Führungschaos bei Stromproduzenten Verbliebene Vorstände verlassen Uniper

"Provokantes und widersprüchliches Verhalten": Beim Stromproduzenten Uniper geben auch die verbleibenden Mitglieder des Vorstands ihre Posten auf. Grund ist der Streit mit Großaktionär Fortum.

Einst waren es vier Vorstände: Klaus Schäfer (2.von links), früherer Vorstandsvorsitzender von Uniper, Christopher Delbrück (links), Eckhardt Rümmler und Keith Martin (rechts).
Rolf Vennenbernd/ DPA

Einst waren es vier Vorstände: Klaus Schäfer (2.von links), früherer Vorstandsvorsitzender von Uniper, Christopher Delbrück (links), Eckhardt Rümmler und Keith Martin (rechts).


Beim Energiekonzern Uniper gehen zwei weitere weitere Vorstände. Chief Operating Officer Eckhardt Rümmler und Chief Commercial Officer Keith Martin verlassen das MDax-Unternehmen zum 30. November. Anfang Februar hatte sich Uniper bereits von Vorstandschef Klaus Schäfer und Finanzvorstand Christopher Delbrück getrennt. Damit haben jetzt alle Mitglieder des bisherigen Vorstands ihren Rücktritt angekündigt.

Rümmler und Martin reagieren damit - wie schon Schäfer und Delbrück - auf den Streit mit Großaktionär Fortum, der inzwischen 49,99 Prozent der Aktien hält. Dazu passt die Aussage von Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg zum Abgang von Rümmler und Martin: Angesichts des "unmissverständlich zum Ausdruck gebrachten Misstrauens unseres Großaktionärs Fortum gegenüber dem gesamten Uniper-Vorstand" könne er den Schritt nachvollziehen. "Auf dieser Grundlage ist es Eckhardt Rümmler und Keith Martin schlichtweg unmöglich fortzufahren."

Beide Vorstände hatten zuletzt versucht, in Kooperationsgesprächen mit dem finnischen Großaktionär Lösungen zu finden. Trotzdem war bei der Uniper-Hauptversammlung am Mittwoch auf Antrag von Fortum die Entlastung des Vorstands für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 vertagt worden. Vorher hatte Reutersberg die Aktionäre aufgefordert, dies abzulehnen und abzustimmen.

Hintergrund des Fortum-Antrags ist der Verdacht, das Uniper-Management habe in Russland aktiv gegen den Deal mit Eon gearbeitet. Eine Komplettübernahme durch Fortum, wie zunächst von Investoren erhofft, ist derzeit nicht möglich - sie wird von einem Veto der russischen Kartellbehörden blockiert. Reutersberg warf Fortum "provokantes und widersprüchliches Verhalten" vor. Er forderte der Anteilseigner auf, "endlich konstruktiv über einen Weg nach vorne zu diskutieren, der für beide Unternehmen machbar ist."

Auch abseits der Personaldebatten sorgte Uniper in den vergangenen Monaten für Negativschlagzeilen. im Februar war das Unternehmen von der Bundesnetzagentur wegen Manipulationen auf dem Gasmarkt zu einem Bußgeld von 150.000 Euro verurteilt worden.

mfh/mmm/dpa/rtr



insgesamt 2 Beiträge
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NixAlsVerdruss 27.05.2019
1. Die finnische Heuschecke
Die Aufgabe von Fortum ist es, aus den Beteiligungen so viel Geld herauszuziehen und nach Helsinki zu transferrieren, wie irgend möglich und die verbleibende, zum Teil druch unterlassene Wartung geschwächte, Resthülle wird anschließend meistbietend zu verhökern. Welcher Vorstand macht dieses gerne mit, zumal wen er den Betrieb mit aufgebaut hat.
neurather 27.05.2019
2. Das ganze Desaster....
... wäre dem Unternehmen erspart geblieben, wenn E.on seinen nach der Abspaltung verbliebenen Anteil wie angekündigt schrittweise verkauft hätte. Aber E.on hat lieber zu einem verhältnismäßig schlechten Preis auf einen Schlag an Fortum verkauft und damit absehbar die Eigenständigkeit von Uniper beendet. Nicht fanz fein, nicht ganz fair....
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