Untersuchungsausschuss HSH-Chef Nonnenmacher räumt Fehler ein

Dirk Nonnenmacher gibt sich reumütig: Vor einem Untersuchungsausschuss räumt der umstrittene HSH-Nordbank-Chef ein, in der Finanzkrise Fehler gemacht zu haben. Sein Institut habe "nicht immer sorgfältig gearbeitet" und "Hamburg und Schleswig-Holstein in eine schwierige Lage gebracht".

HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: "Die Länder in schwierige Lage gebracht"
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HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: "Die Länder in schwierige Lage gebracht"


Hamburg - Er war als Zeuge vorgeladen - und gab sich kooperativ: Dirk Nonnenmacher, 46, Chef der angeschlagenen HSH Nordbank, hat umfangreiche Schwächen des Geldinstituts eingeräumt. Der Manager, den Kritiker für den Niedergang der einst so stolzen Landesbank mitverantwortlich machen, schilderte seinen Werdegang als Vorstandsmitglied vor einem Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft. Der Ausschuss untersucht die Geschäfte der überwiegend staatlichen Bank, die nach Milliardenverlusten nur mit Hilfe öffentlicher Gelder überlebt hat.

Nonnenmacher sprach über die Finanzkrise, die die HSH Nordbank "mit voller Wucht" getroffen habe. Die Bank "stand am Abgrund", sagte Nonnenmacher über das Jahr 2008, in dem er den Vorstandsvorsitz übernommen hatte. Das Haus sei ein Sanierungsfall gewesen. "Wir arbeiten intensiv daran, die Mängel zu beheben."

In der Bank habe es viele interne Schwächen gegeben, sagte der Manager und berief sich auf eine Analyse von Betriebsprüfern. "Die HSH Nordbank hat nicht immer so sorgfältig gearbeitet, wie sie es hätte tun können", sie habe "die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein in eine schwierige Lage gebracht. Ich bedauere das außerordentlich".

Indirekt lehnte er eine persönliche Verantwortung für die wirtschaftliche Schieflage der Bank ab. "Die Basis vieler Fehlentwicklungen liegt Jahre zurück. Die meisten Mitglieder meines Vorstands können viele der damaligen Entwicklungen nur anhand der Aktenlage nachvollziehen", sagte Nonnenmacher. Als heutiger Vorstandsvorsitzender trage er jedoch die Verantwortung dafür, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholten.

Die HSH Nordbank hat sich mit Immobilienkrediten verspekuliert und rutscht derzeit von Quartal zu Quartal tiefer in die roten Zahlen. Das Institut fuhr in den ersten neun Monaten 2009 einen Nettoverlust von rund 821 Millionen Euro ein, für das Gesamtjahr wird ein Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet. Das Minus für 2008 hatte 2,8 Milliarden Euro betragen. Die Bank musste im Frühjahr 2009 von Hamburg und Schleswig-Holstein mit einer Kapitalspritze und Milliardenbürgschaften vor dem Untergang bewahrt werden.

HSH-Chef im Kreuzfeuer der Kritik

Nonnenmacher muss in diesen Wochen viel erklären. Der Hamburger Untersuchungsausschuss ist nicht das einzige Gremium, das Auskünfte über diverse Geschäfte und Vorgänge von ihm fordert. Auf der Warteliste stehen noch die Parlamentarier aus Kiel, die Hamburger Staatsanwaltschaft und nicht zuletzt Medien und Öffentlichkeit.

Die schlechten Nachrichten um Nonnenmacher sind nicht abgerissen, seit er im Herbst 2008 auf dem Chefsessel Platz genommen hat. Mal war es ein angeblicher Sexskandal in der New Yorker Niederlassung, mal eine Zahlung ohne echten Rechtsgrund an Goldman Sachs Chart zeigen, mal ein Vorstandskollege, der nach Indiskretionen gefeuert werden musste.

