Dubioses Darlehensgeschäft Erster Verdächtiger im Betrugsfall Unister sitzt in Untersuchungshaft

Wilfried Schwätter war der mutmaßliche Kontaktmann zu dem israelischen Diamantenhändler, der Unister-Chef Thomas Wagner in Venedig um 1,5 Millionen Euro betrog. Nun wurde der Kreditvermittler aus Unna nach SPIEGEL-Informationen verhaftet.

Firmenschild von Unister in Leipzig
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Firmenschild von Unister in Leipzig

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Bei der Aufklärung des mysteriösen Kreditgeschäfts, auf das sich der verunglückte Unister-Chef Thomas Wagner in Venedig einließ, sind die Ermittler weiter als bislang bekannt. Der Finanzvermittler Wilfried Schwätter aus Unna, der den Kontakt zu dem angeblichen israelischen Diamantenhändler Levy Vass in Venedig hergestellt hatte, sitzt in Untersuchungshaft.

Bereits vor etwa zwei Wochen soll seine Wohnung in Unna durchsucht und Schwätter zunächst in die JVA Dortmund gebracht worden sein. Inzwischen soll er nach Dresden überstellt worden sein.

Der Kreditvermittler ist eine zentrale Figur in dem dubiosen Darlehensgeschäft, das der Unister-Chef in Venedig abschließen wollte. Mit 1,5 Millionen Euro Bargeld war Wagner am 13. Juli gemeinsam mit seinem Mitgesellschafter Oliver Schilling und einem weiteren Finanzberater nach Venedig geflogen. Das Geld sollte als "Sicherheit" für einen Kredit über umgerechnet 15 Millionen Euro dienen.

Falschgeld untergejubelt

Bei der Übergabe des Geldes durch den angeblichen privaten Finanzier Levy Vass auf einem Hotelparkplatz in Venedig wurde Wagner und seinen Begleitern Falschgeld untergejubelt. Bis auf 10.000 echte Schweizer Franken erhielten sie eine große Menge Blüten. Der Leipziger Internetunternehmer erstattete in Venedig Anzeige, auf dem Rückflug nach Leipzig stürzte das gemietete Kleinflugzeug, eine Piper 32, über Slowenien ab. Wagner, seine zwei Begleiter und der Pilot kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt seitdem in der Sache und versucht, den Betrug an Wagner aufzuklären.

Mit eingefädelt hatte den Deal in Venedig: Wilfried Schwätter. Der Finanzmakler macht nach eigenen Angaben seit 17 Jahren erfolgreiche Geschäfte mit Vass. Der Israeli sei ein seriöser Partner, bei keinem Deal habe es bisher Probleme gegeben. So berichtete es Schwätter Finanzberatern von Wagner, die sich Ende Juni im Hotel Luisenhof in Hannover trafen, um ein mögliches Geschäft zu besprechen.

Ermittler hoffen auf Spur zu Diamantenhändler

Einer der Herren, der Finanzvermittler B. aus dem Sauerland, flog später mit Wagner nach Venedig und kam bei dem Absturz ums Leben. Der ebenfalls anwesende Ex-Banker K. aus Hannover reiste mit dem Auto nach Venedig und zurück und ist deshalb der letzte Zeuge der Ereignisse vor Ort. Er hat bereits bei der Generalstaatsanwaltschaft ausgesagt. Schwätter, der den Kontakt zu Levy Vass in Venedig hielt, reiste nicht mit, sondern blieb stattdessen zu Hause in Unna.

Von Schwätter dürften sich die Ermittler vor allem eine Spur zu dem angeblichen israelischen Diamantenhändler Vass erhoffen, der Wagner und seinen Leuten in Venedig das Falschgeld übergab und dann verschwand. Schwätter, der für die Vermittlung eine Provision erhalten haben dürfte, steckte offenbar selbst in finanziellen Schwierigkeiten. Bis 2014 lief ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Dortmund, die Bonitätsauskunft Creditreform warnte vor Geschäften mit dem 68-Jährigen.

Schwätter war telefonisch für den SPIEGEL nicht zu erreichen.



insgesamt 37 Beiträge
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breguet 13.08.2016
1. Das perfekte Verbechen?
Der Plan ist wahrscheinlich nicht aufgegangen. Hätte Wagner erst im Flugzeug gemerkt das er mit Falschgeld bedient worden ist, und wäre das Zeug restlos beim Absturz verbrannt, hätte vermutlich keiner was bemerkt. Der Absturz ist sicher kein Zufall, sondern geplant. Das perfekte Verbrechen gibt's halt nicht, wenns klappt ist es eher Zufall.
ullibulli09 13.08.2016
2. Was für ein Nonsense!
Natürlich ist Schwätter nicht telefonisch erreichbar, er sitzt ja angeblich in Untersuchungshaft. Wer schreibt so einen Schrott?
kimmberlie.67 13.08.2016
3. Ich denke
da wurde ein Ganove vom anderen über den Tisch gezogen. Da von so eine SPON-Aufstand zu machen ist einfach nicht angebracht. So bekommt der Betrüger Postum noch jede Menge Aufmerksamkeit und die Betrogenen gehen leer aus.
squashplayer 13.08.2016
4. Erstaunlich
Es ist mir völlig unklar, wieso eine derart unseriöse Person es geschafft hat, so ein großes Unternehmen aufzubauen. Leider ist es in der Wirtschaft so, je schmieriger die Typen, umso mehr Erfolg haben sie.
mk1964 13.08.2016
5.
Wollte die Telefonzentrale der JVA das Telefonat nicht in die Zelle durchstellen?
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