Unter Auflagen EU erlaubt Unitymedia-Übernahme durch Vodafone

Die EU-Kommission genehmigt die Übernahme des Kabelanbieters Unitymedia durch Vodafone - stellt aber Bedingungen, um die Interessen von Kunden zu schützen.

Vodafone-Logo: Die Zahl der Kunden in Deutschland verdoppelt sich fast
Federico Gambarini/DPA

Vodafone-Logo: Die Zahl der Kunden in Deutschland verdoppelt sich fast


Die Fusion des Kabelanbieters Unitymedia mit dem britischen Telekommunikationskonzern Vodafone kann kommen. Die EU-Wettbewerbshüter haben die Übernahme erlaubt, allerdings nur unter Auflagen. Die Bedingungen sollten sicherstellen, dass Kunden weiterhin von "fairen Preisen, hochwertigen Dienstleistungen und innovativen Produkten" profitieren könnten, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Das neue Unternehmen müsse unter anderem garantieren, dass einem Käufer - den Angaben zufolge Telefónica - Zugang zum Kabelnetz gewährt werde, um den Wettbewerbsdruck zu sichern. Zudem dürften die Gebühren für frei empfangbare Fernsehsender, die ihre Programme über das Kabelnetz von Vodafone Chart zeigen in Deutschland übertragen, nicht erhöht werden.

Vor etwa zwei Jahrzehnten hatte die Telekom ihr TV-Kabelnetz auf Druck der EU-Kommission abgegeben und sie an mehrere regionale Anbieter veräußert. Die Kabel spielen längst auch beim schnellen Festnetz-Internet eine entscheidende Rolle.

Vodafone hatte im Frühjahr 2018 angekündigt, die Kabelnetze von Liberty Global - in Deutschland unter dem Namen Unitymedia tätig - auch in Ungarn, Tschechien und Rumänien für insgesamt etwa 18,4 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Die Wettbewerber Deutsche Telekom und Telefónica Deutschland sahen die Fusion kritisch.

Mit dem Zukauf stärkt Vodafone seine Position am deutschen Telekommunikationsmarkt wesentlich. Die Zahl der TV-Kunden steigt von 7,7 auf 14 Millionen, die Zahl der Internetkunden von 6,5 auf 10 Millionen - viele Kunden haben sowohl einen Fernseh- als auch einen Internetvertrag.

