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US-Kaufhaus Macy's: Weniger Kunden, mehr Pomp

Foto: Mark Lennihan/ AP

Niedergang der großen US-Kaufhäuser Schlussverkauf

Ihre Namen sind weltbekannt, ihre Flagship-Stores Touristenziele: US-Kaufhäuser wie Macy's und Bloomingdale's haben einen legendären Ruf. Doch ihr Geschäft ist kaputt.

Auf den ersten Blick ist alles beim Alten. Im Erdgeschoss von Macy's, dem weltberühmten Kaufhaus am New Yorker Herald Square, herrscht Chaos. Hunderte Kunden schieben sich an den Auslagen vorbei, Verkäuferinnen verspritzen Parfüms, Video-Wände bewerben US-Marken ("American Icons").

Wer jedoch mit den alten, hölzernen Rolltreppen bis ganz nach oben zuckelt, hinauf in den neunten Stock dieses 115-jährigen Megastores, den erwartet ein etwas anderes Erlebnis: Grabesstille, menschenleere Gänge, gelangweilte Angestellte, unangetastete Ware. Offenbar interessiert sich niemand für die Edelkoffer, die Ledersofas, die Memory-Foam-Matratzen für 2999 Dollar.

Der erste Eindruck trügt, der zweite nicht.

Der sagenumwobenen US-Kaufhauskette Macy's geht es miserabel. Ihr Flagship-Laden - fast ein Jahrhundert lang der weltgrößte und gerade erst einer 400-Millionen-Dollar-Modernisierung unterzogen - bleibt zwar eine Attraktion für Touristen aus Europa und Asien. Doch die kaufen kaum ein - und die Amerikaner erst recht nicht.

Hinter den funkelnden Fassaden bröckelt das Gebälk

Der Umsatz des Konzerns - zu dem 769 Macys- und 43 Bloomingdale's-Filialen gehören - fiel fünf Quartale hintereinander, zuletzt lag er mit 5,8 Milliarden Dollar fast eine halbe Milliarde Dollar unter dem Vorjahr. Jetzt spüren die Angestellten die Konsequenzen: Macy's-Chef Terry Lundgren, der die knausrige "internationale" Kundschaft für die Flaute mitverantwortlich gemacht hatte, muss zum Jahresende gehen, sein weitaus jüngerer Vize soll das Schicksal wenden.

Doch die Probleme liegen tiefer - nicht nur bei Macy's. Auch viele andere namhafte US-Kaufhäuser pfeifen aus dem letzten Loch: Hinter den funkelnden Fassaden und den elaboriert dekorierten Schaufenstern bröckelt das Gebälk.

Zum Beispiel Neiman Marcus, zu dem auch der Luxusladen Bergdorf Goodman gehört, eine Institution an der Fifth Avenue: Dessen Einnahmen schrumpften binnen eines Jahres von fast 20 Millionen Dollar auf 3,9 Millionen Dollar. Hinzu kommen fünf Milliarden Dollar Schulden: Nach Informationen der "New York Post" sucht die US-Kette jetzt nach einem Käufer - in China.

Sicher: Der Niedergang der wundersamen American Department Stores kündigte sich schon lange an. Er kam nicht plötzlich, sondern leise, schleichend - und nun umso erbarmungsloser. Ein "perfect storm", ein verfluchter Mix aus Widernissen macht die legendären Häuser jetzt ähnlich obsolet wie andere Prä-Internet-Dinosaurier - Telefone, Faxmaschinen, Postämter, Buchläden.

Von der Rezession 2008 haben sich die Konzerne nicht erholt

Der große Verfall hat begonnen. Schon Anfang des Jahres, nach dem gefloppten Weihnachtsgeschäft, kündigte Macy's an, bis zu 40 Filialen zu schließen. Die meisten davon in Kleinstädten und Malls. Außerdem sollten mehr als 4500 Stellen abgebaut werden. Das Elend ist branchenweit: Viele US-Ketten machen dicht.

Die Misere begann mit der Rezession von 2008, von der sich weder die Konzerne noch die Kunden so richtig erholt haben. Letztere gewöhnten sich an die Dumpingpreise, mit denen sich die Häuser durch die Krise hangelten. Als die Preise dann unweigerlich wieder stiegen, blieben die Käufer weg.

Das jährliche Macy's-Feuerwerk - eine kostspielige Attraktion

Das jährliche Macy's-Feuerwerk - eine kostspielige Attraktion

Foto: KENA BETANCUR/ AFP

Zumal es überall neue, preiswertere und praktischere Alternativen gibt - von Shopping-Websites, die alles bieten, was ein Kaufhaus hat, über Billigrivalen wie H&M, das seinen weltgrößten Laden der New Yorker Macy's-Zentrale an der 34th Street direkt vor die Nase baute, bis zu den Marken selbst, die über ihre eigenen Online-Auftritte den Mittelsmann ausschalten.

"Vor zehn Jahren brauchte man einen großen Department Store, um erfolgreich zu sein", sagte ein hochkarätiger US-Designer dem Branchen-Newsletter "Business of Fashion" ("BoF"). "Jetzt braucht man Instagram." Neiman-Marcus-Chefin Karen Katz sekundiert: "Der Kunde verliert das Interesse daran, im Laden einzukaufen, ob Kaufhäuser oder Luxusshops."

"BoF" erklärt noch eine weitere Besonderheit, die den US-Kaufhäusern, anders als denen in Europa und Asien, zum Verhängnis wird: Sie operieren nach einem Großhandelsmodell, indem sie den Markenherstellern die Ware en masse abkaufen und so ein Inventar anhäufen, das sie selbst loswerden müssen. Ihre Pendants außerhalb der USA dagegen sind meist Vermieter - mit "shop-in-shops" für die Marken, die ihnen Pacht und Kommission zahlen.

Zwei Dinge jedoch wird sich Macy's wohl nie nehmen lassen - seine legendäre Thanksgiving-Parade und sein gigantisches Feuerwerk zum amerikanischen Unabhängigkeitstag. Am 4. Juli - dem 240. Geburtstag der USA - gab es diesmal das "größte pyrotechnische Spektakel in mehr als einem Jahrzehnt", mit fast 60.000 Feuerwerkseffekten. Kosten: rund sechs Millionen Dollar.

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Foto: Bryan R. Smith/ AP/dpa
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