Ab-in-den-Urlaub.de Eltern von totem Unister-Gründer beschweren sich über Staatsanwalt

Nach dem tödlichen Absturz von Unister-Gründer Wagner misstrauen seine Eltern den Ermittlern. Nach SPIEGEL-Informationen fordern sie die Absetzung des Staatsanwalts.

Thomas Wagner
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Thomas Wagner


Die Eltern des verstorbenen Unister-Gründers Thomas Wagner haben sich bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden beschwert. Nach SPIEGEL-Informationen sind sie "entsetzt, schockiert und traurig", dass derselbe Staatsanwalt mit der Klärung der Umstände des Todes ihres Sohnes beauftragt sei, der zuvor gegen Manager des Internetunternehmens ermittelt hat. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 31/2016
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Wagner war am 14. Juli bei einem Kleinflugzeugabsturz ums Leben gekommen. Unister (ab-in-den-urlaub.de, fluege.de) wird unter anderem vorgeworfen, Versicherungssteuern nicht korrekt abgeführt zu haben. Wagners Eltern schreiben weiter in ihrem Brief, dass "die Ermittlungen, die Vorwürfe und die hetzerische Pressearbeit dazu geführt haben, dass das Unternehmen unseres Sohnes in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist". Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft spricht von einem Missverständnis.

Die Todesumstände untersuchten die Behörden in Slowenien - dort hatte sich der Absturz ereignet. Der Staatsanwalt, der zuvor gegen Unister ermittelte, sei nun lediglich in der Betrugssache tätig, in der Wagner der Geschädigte war. Die Vorwürfe der Eltern gegen den Staatsanwalt seien "durch die Trauer und den Schmerz" verständlich. Man sehe jedoch keinen Grund, den Staatsanwalt auszuwechseln: Das Gericht habe schließlich auch die erhobene Anklage zugelassen.

Wagner wurde offenbar Opfer eines Betrugs in Venedig, als er dort versuchte, von einem bisher unbekannten Mann einen Millionenkredit zu bekommen. Auf dem Rückflug stürzte das gecharterte Kleinflugzeug vom Typ Piper PA-32R ab, alle vier Insassen starben. Mehrere Unister-Unternehmen meldeten danach Insolvenz an. Nach SPIEGEL-Informationen belaufen sich die fälligen Verbindlichkeiten der Unister Holding auf 39,2 Millionen Euro. Gut 34 Millionen Euro davon entfallen allein auf einen Kredit der Versicherung Hanse Merkur.

Wagner wuchs in einer Plattenbausiedlung in Dessau auf, war Oberleutnant der Reserve und hat binnen weniger Jahre mit der Firma Unister eines der größten Internetimperien der Republik aufgebaut. Dabei hat er die Reisebranche komplett umgekrempelt und Tourismus-Riesen wie TUI, Thomas Cook oder FTI gezeigt, wie man online Reisen verkauft. Die Firma hatte zu Hochzeiten nach eigenen Angaben 1990 Mitarbeiter.

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Martin U. Müller

insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
lini71 29.07.2016
1. Die Eltern
haben einfach Unrecht. Der entstandene Schaden ist gross. Und der verunglückte Sohn wahrscheinlich nicht unschuldig daran. Sich in der Trauer Arbeit am Staat abzuarbeiten bringt da gar nichts...
Augustusrex 29.07.2016
2. Na ja
Sie hätten entsetzt, schockiert und traurig darüber sein sollen, was ihr Sohn so gemacht hat.
PolitBarometer 29.07.2016
3.
Lächerlicher geht's ja wohl nimmer. Als wenn Unister erst seit 3 Wochen in Schwierigkeiten gesteckt hätte. Und warum sollten die Medien oder gar die Ermittlungsbehörden die Urheber der wirtschaftlichen Misere sein? Die Schieflage hatte doch schon Jahre vorher begonnen. Ich glaube allerdings nicht, dass die Eltern da Einblick in die Machenschaften und das Geschäftsgebahren des Sohnes hatten. Das Geschäftsmodell bzw. die Unternehmensstruktur (Holding) an sich war recht undurchsichtig und stand in manchen Bereichen auf tönernen Füssen.
michibln 29.07.2016
4. Wer mit dem Fall...
..."Unister" ein wenig vertraut ist, weiß, dass die Leipziger Staatsanwaltschaft ein Gutteil Mitschuld an dem Niedergang der Firma und letztlich den Tod der vier Männer trägt. Über Jahre wurde immer neue, z.T. abstruse Tatvorwürfe aus dem Hut gezaubert, um nur Wager und Co. irgendwie dranzukriegen.
varphi 29.07.2016
5. So
Wollte da letztens einmal einen Flug buchen (beide genannten Seiten). Da muss man Versicherung für Versicherung wegklicken um am Ende festzustellen, dass Kreditkartenbezahlung 50 Euro kostet. Ich kann mir vorstellen, dass ein Laden der so geführt wird, noch mehr "nicht bezahlte Rechnungen" irgendwo liegen hat.
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