US-Ermittlungen Wettbewerbshüter nehmen Googles Suche ins Visier

Google bekommt Probleme. Die US-Kartellbehörde FTC will laut "Wall Street Journal" prüfen, ob der Internetriese seine Marktmacht ausnutzt. Erstmals soll es bei den Ermittlungen nicht um Übernahmen gehen, sondern um das Kerngeschäft des Unternehmens: die Suchmaschine.
Google-Logo: Dem Unternehmen droht eine weitreichende Untersuchung

Google-Logo: Dem Unternehmen droht eine weitreichende Untersuchung

Foto: ddp

Washington - Das Verfahren steht noch ganz am Anfang, doch die Berichte lassen aufhorchen: Google muss in den USA offenbar die bislang bedeutendsten kartellrechtlichen Ermittlungen fürchten. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC werde dem Suchmaschinenkonzern "innerhalb von Tagen" formelle Auskunftsanträge zustellen, berichtet das "Wall Street Journal".  Die Zeitung beruft sich auf namentlich nichtgenannte Personen, die mit den Vorgängen vertraut seien. Es sei der Auftakt zu einer "weitreichenden, formellen Anti-Kartell-Untersuchung". Auch andere Firmen würden Auskunftsanträge erhalten, bei denen es um ihre Beziehungen zu Google gehen soll.

Nun sind kartellrechtliche Ermittlungen nichts Neues für Google  . In der zwölfjährigen Geschichte des Unternehmens gab es schon zahlreiche Verfahren. Doch das Besondere an diesem Fall ist laut "Wall Street Journal", dass es um Googles Kerngeschäft geht, die Suchmaschine, die für den Großteil des Gewinns sorgt. Die Ermittlungen seien die "bislang bedeutendsten", weil es um grundlegende Angelegenheiten gehe. Bislang beschränkten die US-Behörden ihre Ermittlungen stets auf Übernahmen, bei denen geprüft wurde, ob sie Googles Vormachtstellung unzulässig zementieren.

Bei dem nun anstehenden Verfahren wollen die US-Wettbewerbshüter laut der Zeitung untersuchen, ob Google seine Marktmacht zum Nachteil von Konkurrenten ausnutzt. Die Frage sei, ob das Unternehmen Nutzer der Google-Suchmaschine zum Schaden der Konkurrenz zu seinen Online-Angeboten leite. Der Vorwurf von Konkurrenten lautet, dass Google die Seiten anderer spezialisierter Suchdienste bei seinen Suchergebnissen vorsätzlich zu weit unten und seine eigenen Dienste zu weit oben anzeigt.

Auch drei US-Bundesstaaten ermitteln

Über die Suchmaschine von Google laufen in den USA rund zwei Drittel aller Internetsuchen. Weder die Wettbewerbsbehörde FTC noch Google äußerten sich bislang.

Das "Wall Street Journal" vergleicht die anstehenden Ermittlungen bereits mit Ermittlungen gegen Microsoft   in den neunziger Jahren. Damals musste sich der Computerkonzern gegen ein großangelegtes Verfahren des US-Justizministeriums wehren. Zwar konnte Microsoft eine Zerschlagung verhindern, die Ermittlungen bremsten den Konzern jedoch und schädigten sein Image in der Öffentlichkeit. Risiken, die nun auch Google drohen könnten.

Zumal die Ermittlungen der FTC offenbar nicht die einzigen sind: Laut Berichten der "Financial Times" und der Nachrichtenagentur Reuters ermitteln auch Staatsanwaltschaften von drei US-Bundesstaaten gegen Google - Kalifornien, New York und Ohio. Die Ermittlungen stünden ebenfalls noch am Anfang. In der EU läuft bereits seit November ein Kartellverfahren der EU-Kommission gegen Google.

cte/AFP
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