Uno-Studie Deutschland ist Vizeweltmeister bei Investitionen

China, Brasilien, Indonesien: Erstmals fließt mehr als die Hälfte der globalen Investitionen in Entwicklungs- oder Schwellenländer. Viele Milliarden kommen aus Deutschland, das Frankreich als zweitwichtigsten Investor hinter den USA ablöst.
Elektronikfabrik in China: Den USA auf den Fersen

Elektronikfabrik in China: Den USA auf den Fersen

Foto: STR/ AFP

Hamburg - Die Krise in Deutschland ist vorbei - diese frohe Botschaft verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), bevor sie in den Sommerurlaub verschwand. Die Weltwirtschaft aber hat den Einbruch noch nicht wieder wettgemacht. Das zeigt der neue Investitionsreport der Uno-Handelskonferenz Unctad. Zwar wuchs die weltweite Summe der Direktinvestitionen im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 1,24 Billionen Dollar. Doch dieser Wert liegt immer noch rund 15 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre vor Beginn der Krise (siehe Grafikstrecke).

Dennoch gibt es bei den weltweiten Investitionen einen Gewinner: Erstmals zogen die Entwicklungs- und Schwellenländer mehr als die Hälfte des investierten Geldes an (siehe Tabelle). Der Aufstieg dieser Staaten als "neues Kraftzentrum" ausländischer Direktinvestitionen werde immer deutlicher, heißt es in dem Report.

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Globale Geldströme: Wo die Welt investiert

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Mit Abstand der wichtigste Empfänger von Direktinvestitionen sind mit 228 Milliarden Dollar weiterhin die USA. Doch schon auf dem zweiten und dritten Platz folgen China und die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Auch zahlreiche andere Schwellenländer finden sich unter den Top 20. So stieg Brasilien innerhalb eines Jahres vom 15. auf den fünften Platz auf, Indonesien vom 43. auf den 20. Platz.

Mit einer Gesamtsumme von 46 Milliarden Dollar bewahrte Deutschland Rang sechs als Empfänger von ausländischen Investitionen. Aufgestiegen sind deutsche Unternehmen dagegen als globale Investoren: Sie verdrängten Frankreich vom zweiten Platz. An erster Stelle stehen auch als Geberland die USA.

Ausländische Direktinvestitionen (in Mrd. Dollar)

2009 2010
als Empfänger als Geber als Empfänger als Geber
Deutschland 38 78 46 105
Frankreich 34 103 34 84
Großbritannien 71 44 46 11
Südosteuropa und GUS 72 49 68 61
EU 347 370 305 407
Entwicklungsländer 511 271 574 328
Weltweit 1185 1171 1244 1323
Quelle: UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD)

Fast die Hälfte der Direktinvestitionen im vergangenen Jahr floss in die verarbeitende Industrie. Deutliche Rückgänge mussten dagegen Dienstleister und die Finanzindustrie verkraften. Im Verlauf von 2011 sollte die Gesamtsumme der Investitionen laut Unctad auf 1,4 bis 1,6 Billionen Dollar steigen und damit das Vorkrisenniveau erreichen. Für eine weitere Zunahme sprächen unter anderem die hohen Bargeldreserven und die steigenden Aktienkurse transnationaler Unternehmen.

Dabei spielen Staatskonzerne laut Unctad eine besonders wichtige Rolle. Zwar machten diese nur ein Prozent aller internationalen Unternehmen aus, sie seien aber weltweit für rund elf Prozent der Investitionsströme verantwortlich. Mehr als die Hälfte der Staatskonzerne hat ihre Heimat in Entwicklungs- oder Schwellenländern.

Von dem Entwicklungsländer-Boom profitieren jedoch nicht alle Staaten: Die Investitionen in die am wenigsten entwickelten Länder gingen im vergangenen Jahr um drei Milliarden Dollar zurück. Zusammen erhielten die knapp 50 Länder nur 23 Milliarden Dollar.

dab
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