1&1-Mutterkonzern Samwer-Beteiligung drückt United Internet in die roten Zahlen

United Internet wächst - nur der Gewinn macht diesmal nicht mit. Im ersten Quartal fährt der Mutterkonzern von 1&1 und GMX rote Zahlen ein. Grund ist eine Beteiligung an Oliver Samwers Startup-Schmiede Rocket Internet.

Konzernchef Ralph Dommermuth
Markus Hauschild; United Internet

Konzernchef Ralph Dommermuth

Von manager-magazin.de-Redakteur Kai Lange


Zumindest das Wachstum geht weiter bei United Internet. Im ersten Quartal des laufenden Jahres konnte der Mutterkonzern von Marken wie 1&1, GMX und Web.de erneut mehr Kunden gewinnen als erwartet. Auch der Umsatz und das operative Ergebnis legten weiter zu, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Konzernchef Ralph Dommermuth gilt für viele Investoren als ein König Midas der Onlinebranche - alles was er anfasst, wird zu Gold. United Internet hat nicht nur den berüchtigten Neuen Markt überlebt und sich seit dem Platzen der Dotcom-Blase zu einem Branchenschwergewicht entwickelt. Der Konzern war im Dezember 2015 zeitweise schon mehr als 10 Milliarden Euro wert, als die Aktie des Unternehmens die Marke von 50 Euro überschritt.

Nur bei seiner jüngsten Beteiligung an der Startup-Schmiede Rocket Internet agierte der erfolgsverwöhnte Dommermuth weniger glücklich. Im August 2014, kurz vor dem Börsengang der Samwer-Brüder, war United Internet mit rund 10 Prozent bei Rocket eingestiegen, nur wenige Tage nach dem Investment des philippinischen Telekom-Konzerns PLTD.

Das Geld von PLTD und United Internet hatte den Börsenwert von Rocket weiter aufgepumpt. Dommermuth investierte damals 435 Millionen Euro und sorgte für Aufsehen in der Branche - der Einstieg des Schwergewichts United Internet kam einem Ritterschlag für die Samwer-Brüder gleich, die es mit einem Börsengang für Rocket Internet sehr eilig hatten.

Im Oktober 2014 wurde die Aktie von Rocket Internet dann zu einem Preis von 42,50 Euro ausgegeben - und ging nach wenigen Wochen in den Sturzflug über. Inzwischen notiert das Papier um die Marke von 20 Euro. Zeichner der ersten Stunde haben bis dato mehr als 50 Prozent ihres Einsatzes verloren. Rocket-Chef Oliver Samwer bittet die Investoren weiter um Geduld.

Vor wenigen Wochen hatte bereits der schwedische Großinvestor Kinnevik die Luft aus Samwers Modegeschäft gelassen. Bei seinen jüngsten Quartalszahlen schrieb der schwedische Investor den Wert seines Anteil an Rockets Global Fashion Group (GFG) um 38 Prozent umgerechnet 275 Millionen Euro ab. Wenig später zog Rocket mit einer eigenen Mitteilung nach: Statt mit rund drei Milliarden bewertet die Berliner Beteiligungsgesellschaft die in der Global Fashion Group (GFG) gebündelten Modefirmen nun nur noch mit einer Milliarde Euro. "Von der Bewertung her gesehen ist alles schiefgegangen," kommentierte Kinnevik-CEO Lorenzo Grabau die Bewertung. Es sei ein "perfekter Sturm".

Auch Dommermuth hat mit seiner Rocket-Beteiligung bis dato kräftig Geld verbrannt - und dies in einer Abschreibung auf das Aktienpaket dokumentiert. Während das Tagesgeschäft von United Internet weiter brummt, musste der Konzern wegen des Absturzes von Rocket Internet an der Börse eine Wertminderung von 156 Millionen Euro auf das Aktienpaket verbuchen.

So wies United Internet für das erste Quartal unter dem Strich einen Verlust von knapp 56 Millionen Euro aus - ohne die Rocket-Beteiligung wäre es ein Gewinn in Höhe von 100 Millionen Euro gewesen. Ein Jahr zuvor hatte der Gewinn bei 78 Millionen Euro gelegen. Auch die Zahl der Vertragskunden konnte der Konzern in den ersten drei Monaten um 270.000 steigern, allein 200.000 davon entfielen auf den Mobilfunk. Dank des starken Kundenzulaufs kletterte der Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 968,6 Millionen Euro.

Angesichts solch starker Zahlen blieben die Aktionäre trotz des Quartalsverlustes gelassen. Der Kurs legte am Dienstag um mehr als fünf Prozent zu.

Das dürfte Dommermuth selbst besonders freuen. Er hält rund 40 Prozent der Aktien an United Internet - und gehört deshalb mit einem Milliardenvermögen zu den reichsten Menschen Deutschlands.

insgesamt 6 Beiträge
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zinobln 17.05.2016
1. Es gab schon einmal einen König Midas...
Midas wünschte sich, dass alles, was er berühre, zu Gold würde.Der Wunsch wurde ihm gewährt. Doch da ihm nun auch Essen und Trinken zu Gold wurden, drohte ihm der Tod durch Hunger oder Durst. Deshalb bat er den Gott, die Gabe zurückzunehmen...und am Ende wuchsen ihm zwei mächtige Eselsohren. König Midas war ein Volltrottel und der Vergleich zu den Königen aller Branchen sollte wörtlich genommen werden.
mag-the-one 17.05.2016
2. Sam...wer??
Das sind doch die mit den großen Sprüchen und dem seit 2007 generierten Gewinn in Höhe von - Achtung - 0... Börse für Hausfrauen: Nix kaufen, was man nicht versteht. Was neun Jahre lang nicht klappt, kommt auch im 10. nicht in die Hufe. Welcome to the Club.
syracusa 17.05.2016
3. keine Sorge, das Geld ist noch vollständig da
Keine Sorge, das Geld ist noch vollständig da. Das haben jetzt nur die Samwer Brüder in der Tasche. Mein Gott, Leute! Habt Ihr Euch die Samwer Breüder und deren Geschäftsmodell denn gar nicht angesehen? Habt Ihr aus der dot.com-Blase der Nullerjahre denn gar nichts gelernt?
zigeuner_baron 17.05.2016
4. 'Wir'tschaft zusammen
Er hat keine Perspektive..... .... er auch nicht...... Die schieben doch die ganzen Luftnummern hin und her. Inhaltsleere Firmen, die mit Sachen wirtschaften, die die Welt nicht braucht und basieren auf Ausbeutung
fitzcarraldo 17.05.2016
5. StartUp Schmiede ?!
Kopierklitsche wäre wohl passender. Seit Jahren wird in meiner Branche (IT) über die Samwers nur Hohn und Spott ausgeschüttet und die Trottel von 1und1 kaufen auch noch deren Aktien. Wer nicht hören will, muß halt fühlen.
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