Fall Standard Chartered US-Behörden wollen Einigung mit britischer Bank

Der Vorwurf lautet auf verbotene Geschäfte mit Iran: Der britischen Bank Standard Chartered drohte bereits der Entzug der US-Banklizenz. Doch jetzt wollen sich die Behörden in New York offenbar mit dem Geldinstitut einigen.

Logo von Standard Chartered: Die Bank soll Sanktionen gegen Iran unterlaufen haben
AFP

Logo von Standard Chartered: Die Bank soll Sanktionen gegen Iran unterlaufen haben


Washington - Eine Vermittlungsgruppe soll Frieden schaffen: Im Streit mit der britischen Bank Standard Chartered (SCB) wegen Geschäften mit Iran wollen US-Behörden eine gütliche Einigung erreichen, vermeldet das "Wall Street Journal" ("WSJ").

An der Vermittlungsgruppe sind dem Bericht zufolge die US-Ministerien für Finanzen und Justiz, die Notenbank Fed und das Büro der Staatsanwaltschaft von Manhattan beteiligt. Die New Yorker Aufsichtsbehörde DFS hatte der britischen Bank zu Wochenbeginn vorgeworfen, über mindestens zehn Jahre Transaktionen mit Iran im Wert von rund 250 Milliarden Dollar systematisch verheimlicht zu haben.

Bei den Transaktionen soll es sich vor allem um Währungsgeschäfte mit iranischen Großbanken handeln, die wegen des iranischen Atomprogramms unter US-Sanktionen stehen. Die Bank habe das US-Finanzsystem für Terroristen, Waffenhändler, Drogenbarone und korrupte Regime verwundbar gemacht, sagte DFS-Chef Benjamin Lawsky - und drohte StanChart mit Entzug der US-Banklizenz.

Der SCB-Vorstandsvorsitzende Peter Sands wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück und erklärte, der Gewinn aus den Geschäften mit dem Iran betrage entgegen den Behauptungen der DFS nur einige "Dutzend Millionen Dollar". Am kommenden Mittwoch muss sich Standard Chartered in einer Anhörung in New York den Vorwürfen stellen. Die US-Aufsichtsbehörde hatte ihr wegen der Verfehlungen mit dem Entzug ihrer Banklizenz für die USA gedroht.

Die Causa Standard Chartered ist ein Fall in einer ganzen Reihe von Bank-Skandalen. Erst vor drei Wochen war die britische HSBC von einem US-Senatsausschuss der Geldwäsche bezichtigt worden. Und Barclays hatte in einem Vergleich 453 Millionen Dollar an das US-Justizministerium gezahlt, um den Vorwurf der Libor-Zinsmanipulation aus der Welt zu schaffen. Auch Lloyds und Royal Bank of Scotland hatten in den vergangenen Jahren bereits dreistellige Millionenstrafen an die US-Regierung zahlen müssen.

Es sind jedoch nicht nur britische Banken, die seit 2009 ins Visier der US-Ermittler geraten. Credit Suisse musste vor drei Jahren 536 Millionen Dollar Strafe zahlen, die niederländische ING vor einigen Monaten die Rekordsumme von 619 Millionen Dollar aufbringen. Der Vorwurf lautet stets: Umgehung der US-Finanzsanktionen gegen Staaten wie Iran, Kuba, Libyen und Syrien.

bos/AFP

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