Nach Dieselskandal US-Aufseher hält Druck auf VW aufrecht

Der US-Aufpasser für Volkswagen sieht bei dem Konzern nach dem Dieselskandal zwar Fortschritte, aber noch kein Ende der Probezeit. "Ich habe nicht gesagt, dass alles in Ordnung ist", sagte er bei der Zwischenbilanz.
US-Aufseher Larry Thompson: Von US-Behörden entsandt

US-Aufseher Larry Thompson: Von US-Behörden entsandt

Foto: Julian Stratenschulte/DPA

Volkswagen hat mit Blick auf die Aufarbeitung des Dieselskandals ein weitgehend positives Zwischenfazit von US-Aufseher Larry Thompson bekommen. Nach zwei kleineren Verstößen zu Beginn seien im zweiten Jahr seiner Arbeit keine neuen Regelverletzungen festgestellt worden, sagte Thompson in Wolfsburg. Nun komme es darauf an, dass dies auch bis zum Ende seiner Tätigkeit als Kontrolleur im Sommer nächsten Jahres so bleibe.

Thompson machte klar, dass Volkswagen längst nicht aus dem Schneider ist. Erst am Ende seiner Tätigkeit zur Überwachung des mit der Justiz vor zweieinhalb Jahren zur Beilegung von "Dieselgate" vereinbarten Vergleichs werde sich herausstellen, ob der Konzern alle Grundsätze guter Unternehmensführung erfülle. "Ich habe nicht gesagt, dass alles in Ordnung ist", mahnte Thompson.

Im kommenden Jahr will der frühere FBI-Direktor seinen dritten und letzten Bericht vorlegen. Von seinem Votum hängt ab, ob die US-Justiz den Autohersteller nach drei Jahren intensiver Kontrolle und der Erneuerung der Compliance-Prozesse vom Haken lässt. Thompson wurde von der US-Justiz zur Aufarbeitung des Dieselskandals eingesetzt.

Immer mehr Hinweise erfolgen mit Namen

Die von Volkswagen   nach dem Dieselskandal eingesetzte Integritäts- und Rechtsvorständin Hiltrud Werner beschrieb Thompson als einen "Bewährungshelfer", mit dessen Hilfe goldene Regeln für das Verhalten von Mitarbeitern festgelegt und ein Hinweisgebersystem eingeführt worden seien.

Das Management und immer größere Teile der Belegschaft beherzigten die Grundsätze der Compliance und der neuen Unternehmenskultur, sagte Werner. Hinweise auf Verstöße würden inzwischen zu mehr als 90 Prozent mit Quelle gemeldet und nicht mehr anonym. Anfangs waren es gerade einmal 15 Prozent.

Thompson durchleuchtet zusammen mit einem Team aus Spezialisten das Unternehmen und erfährt dabei neben vertraulichen Daten auch Betriebsgeheimnisse, die er nicht weitergeben darf. Darum nennt er kaum Details zu seiner Arbeit.

Thompsons Arbeit hat auch dazu geführt, dass Volkswagen inzwischen über disziplinarische Maßnahmen berichtet. Dadurch soll erreicht werden, dass Verstöße nicht unter der Decke gehalten werden. "Festgestelltes Fehlverhalten sanktionieren wir konsequent und angemessen", sagte Managerin Werner.

So seien Mitglieder des Managements verpflichtet, jeden Hinweis auf einen schweren Regelverstoß zu melden, da das Unterlassen ebenfalls ein schwerer Verstoß sei. Im ersten Quartal 2019 seien 204 Personen wegen regelwidrigen Verhaltens entlassen worden, in 903 Fällen habe es Abmahnungen und Verweise gegeben.

"Es ist nicht immer konfliktfrei"

Über die Kooperation mit Thompson sagte Werner, zwar "knirscht es auch mal im Gebälk" - die Zusammenarbeit mit dem US-Aufseher sei aber gut. "Es ist klar, dass es - wenn Sie unter einem Bewährungshelfer stehen - keinen Spaß macht und nicht immer konfliktfrei ist. Aber wir lösen unsere Probleme gemeinsam."

Compliance-Auditor Thompson soll Volkswagen auf die Finger schauen, damit sich so etwas wie der Dieselskandal nicht wiederholen kann. Er überwacht seit 2017, ob die Wolfsburger den mit den US-Behörden geschlossenen Vergleich einhalten und die versprochenen Reformen umsetzen.

In den Verhandlungen mit der US-Justiz hatte VW zugegeben, mit Abgasanlagen Behörden und Kunden jahrelang betrogen, Umweltrecht verletzt und die Justiz belogen zu haben. Der strafrechtliche Vergleich allein hatte ein Volumen von vier Milliarden Dollar. Insgesamt kostete die Aufarbeitung der weltweit millionenfachen Abgasmanipulation Volkswagen bisher 30 Milliarden Euro.

Dem Konzern war von den US-Behörden unlängst ein zweiter Aufpasser zur Seite gestellt worden. Das ist das Ergebnis einer Vereinbarung, die VW mit der Umweltbehörde EPA geschlossen hat, um wegen der damaligen Vergehen nicht von öffentlichen Aufträgen in den USA ausgeschlossen zu werden.

mmq/Reuters/dpa
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