Unseriöse Aktientipps Früherer N24-Börsenguru gesteht Manipulation

"Make Money" hieß seine TV-Show - und Geld machte Markus Frick tatsächlich, allerdings mit seinem Börsenbrief. Doch dabei täuschte der frühere N24-Moderator seine Leser, wie er jetzt gestand. Dennoch sieht sich Frick als Opfer und gibt weiter den Experten.

Frick vor Gericht: Keine Kenntnis von Wertlosigkeit und Minderwertigkeit der Aktien
dapd

Frick vor Gericht: Keine Kenntnis von Wertlosigkeit und Minderwertigkeit der Aktien


Berlin - Vor Gericht machte er gleich reinen Tisch: Der wegen strafbarer Marktmanipulation angeklagte ehemalige N24-Börsenberater Markus Frick hat zum Prozessauftakt am Donnerstag ein Geständnis abgelegt. Der frühere Moderator von "Make Money - die Markus Frick Show" räumte vor dem Landgericht Berlin ein, sein "mittelbares Interesse" an von ihm empfohlenen Aktien den Anlegern gegenüber nicht offengelegt zu haben. Er habe dies damals nicht für erforderlich gehalten. "Wenn ich mich falsch verhalten habe und dies strafbar sein soll, übernehme ich dafür die Verantwortung", sagte er.

Frick wird vorgeworfen, er habe zwischen September 2005 und Juni 2007 in 49 Fällen in seinen per E-Mail vertriebenen Börsenbriefen Aktien empfohlen, die er selbst hielt und dabei private wirtschaftliche Interessen verfolgt zu haben. Zudem soll Frick den Anlegern zum Kauf wertloser Aktien geraten haben. Bei den Unternehmen handelte es sich um Papiere der Rohstofffirmen Star Energy Corp., StarGold Mines Inc. und Russoil Corp., die Frick ebenfalls selbst besaß. Aufgrund seiner Empfehlungen sollen die Börsenkurse der Firmen zunächst auf Spitzenwerte gestiegen sein, bevor sie Mitte 2007 auf nahezu null abstürzten.

Der 38-Jährige sagte, er bedauere es sehr, "wenn Anlegern aufgrund meiner Empfehlungen Nachteile entstanden sind". Dies habe er weder gewollt, noch sei es vorhersehbar gewesen. Er sei damals überzeugt gewesen, dass es sich bei den Rohstoffpapieren um "gute Aktien" handelte. Von deren Wertlosigkeit oder Minderwertigkeit habe er keine Kenntnis gehabt. Erst nach dem Absturz der Russoil-Aktie sei ihm klar geworden, dass er "von zwei Herren aus den USA, die ich als seriöse Geschäftspartner kannte, instrumentalisiert wurde". Heute halte er es für wahrscheinlich, dass die Kursentwicklung gezielt beeinflusst wurde, um Russoil auf den Markt zu bringen.

Nach Ermittlungen der Finanzaufsicht BaFin hatten rund 20.000 Anleger auf Empfehlung von Frick 760 Millionen Aktien der drei Unternehmen geordert. Viele Kleinanleger sollen dadurch alles verloren haben. Die Staatsanwaltschaft stellte 80 Millionen Euro sicher. Frick sagte, er habe mit 867 Anlegern Vergleiche geschlossen und ihnen insgesamt 4,6 Millionen Euro gezahlt.

Frick inszeniert sich auch heute noch als Börsenexperte mit eigenem E-Mail-Newsletter, selbstgemachter Fernsehsendung und regelmäßigen Seminaren. Auf seiner Homepage wird der Prozess mit keinem Wort erwähnt, stattdessen gibt es dort für 79 Euro die DVD "Die todsichere Strategie" zu kaufen. Beworben wird sie mit den Worten: "Markus Frick zeigt Ihnen auf, wo Ihre Fehler liegen."

dab/dapd/dpa



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