Alphabet Workers Union US-Beschäftigte gründen Google-Gewerkschaft

Faire Löhne, Schutz vor Ausbeutung und Diskriminierung: Dafür setzt sich bei Google künftig die Alphabet Workers Union ein. Mehr als 200 Beschäftigte haben sich zu dieser Arbeitnehmervertretung zusammengetan.
Protest gegen die Google-Arbeitskultur im November 2018: Auch in Tech-Konzernen gibt es Belästigung

Protest gegen die Google-Arbeitskultur im November 2018: Auch in Tech-Konzernen gibt es Belästigung

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STEPHEN LAM / REUTERS

»Wir hatten genug«: Hunderte Google-Mitarbeiter haben sich in einer Gewerkschaft zusammengeschlossen. Die nach der Konzernmutter Alphabet benannte Arbeitnehmervertretung Alphabet Workers Union setzt sich für gerechte Löhne, gute Arbeitsbedingungen sowie für den Schutz vor Ausbeutung und Diskriminierung ein, wie die neu gewählten Vorsitzenden Parul Koul und Chewy Shaw in einem Beitrag in der »New York Times « schreiben.

226 Beschäftigte haben sich den Angaben zufolge bislang der neuen Vertretung angeschlossen. In der Vergangenheit hatten mehrere Mitarbeiter, die sich gewerkschaftlich organisieren wollten, Google verlassen. Vom Konzern heißt es, man unterstütze Arbeitnehmerrechte.

Die Vorsitzenden der Alphabet Workers Union erklärten die Gründung ihrer Vertretung mit Googles Umgang bezüglich des Fehlverhaltens mehrerer leitender Mitarbeiter. Das Unternehmen habe Millionen Dollar an zwei Führungskräfte gezahlt, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen worden seien.

Bislang eine Bewegung von Hunderten – bei mehr als 100.000 Angestellten

2018 war bekannt geworden, dass Google viele Mitarbeiter, darunter mehr als ein Dutzend Manager, in nur zwei Jahren wegen mutmaßlicher sexueller Berästigung entlassen hatte. Die »New York Times« hatte damals berichtet, dass die Belästigungsvorfälle lange vertuscht worden sein. Tausende Mitarbeiter weltweit protestierten gegen die Arbeitskultur in dem Tech-Unternehmen. Bei einer Demo in San Francisco hielt laut Parul Koul und Chewy Shaw eine Frau ein Schild hoch, auf dem stand: »Ich habe es gemeldet, und er wurde befördert.«

Die Bedenken Tausender Google-Beschäftigter seien viel zu lange nicht ernst genommen worden, schreiben die beiden Softwareingenieure über die Gewerkschaftsgründung. Es folgt eine Liste von Vorwürfen gegen den eigenen Arbeitgeber. Unter anderem heißt es, das Management habe mit repressiven Regierungen weltweit zusammengearbeitet und die Integration von People of Colour nicht ernst genug genommen. Eine Mitarbeiterin, die sich kritisch mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz befasste, sei gegangen.

Auch in Techkonzernen gebe es Diskriminierung und Belästigung. Der Mutterkonzern Alphabet gehe jedoch gegen diejenigen vor, die ihre Meinung äußerten. Über sensible, aber wichtige Themen wie Kartellrecht oder Monopolmacht dürfe nicht offen gesprochen werden. Eine Reaktion des Konzerns zu den erhobenen Vorwürfen steht bislang aus.

»Wir sind die Arbeiter, die Alphabet aufgebaut haben. Wir schreiben Code, putzen Büros, servieren Essen, fahren Busse, testen selbst fahrende Autos und tun alles, was nötig ist, um diesen Giganten am Laufen zu halten«, heißt es in dem »New-York-Times«-Beitrag der beiden Gewerkschaftsgründer. Immer wieder habe die Unternehmensführung den Profit über die Belange der Arbeitnehmer gestellt. Jetzt schließe man sich zusammen, »Zeitarbeiter, Lieferanten, Auftragnehmer und Vollzeitbeschäftigte – um eine einheitliche Arbeitnehmerstimme zu schaffen«.

Wie einflussreich die erst aus wenigen Hundert Beschäftigten bestehende Alphabet Workers Union je wird, ist offen. Zur Einordung: Laut »New York Times « hatte Google 2019 weltweit mehr als 100.000 Angestellte sowie mehr als 120.000 Zeitarbeitnehmer.

apr
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