Die dubiosen Geschäfte unter dem Kürzel "Omega", die der Bank zunächst Wertberichtigungen über mehr als 500 Millionen Euro eingebrockt hatten, sind mittlerweile abgewickelt; der Verlust wurde reduziert. Nun gibt es neue Vorwürfe, nach denen die Bank ihren Jahresabschluss für 2007 mit einem Trick geschönt haben soll. Die Bank weist das als "absurd" zurück. Nonnenmacher war damals schon Finanzvorstand.

Bislang hat der Bankchef im Sperrfeuer eiserne Nerven gezeigt. Trotz wütender Attacken aus Politik und Medien hat er unbeirrt seinen Kurs durchgezogen, sich der Unterstützung von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper versichert, vakante Vorstandsposten neu besetzt, den Umbau der Bank vorangetrieben und nach außen Zuversicht demonstriert.

Der Manager hat in Hamburg und Schleswig-Holstein Emotionen ausgelöst wie wohl kein Wirtschaftsführer vor ihm. Weil er eine Zahlung von 2,9 Millionen Euro aus einem Altvertrag durchsetzte, brandete dem Chef der HSH Nordbank eine Welle von Ablehnung und Kritik entgegen. Politiker, Verbandsfunktionäre und Journalisten stellten Nonnenmacher in eine Reihe gieriger Banker, die erst ihre Institute vor die Wand fahren, Milliarden an Steuergeldern beanspruchen und persönlich mit hohen Abfindungen eine sanfte Landung hinlegen.

ssu/apn/dpa

insgesamt 304 Beiträge
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Seite 1
H.Ehrenthal, 28.02.2009
1.
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Schließen wie Tür absperren? Oder in den Konkurs schicken? ALLE Unternehmen in "D", die überschuldet ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, sind insolvent! Fälle für den Konkursverwalter. Sinnlos, für jede Dönerbude einen eigenen Thread zu öffnen.
E. Rolle, 28.02.2009
2.
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Andere Frage, ging in Deutschland irgend ein Mensch davon aus, dass diese Landesbanken nicht in die Schieflage geraten? Die ganze Welt ließ unkontrolliert den Casinobetrieb laufen und wegen der gut funktionierenden Nachrichtenlage über zweistellige Gewinnmöglichkeiten, wollten natürlich ALLE mitmachen. Rettet nun die Canzlerin Merkel die HRE, muss konsequent JEDE Bank in Deutschland gerettet werden. Die Canzlerin hat nicht genau erklärt, warum sie die HRE rettet, also kann die nicht geäusserte Logik dann auch für jede Bankklitsche in Deutschland gelten, ob öffentliche oder private Bank. Gleiches Recht für alle, oder gilt das jetzt nicht mehr?
Liberalitärer, 28.02.2009
3.
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Abwickeln sofort, die Dinger sind nicht systemrelevant und fügen dem Finanzplatz Deutschland immensen Schaden zu, sei Jahren.
M. Moore, 28.02.2009
4.
Zitat von LiberalitärerAbwickeln sofort, die Dinger sind nicht systemrelevant und fügen dem Finanzplatz Deutschland immensen Schaden zu, sei Jahren.
So genommen sind keine Banken mehr systemrelevant, sie machen eh' alle was sie wollen und ordnen sich wegen der ihnen gegeben Liberalität in kein System mehr ein. Daher alle bis auf die Bundesbank schließen und abwickeln, die HRE und Commerzbank zuallererst.
Bernhard Fischer 28.02.2009
5. Shut down... wir bezahlen nicht die Krise....
Zitat von sysopDie internationale Finanzkrise hat auch die deutschen Landesbanken erreicht, die zum Teil in heftige Turbulenzen geraten sind. Sollte man sie angesichts der Probleme besser schließen?
Schließt besser die EZB, die könnte auf Milliardenforderungen aus ihren Refinanzierungsgeschäften mit Geschäftsbanken sitzen bleiben. Danach kann man weiter sehen.....
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