Goldman Sachs und Co. Warum US-Banken wieder Milliarden scheffeln

Für die Top-Player der US-Finanzindustrie läuft es derzeit rund: Goldman Sachs hat seinen Gewinn verdoppelt, auch die anderen Großbanken machen Milliardengewinne. Die Geldhäuser setzen voll auf das riskante Investmentbanking.
Von Madeleine Nissen
Goldman Sachs: Erfolgreiches zweites Quartal

Goldman Sachs: Erfolgreiches zweites Quartal

Foto: REUTERS

Amerikaner gelten als weniger risikoscheu und als pragmatisch im Umgang mit Problemen. Von dieser Einstellung profitieren auch ihre Großbanken. Das zweite Quartal ist für sie glänzend gelaufen. Gewinntreiber war das riskante Geschäft im Investmentbanking, aber auch ein konsequenter Umbau in der Krise. Das lässt für die Ergebnisse der europäischen Banken hoffen, auch wenn der Jubel hier wohl nicht ganz so stark ausfallen wird.

Die Messlatte ist jedenfalls hoch: Die Citigroup   hat ihren Gewinn um 40 Prozent gesteigert, die Bank of America   und Morgan Stanley   um rund zwei Drittel, und Goldman Sachs   hat ihn sogar verdoppelt. Auch die beiden Großbanken JP Morgan Chase und Wells Fargo  verdienten glänzend.

Die volatilen Märkte spielten den Bankern dabei in die Hände. Denn Unruhe heißt Bewegung und bedeutet mehr Transaktionen, die sich die Banken bezahlen lassen. Einen gehörigen Anteil daran hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke, der mit seinen Andeutungen zur Zinsentwicklung die Kapitalmärkte in Aufruhr versetzte. Aber auch die Marktteilnehmer trauten sich wieder mehr - auch deshalb, weil sichere Anlagen wegen des niedrigen Zinsniveaus so wenig Rendite abwerfen.

All das ist gut für das Investmentbanking - vor allem der Handel, in dem Geschäfte mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen gebündelt sind, lief prächtig. Die Lust auf Investitionen machte sich auch in einer brummenden Vermögensverwaltung bemerkbar.

Investmentbanking wird in Europa geschrumpft

Der starke Zuwachs hat aber auch andere Gründe, die nicht im operativen Geschäft liegen. So gab es etwa bei JP Morgan einen kräftigen Schub durch die Auflösung eines Teils der Risikovorsorge für mögliche Kreditverluste. Zudem waren die Vorjahreszahlen durch einen massiven Handelsverlust belastet worden. Nicht zu vergessen sind die positiven Effekte aus dem Umbau innerhalb der Banken. Es zahlte sich aus, dass Banken kräftig auf die Kostenbremse drückten.

Positive Vorzeichen also für die Entwicklung in Europa, wenn auch mit einer gehörigen Portion Vorsicht. Zwar sind Analysten, wie etwa von Credit Suisse   oder Exane BNP Paribas  , sehr optimistisch und rechnen mit einem Gewinnanstieg für die Deutsche Bank von 45 Prozent, getragen von einem starken Investmentbanking. Doch dabei darf einiges nicht außer Acht gelassen werden.

So haben viele europäische Banken wegen der schärferen Vorschriften nach Basel III das Investmentbanking stark zurückgefahren, um ihre Kapitaldecke zu stärken. Die schweizerische UBS   will es sogar ganz aufgeben. Die setzen sich stark unter Druck, jetzt schon die Anforderungen nach Basel III zu erfüllen, obwohl die Regulatoren ihnen eigentlich noch Jahre Zeit geben. Doch die europäischen Bankenvorstände wollen die Erwartungen der Investoren nicht enttäuschen.

Nicht zu vergessen: In Europa sind die Arbeitnehmerrechte deutlich stärker als in den USA. Institute wie die Deutsche Bank  , aber auch UniCredit müssen die geplanten Stellenstreichungen behutsamer umsetzen als die Amerikaner. Das heißt, mit dem Umbau geht es nicht ganz so schnell.

Konjunktur belastet europäische Banken stärker

Ein weiterer Grund, warum die Zahlen in Europa nicht ganz so strahlend ausfallen werden, ist die Konjunktur. Europa steckt noch mitten in der Krise, während die USA schon auf dem Pfad der Erholung sind. Hiervon profitieren zwar global agierende Finanzinstitute mit einem starken Standbein in den USA (wie etwa die Deutsche Bank), aber da die europäischen Banken ihr Hauptgeschäft nach wie vor in den Heimatländern haben, können sie sich der Wirtschaftsflaute nicht entziehen. Das drückt auf das Ergebnis.

Auf Banken mit Fokus Privatkundengeschäft, wie die Commerzbank  , lassen sich die starken Zahlen ohnehin nicht übertragen. Gerade Deutschlands zweitgrößte Bank hat eine Menge hausgemachte Probleme, die ihr wohl auch das zweite Quartal verhageln werden. Allen voran das milliardenschwere Abbauportfolio. Zwar kommt die Commerzbank mit dem Verkauf voran und hat erst kürzlich Immobilienkredite in Milliardenhöhe verkauft. Doch auch das hat seinen Preis. Da die Bank einen Abschlag auf den Buchwert von 3,5 Prozent vornehmen musste, wird der Gewinn allein dadurch mit 180 Millionen Euro belastet.

Selbst in den USA gibt es auch nach dieser strahlenden Quartalsbilanz keinen Grund, sich zurückzulehnen. Die Analysten von Bank of America- Merrill Lynch erinnern an die altbekannten Gefahren, die immer noch da sind: anhaltend niedrige Zinsen, die europäische Schuldenkrise und eine schärfere Regulierung in der Finanzindustrie. Doch ein Hoffnungsschimmer ist die gute Entwicklung allemal.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland 

Mitarbeit: Saabira Chaudhuri