen haben Brunsbüttel und Stade im Blick, Investitionsentscheidungen gibt es bislang keine.

Kohlekraftwerke sollten womöglich Vorfahrt bekommen

Für die Sicherung der Versorgung im kommenden Winter könnten nach Einschätzung von Seegatz Kohlekraftwerke Vorfahrt bekommen. Je ein Drittel des Gasverbrauchs in Deutschland würde zum Heizen, von der Industrie und zum Betrieb von Kraftwerken genutzt. Heizungen könnten nicht abgedreht werden und auch die Industrie müsse weiter laufen.

»Sollte die Gasversorgung im nächsten Winter knapp werden, könnten die Gaskraftwerke zurückgefahren werden und die Kohlekraftwerke länger laufen.« Das wäre das einzige, was schnell helfe. »Natürlich wäre das eine Belastung für die Umwelt, aber jetzt geht es zunächst mal um die Versorgungssicherheit.«

Uniper hatte mitgeteilt, eine Verlängerung der Kohleverstromung an den deutschen Kraftwerken Staudinger, Heyden, Scholven und Wilhelmshaven zu prüfen.

kig/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.