Neuer Hypotheken-Hype US-Banken scheffeln wieder Milliarden

Viele Amerikaner finanzieren erneut Immobilien auf Pump - und verhelfen den Banken so zu dicken Gewinnen. JP Morgan verdiente im dritten Quartal 5,7 Milliarden Dollar, bei der viertgrößten US-Bank Wells Fargo waren es 4,9 Milliarden. Der Boom weckt Erinnerungen an die Anfänge der Finanzkrise.
US-Bank JP Morgan: Das Geschäft mit Hypotheken läuft wieder

US-Bank JP Morgan: Das Geschäft mit Hypotheken läuft wieder

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

New York - Spekulationen mit US-Immobilienpapieren brachten die Finanzwelt 2007 an den Rand des Zusammenbruchs, nun verdienen die US-Banken dank Hypotheken wieder kräftig Geld. Die größte Bank des Landes, JP Morgan, und auch Wells Fargo gaben am Freitag Milliardengewinne bekannt. Im dritten Quartal steigerte JP Morgan den Nettogewinn um ein Drittel auf 5,7 Milliarden Dollar. Das viertgrößte US-Institut Wells Fargo verdiente 4,9 Milliarden Dollar und damit ein Fünftel mehr als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Hauptgrund für die hohen Gewinne ist die boomende Nachfrage nach Hypotheken in den USA - dank des Aufkaufprogramms der US-Notenbank Fed und der niedrigen Zinsen. Viele Immobilienbesitzer wollen aktuell ihre Hypotheken umschulden, um davon zu profitieren. "Der Häusermarkt hat die Talsohle durchschritten", sagte JP Morgan-Chef Jamie Dimon. Allein im Hypothekengeschäft nahm das Institut 1,8 Milliarden Dollar ein - 36 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zudem reduzierte JP Morgan   die Vorsorge in dem Bereich und löste Rückstellungen für faule Kredite in Höhe von 900 Millionen Dollar auf.

Zwar verdient die Branche an den eigentlichen Hauskrediten nicht viel. Die Institute verkaufen aber die Forderungen gewinnbringend an Investoren weiter. Dass die Risikobereitschaft in der Finanzwelt wieder gestiegen ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Institute dabei keine Probleme haben. Sie bündeln die Forderungen dafür in Wertpapiere, die mit Hypotheken besichert sind - der Markt für ähnliche Finanzprodukte war vor fünf Jahren zusammengebrochen. Die daraus resultierende Finanzkrise wirkt bis heute nach.

Der Handel mit den Immobilienkrediten läuft wieder wie geschmiert

Investoren reißen sich derzeit um die Papiere, weil die Fed als garantierter Abnehmer feststeht: Die US-Notenbank hat angekündigt, zur Stützung der Konjunktur pro Monat bis zu 40 Milliarden Dollar an Hypothekenpapieren aufzukaufen.

Auch Wells Fargo   profitiert von dieser Entwicklung. Das Institut war vor der Finanzkrise nicht so stark wie andere Banken im Immobilienmarkt engagiert und gilt als ein Gewinner der Krise. Denn die Bank übernahm den Rivalen Wachovia   und entwickelte sich zum größten Kreditgeber für Häuser des Landes, ein Drittel aller Immobiliendarlehen stammt inzwischen von ihr.

Ganz verschont bleibt aber auch Wells Fargo nicht von den Altlasten der Finanzkrise. Die US-Regierung verklagte die Bank wegen Mauscheleien bei der Vergabe von Immobiliendarlehen. Die Bank soll von 2001 bis 2005 mehr als 100.000 staatlich gesicherte Immobilienkredite unrechtmäßig vergeben haben. Die Bank weist die Vorwürfe zurück.

Die Schuldenkrise in Europa trifft Wells Fargo kaum, weil sich das Institut auf das Privatkundengeschäft konzentriert und vergleichsweise wenig Investmentbanking betreibt.

In der kommenden Woche werden weitere Quartalszahlen von US-Großbanken veröffentlicht, etwa der Bank of America  , der Citigroup   und den Investmentbanken Goldman Sachs   und Morgan Stanley  .

mmq/Reuters/dpa