Kinokrise Neue Universal-Filme können früher als Stream ins Netz

Diese Entscheidung könnte das Kinosterben beschleunigen: Die größte Kinokette der Welt hat sich mit dem Universal Filmstudio geeinigt, dass neue Filme viel früher als bisher online gezeigt werden dürfen.
Kinosaal in Berlin

Kinosaal in Berlin

Foto: Fabian Sommer/ dpa

Weltweit sind viele Kinos in der Coronakrise geschlossen. Wann sie wieder öffnen können, ist ungewiss. Klar hingegen ist, dass sich die Rahmenbedingungen in der Filmbranche bis dahin deutlich verändert haben werden - und möglicherweise dazu beitragen, dass langfristig weniger Kinos überleben.

Die weltgrößte Kinokette AMC und das US-Filmstudio Universal haben einen erbitterten Streit beigelegt - und womöglich Maßstäbe gesetzt, an denen sich die ganze Branche bald orientieren könnte. Sie einigten sich darauf, dass Universal in den USA seine Filme bereits 17 Tage nach dem Kinostart in den Onlineverleih bringen kann. Die 17-Tage-Frist ergibt sich unter anderem aus der Tatsache, dass damit drei Wochenenden abgedeckt werden können.

Dabei geht es um sogenannte Premium-Angebote, bei denen Filme für 15 bis 20 Euro ausgeliehen werden können - also zum Preis eines Kinobesuchs. Über die Konditionen für Europa soll in den kommenden Wochen verhandelt werden, wie AMC und Universal am Dienstag (Ortszeit) mitteilten.

100 Millionen Dollar Umsatz im Onlineverleih

Traditionell werden neue Filme bislang zuerst im Kino gezeigt und stehen erst einige Monate später zum Kauf, zur Ausleihe sowie zum Streaming zur Verfügung. Dieses Zeitfenster ist in den vergangenen Jahren bereits kürzer geworden. Doch die Coronakrise beschleunigte den Wandel des Geschäfts noch einmal drastisch.

Während Kinos geschlossen blieben, brachte Universal seinen Animationsfilm "Trolls World Tour" im Frühjahr stattdessen in den Onlineverleih. Das zahlte sich aus: In drei Wochen spielte der Film allein am US-Markt knapp 100 Millionen Dollar ein.

Jeff Shell, Chef von NBC Universal, machte daraufhin eine weitreichende Ankündigung: "Wir gehen davon aus, dass wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen werden, wenn die Filmtheater wieder öffnen." Der Filmtheater-Betreiber AMC, zu dem in Deutschland die UCI-Kinos gehören, kündigte daraufhin an, gar keine Streifen des Studios mehr zu zeigen.

Kinos standen angesichts des Streaming-Booms bereits vor der Coronakrise unter Druck und hielten sich unter anderem dank Blockbustern wie den "Marvel"-Comic-Verfilmungen über Wasser. Universal hat potenzielle Kinohits wie die nächsten Filme der Reihen "Jurassic World", "Fast & Furious" und "Minions" in der Pipeline.

beb/dpa
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