Untreue-Prozess Schickedanz widerspricht Middelhoff

Mit ihrer Zeugenaussage hat Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz den einstigen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff schwer belastet. Sie bestritt energisch, ihm einen Freibrief für private Flüge auf Firmenkosten ausgestellt zu haben.

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: "Es gab keine Vereinbarung."
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Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: "Es gab keine Vereinbarung."


Essen - Es sind zwei denkbar gegensätzliche Charaktere, die im Saal 101 des Essener Landgerichts aufeinandertreffen. Der 61-jährige frühere Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff - groß, braungebrannt und selbstbewusst. Und die kleine, blass und schüchtern wirkende Quelle-Erbin und Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz. Anfang des Jahrtausends hatte die heute 70-Jährige, die bei der Arcandor-Pleite Milliarden verlor, noch große Erwartungen in den Manager gesetzt.

"Ich wollte mich entschulden und hatte die Hoffnung, dass Herr Dr. Middelhoff das Unternehmen wieder nach vorn bringt", sagt Schickedanz als Zeugin am Mittwoch im Düsseldorfer Untreue-Prozess gegen den Manager. "Ich war jemand, der Sicherheit wollte."

Als Beruf nennt sie vor Gericht "Hausfrau". Sie sei zwar Großaktionärin bei Arcandor gewesen, habe aber keinerlei Macht ausgeübt. "Mein Einfluss war nie groß. Mein Leben war immer hauptsächlich von meinen Kindern geprägt", sagt sie. Und fügt später noch hinzu: "Ich war nie ehrgeizig."

Mühsame Vernehmung

Während Middelhoff dem Gericht tagelang eloquent Rede und Antwort stand, ist die Vernehmung von Frau Schickedanz mühsam. Immer wieder antwortet sie auf Fragen des Gerichts: "Da bin ich jetzt wirklich überfordert"; oder: Sie wisse es nicht.

In einem Punkt ist sie allerdings sicher: Sie habe dem früheren Arcandor-Chef nie die Bezahlung aller seiner Privatflüge im Charterjet zugesagt. "Wie käme ich dazu?", sagte die 70-Jährige. "Es gab keine Vereinbarung, und es wäre aus meiner Sicht auch nicht gerechtfertigt."

Das ist nicht ohne Brisanz. Denn Middelhoff selbst hatte vor Gericht betont, die Arcandor-Großaktionärin habe "aus Sicherheitsgründen" darauf bestanden, dass er bei dienstlichen und privaten Reisen ausschließlich Privatjets nutzte. Die Unternehmerin habe sich deshalb sogar bereiterklärt, die Kosten für seine Privatreisen zu tragen. Er habe deshalb gar kein Interesse daran gehabt, Arcandor Kosten für private Flüge in Rechnung zu stellen, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwerfe, argumentierte Middelhoff.

Esch hatte viel Freiraum

Allerdings räumte Madeleine Schickedanz ein, dass sie nicht ausschließen könne, dass ihr Vermögensverwalter Josef Esch in ihrem Namen derartige Absprachen getroffen habe. "Er war sehr autark", sagt sie. "Ich habe leider viel unterschrieben, was Herr Esch mir vorgelegt hat."

Selbst eine Vereinbarung, in der es um Pläne ging, den Essener Handelskonzern mit Hilfe eines Investors von der Börse zu nehmen, und auf diese Weise den Wert ihres Anteils zu verdoppeln, habe sie vor der Unterschrift nicht gelesen, berichtet sie. Sie sei damals in den Niederlanden gewesen, weil ihre Tochter dort einen Kaiserschnitt gehabt habe. "Ich war viel zu aufgeregt."

mik/dpa



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