mmq/dpa

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valensine 18.07.2019
1. Kündigungsoptionen
Interessant wäre es zu erfahren, ob man als Kunde/-in bei einer Übernahme durch Vodafone ein Sonderkündigungsrecht erhält oder nicht
quark2@mailinator.com 18.07.2019
2.
Prima, wir haben also einen Übergang von staatlicher Infrastruktur in die Hände eines internationalen Medienkonzerns und es handelt sich um ein Kabel, für das es jeweils lokale Exklusivität gibt, d.h. niemand kann mal eben parallel dazu sein eigenes Kabel legen. Ja, es gibt noch Telefonleitungen und Drahlosnetzwerke, aber das sind eben andere Technologien. Meiner persönlichen Meinung nach gehört Infrastruktur komplett in die Hände des Staates, egal ob Autobahnen, Raststätten, Stromleitungen, Feuerwehren, Krankenhäuser oder eben Kommunikationsnetze. Das sind Bereiche, in denen mir die Preisoptimierung über einen Markt weniger wert ist, als die staatliche Garantie, daß die Leistung vernünftig und nach ethischen Gesichtspunkten zur Verfügung gestellt wird. Nur weil die EU einen einheitlichen Markt will, mußte Deutschland haufenweise Dinge privatisieren und ausländischen Firmen aussetzen. Tolle Sache.
zynischereuropäer 18.07.2019
3. @quark
Nicht die EU will irgendwas - wir sind die EU. Die EU ist keine fremde Entität, sondern besteht aus den ihr Angehörigen Ländern. Dass es einen gemeinsamen Markt gibt ist eine ihrer größten Errungenschaften, oder glauben Sie unser Wohlstand ließe sich mit dem deutschen Markt allein halten? Privatisierungen sind ja per se nichts schlechtes, zumal Deutschland ja ebenfalls davon profitiert. Oder glauben Sie allen Ernstes, dass nur Deutschland privatisieren muss und die nur die bösen Ausländer hier alles aufkaufen? Ne ne, die Regeln gelten für alle, weswegen sich ja auch deutsche Unternehmen aktiv im EU Ausland engagieren. Hier schießt die EU nicht gegen das arme Deutschland, sondern beharrt nur auf Regeln, denen Deutschland selbst zugestimmt hat! Ihre Formulierung "ausländischen Firmen aussetzen" lässt da tief blicken - dieses Ausgesetztsein hat auch einen Namen, nämlich Wettbewerb. Der im übrigen dafür verantwortlich ist, dass die Kosten für Telekommunikation seit praktisch über 20 Jahren am sinken sind (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215848/umfrage/entwicklung-der-preise-fuer-telekommunikation-in-deutschland/). Bei Straßen und mancher Grundversorgung gehe ich ja noch mit, aber bei praktisch allem von der Straße bis zur Raststätte? Nein danke. Sie scheinen sich auch schon länger nicht mehr mit Telekommunikation auseinander gesetzt zu haben, sonst wüssten Sie, dass Ihre Aussage "lokale Exklusivität" Blödsinn ist. Es ist völlig egal wem welche Kabel gehören, denn diese müssen auch jedem anderen Anbieter offen stehen. Gemäß ihrer Aussage dürfte ich in meiner Wohnung nur Internet bei der Telekom beziehen, aber - oh Wunder - habe einen Vertrag mit O2. Ganz ohne zusätzliche Leitung. Unglaublich, gell?
Emil Peisker 18.07.2019
4. Sie sind der Spezialist...?
Zitat von zynischereuropäerNicht die EU will irgendwas - wir sind die EU. Die EU ist keine fremde Entität, sondern besteht aus den ihr Angehörigen Ländern. Dass es einen gemeinsamen Markt gibt ist eine ihrer größten Errungenschaften, oder glauben Sie unser Wohlstand ließe sich mit dem deutschen Markt allein halten? Privatisierungen sind ja per se nichts schlechtes, zumal Deutschland ja ebenfalls davon profitiert. Oder glauben Sie allen Ernstes, dass nur Deutschland privatisieren muss und die nur die bösen Ausländer hier alles aufkaufen? Ne ne, die Regeln gelten für alle, weswegen sich ja auch deutsche Unternehmen aktiv im EU Ausland engagieren. Hier schießt die EU nicht gegen das arme Deutschland, sondern beharrt nur auf Regeln, denen Deutschland selbst zugestimmt hat! Ihre Formulierung "ausländischen Firmen aussetzen" lässt da tief blicken - dieses Ausgesetztsein hat auch einen Namen, nämlich Wettbewerb. Der im übrigen dafür verantwortlich ist, dass die Kosten für Telekommunikation seit praktisch über 20 Jahren am sinken sind (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215848/umfrage/entwicklung-der-preise-fuer-telekommunikation-in-deutschland/). Bei Straßen und mancher Grundversorgung gehe ich ja noch mit, aber bei praktisch allem von der Straße bis zur Raststätte? Nein danke. Sie scheinen sich auch schon länger nicht mehr mit Telekommunikation auseinander gesetzt zu haben, sonst wüssten Sie, dass Ihre Aussage "lokale Exklusivität" Blödsinn ist. Es ist völlig egal wem welche Kabel gehören, denn diese müssen auch jedem anderen Anbieter offen stehen. Gemäß ihrer Aussage dürfte ich in meiner Wohnung nur Internet bei der Telekom beziehen, aber - oh Wunder - habe einen Vertrag mit O2. Ganz ohne zusätzliche Leitung. Unglaublich, gell?
Sie scheinen eine Lücke entdeckt zu haben. Ein Anbieter, der ihnen Fernsehen, Internet und Telefon durch ein Fernsehkabel anbietet, und nicht Vodafone oder Unitymedia heißt? Das meinte der von Ihnen so schändlich behandelte Forist, dass er Kabelkunde ist und jetzt noch nicht mal durch Umzug einen anderen Anbieter kriegen kann. Natürlich kann ein Telekomkunde Internet bekommen, und auch eine Reihe von Fernsehsendern, aber vielleicht nicht da, wo er wohnt. Auch kann aus einem Festnetzanschluss durch Splitting eine digitaler Datenstrom gewonnen werden, damit Internet möglich ist. Und es ist auch möglich, über das Internet Fernsehprogramme zu empfangen. Allerdings: Es gibt Millionen von Haushalten, die keine Festnetztelefonie mehr haben, und die noch nicht mal eine Schüssel auf den Balkon montieren dürfen. Die können nun zwischen Vodafone und Vodafon entscheiden. Das ist das klassische Monopol. Es gibt Möglichkeiten auf das Kabel zu verzichten, aber die sind alle wesentlich teurer. Auch TV Magenta oder irgendwas von O2.
zynischereuropäer 18.07.2019
5. @Emil
Schändlich behandelt? Mitnichten. Ich gebe allerdings gern zu, dass ich zunehmend gereizt auf schlichtes Unvermögen reagiere, insbesondere was die EU und ihr Wirken angeht. Bar jeden Wissens werden da Aussagen getroffen, die schlicht und ergreifend unwahr sind und die man mit 5min Recherche nicht getroffen hätte, aber die EU gibt ja einen passenden Sündenbock ab. Ich muss gestehen, ich kann Ihren Bemerkungen nicht gänzlich folgen. Erstens muss, wie im Artikel bemerkt, das Kabel auch anderen offen stehen, die dieselben Dienste offerieren möchten. Ob das Kabel nun Vodafone oder dem Bund gehört ist da einerlei. Zweitens musste man auch vorher schon, wenn man Punkt 1 außer acht lässt, für einen Umzug eher das Bundesland wechseln, als nur die Straße, denn die Gebiete sind auch im vornherein recht klar aufgeteilt bzw abgegrenzt. Bei diesem Teil "Allerdings: Es gibt Millionen von Haushalten, die keine Festnetztelefonie mehr haben, und die noch nicht mal eine Schüssel auf den Balkon montieren dürfen. Die können nun zwischen Vodafone und Vodafon entscheiden." bräuchte ich aber etwas Hilfe von Ihnen - was soll mir das sagen? Für die betroffenen Haushalte ohne Telefon und Sat-TV ändert sich doch primär nichts? Oder wo ist jetzt für die ein Nachteil entstanden? Dass sie, laut ihrer Aussage, nicht richtig angeschlossen sind ist doch nicht auf Vodafone zurückzuführen? Zumal die Alternativen in Form von DSL für Internet und Telefon nicht unbedingt teurer sind, wenn überhaupt. Und den Bonus sich bzgl Internet nicht mit dem Shared Medium Kabel auseinandersetzen zu müssen, gerade in Ballungsräumen, gibt es obendrauf. Letztendlich ist das aber auch egal für den ursprünglichen Foristen. Er wollte ja ohnehin ein (staatliches) Monopol auf Telekommunikation. Nun bekommt er laut Ihnen ein privates, dass sogar günstiger als die Alternativen ist. Da müssten dann doch alle zufrieden sein, oder nicht?
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