Wall Street Dow Jones steigt um fast fünf Prozent

Erleichterung an der Wall Street: Die wichtigsten Indizes haben stark zugelegt. Für Dow, S&P und Nasdaq waren es die größten prozentualen Tagesgewinne seit März 2009. Zuvor hatte US-Präsident Trump zum Aktienkauf geraten.

Aktienhändler an der New Yorker Börse
AP

Aktienhändler an der New Yorker Börse


An der New Yorker Börse hat sich die Stimmung gedreht: Nachdem der Dow Jones an Heiligabend mit einem Minus von beinahe drei Prozent schloss, stieg der Index am zweiten Weihnachtsfeiertag um 4,98 Prozent auf 22.878,45 Punkte. Der marktbreite S&P 500 stieg um 4,96 Prozent auf 2467,70 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 legte um 6,16 Prozent auf 6262,77 Punkte zu. Für alle drei Marktbarometer ist es der größte prozentuale Tagesgewinn seit dem 23. März 2009.

Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte der Handel an den US-Aktienmärkten wegen Weihnachten geruht. Zur Wiedereröffnung der Börse war der Dow zunächst in einem von großer Unsicherheit geprägten Geschäft bis auf knapp 21.713 Punkte gefallen.

Durch steigende Einzelhandels- und Energiewerte legte er jedoch wieder zu - einem Bericht des Kreditkartenanbieters MasterCard war das Weihnachtsgeschäft so gut wie schon seit mehreren Jahren nicht mehr gelaufen. Demnach kauften US-Kunden für rund 850 Milliarden Dollar im Feiertagsgeschäft ein. Verglichen mit 2017 stiegen die Einnahmen der Händler vom 1. November bis 24. Dezember um 5,1 Prozent. Das ist der höchste Wert seit sechs Jahren.

Der Versandhändler Amazon sprach von einem Rekordverkauf. Bei den Einzelwerten legten die Aktien von Amazon um mehr als neun Prozent zu. Die Anteilsscheine des Einzelhändlers Walmart verteuerten sich um über fünf Prozent. Auch beim sozialen Netzwerk Facebook stiegen die Anleger wieder ein: Die Aktie schnellte um rund acht Prozent in die Höhe.

Trump gibt Anlagetipps

Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte US-Präsident Donald Trump Investoren empfohlen, die zuletzt gefallenen Kurse zum Aktienkauf zu nutzen. "Ich denke, es ist eine großartige Gelegenheit zu kaufen", hatte Trump vor Reportern im Weißen Haus gesagt. Er habe "großes Vertrauen" in US-Unternehmen, betonte der Präsident. Gleichzeitig wiederholte er seine scharfe Kritik an der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Diese hatte vergangene Woche entschieden, den Leitzins zum vierten Mal in diesem Jahr anzuheben.

Dem Wirtschaftsberater Kevin Hassett, der Trump berät, zufolge steht eine Ablösung von Notenbank-Chef Jerome Powell jedoch nicht zur Debatte. Diese Ankündigung trug ebenfalls zur Erholung an der Wall Street bei. Powells Job sei zu hundert Prozent sicher, sagte Hassett.

Trump fürchtet, dass die Notenbank mit ihrem Zinserhöhungskurs den Aufschwung der US-Wirtschaft abwürgen könnte. Er hatte die Notenbank und den von ihm selbst nominierten Fed-Chef Powell deswegen immer wieder massiv kritisiert. (Eine Analyse zu dem Verhältnis Trumps zur Fed lesen Sie hier.)

Analysten gehen bereits jetzt davon aus, dass das starke Wachstum der US-Wirtschaft nachlassen wird. Zusammen mit dem fortlaufenden Handelsstreit der USA mit China hatte dies zu schwächeren Börsenkursen geführt. In der Woche vor Weihnachten fiel der Dow Jones auf den tiefsten Stand seit April.

Zwei Tage später korrigierte die Fed ihre Wachstumsprognose leicht nach unten. Sie rechnet im kommenden Jahr nun damit, dass die weltgrößte Volkswirtschaft um 2,3 Prozent wächst. Bisher hatte die Erwartung 2,5 Prozent betragen. Sollte die aktuelle Erholung nicht anhalten, droht den US-Börsen der schlechteste Dezember seit 1931 - den Zeiten der damaligen Weltwirtschaftkrise.

kko/dpa-afxp/Reuters

insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
worlunteer 27.12.2018
1. Überschrift
Wie manisch-depressive. Trump hat es geschafft selbst die Kapitalisten zu verunsichern. Er hat die Welt zu einem unsichereren Ort in allen Belangen gemacht. Was in dessen Kopf vorgeht, muss man nicht verstehen.
123rumpel123 27.12.2018
2. Robuste Fundamentalwerte
Zinsniveau und Börse stehen in einem klaren Renditewettkampf. Insofern waren die zurückliegenden Reaktionen ganz normal. Da man nicht davon ausgehen sollte, dass der Trump - Aufruf zu dem rasanten Kursanstieg geführt hat, ist eher davon auszugehen, und das wird den Trump-Kritikern gar nicht gefallen, dass die US-Real-Wirtschaft auf stabilen Beinen steht und nachhaltig wächst.
muellerthomas 27.12.2018
3.
Zitat von 123rumpel123Zinsniveau und Börse stehen in einem klaren Renditewettkampf. Insofern waren die zurückliegenden Reaktionen ganz normal. Da man nicht davon ausgehen sollte, dass der Trump - Aufruf zu dem rasanten Kursanstieg geführt hat, ist eher davon auszugehen, und das wird den Trump-Kritikern gar nicht gefallen, dass die US-Real-Wirtschaft auf stabilen Beinen steht und nachhaltig wächst.
Wieso sollte das den Trump-Kritikern nicht gefallen? Trump hat damit herzlich wenig zu tun, eher im Gegenteil. Er hat eine solide Wirtschaft übernommen, doch seitdem er Präsident ist, werden pro Monat deutlich weniger neue Jobs geschaffen als zuvor und das bei massiv mehr neuen Schulden als in den Jahren davor. Zudem stagniert das Verbrauchervertrauen seit seiner Wahl und der Wohnungsmarkt hat den Rückwärtsgang eingelegt. Trump schafft es also innerhalb kürzester Zeit, das zu versauen, was unter Obama mühevoll nach der Großen Rezession aufgebaut wurde.
worlunteer 27.12.2018
4. @123rumpel123
Sind die Zinsen seit Weihnachten gesunken? Ist mir irgendwas entgangen? Ihre Erklärung macht leider keinen Sinn.
stbo70 27.12.2018
5. Slow Trading
Das schnelle Hoch und Runter zeigt, das es keine langfristigen und nachhaltigen Interesse der Anleger gibt. Um eine ruhigere, stabilere Wirtschaft zu gewährleisten, müssen Aktienkäufe besteuert werden. Das führt dazu, daß Aktien länger gehalten werden und sich die Märkte beruhigen. Die Menschen werden lernen in größeren Dimensionen als Quartale zu denken?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.